Die alljährliche Regensburger Sportlerehrung mit ihrem oft unvereinbaren Sportgemenge

Regensburg, 24. November 2009 (orv) –  Da standen sie nun ihn Reih und Glied, die Medaillengewinner/Innen der Welt- und Europameisterschaften, die die Stadt Regensburg in diesem Jahr hervorgebracht hat. In der Regel in Ehren ergraute Seniorensportler, garniert mit zwei ganz jungen Leichtathletik-Sternchen, die inmitten der zahlreichen „Oldies“ fast ein wenig verloren wirkten. Wenn man genau hinschaute, waren es die einzigen, die sich für ein deutsches Team erst aufreibend qualifizieren mussten und in einer deutschen Auswahlmannschaft standen. Die anderen meldeten sich in der Regel einfach auf eigene Kosten an und waren so – schwupps – bei einer WM dabei.

So erlebte man denn während der ewig langatmigen Veranstaltung, was nicht am gut vorbereitenden Moderator lag sondern eben vielmehr am Meisterschaftsbandwurm der Senioren- und Breitensportarten, so manche Absonderlichkeit. Da ließ sich stolz ein 75-Jähriger den Erinnerungs-Zinnteller für seinen zweiten Platz bei den Deutschen Meisterschaften überreichen, ungeachtet der Tatsache, dass wahrscheinlich sogar nur zwei am Start waren. Szenenwechsel. Nach einer Stunde endloser Ehrungen der verschiedenen Einzelmeister tritt auch ein junger 800 m Läufer nach vorne und nimmt als Bayerischer Meister seine Ehrengabe bescheiden in Empfang. Fast keiner im Saal wusste, dass jener drahtige junge Mann vor 20.000 Zuschauern im Ulmer Donaustadion mit veritablen 1:49,83 im Endlauf der Deutschen Meisterschaften stand und dort als gerade mal 20-Jähriger beachtlicher Achter wurde. Kontraste der besonderen Art, freilich mit Verzögerung und umgekehrten Leistungsfaktor.

Auch seiner Teamkollegin ging’s nicht anders. Vierte im DM-Endlauf über 1500 m ist eben schlechter als ein Landestitel, nicht erwähnungswert, obwohl ein wirklich gut vorbereitender Moderator relativierte: „Die junge Dame hat sich am letzten Wochenende schon fast für die Cross-EM qualifiziert.“ Geradezu abenteuerlich wurde es, als dann die amerikanischen Line-Tänzer oder jene Orientierungsläufer mit ihren Erfolgen wucherten. Die einen haben ein fünfstufiges Meisterschaftssystem vom Anfänger bis zum Fortgeschrittenen kreiert, bei dem man fast immer nationale Titel sammeln muss, die anderen wurden vom Moderator denn gleich auf die Schippe genommen: „Der Verein hat meines Wissens fünfzig Mitglieder, ich glaube aber, schon den Zweiundfünfzigsten geehrt zu haben.“

Sei’s drum, wie es ist. Unvergleichbares lässt sich oft schwer miteinander verbinden, und wenn es denn geschieht, wohl nur im Sinne derer, denen dies als kommunale Pflicht auferlegt worden ist. Natürlich ist es schwer, allen Interessen in so einer Veranstaltung gerecht zu werden. Den gordischen Knoten wird wohl keiner lösen können. Des Rätsels Lösung könnte sein: Eine peppige Show mit dem wenigen Spitzensport der Stadt, mit Videoclips und Interviews und allem was dazu gehört auf der einen Seite und die selbstverständlich würdevolle Ehrung der Breiten- und Seniorensportler auf der anderen. Klarer, verständlicher und wohl auch gerechter für beide Bereiche wäre das allemal.