Warum sich Corinna Harrer langsam selbst unheimlich wird und wie es kam, dass sie im Ziel in Dublin nicht mal ihre Platzierung wusste

harrer_cross-em08_staeckerfotoRegensburg, 15. Dezember 2009 (mz/wotruba) - Freud und Leid lagen nahe beieinander. Christiane Danner (21) stürmte bei der Cross-Europameisterschaft in Dublin wie von der Tarantel gestochen los, war U23-Zweite in der Startphase, brach ein und landete auf Rang 35. Corinna Harrer, die Vereinskollegin von der LG Telis Finanz Regensburg, machte es umgekehrt. Die 18-jährige Schülerin aus Wenzenbach legte eine sagenhafte Aufholjagd in der U20 hin. Ihr Schlussspurt hätte sie fast aufs Treppchen geführt, mit Team-Bronze aber ließ sich Einzelplatz vier gut verschmerzen. Nach der Rückkehr hatte MZ-Redakteur Claus Wotruba Corinna Harrer am Telefon.

Corinna, wenn Sie auf 2009 blicken, werden Sie sich nicht selbst unheimlich?

Jetzt erst, nach dem Rennen in Dublin, wird mir bewusst, was ich alles geleistet habe heuer: All die Ehrungen wie die Nominierung zur MZ-Sportlerwahl (mehr unter www.mittelbayerische/sportlerwahl.de, d. Red.), all die Rückblicke. Ja, doch, langsam werde ich mir selbst unheimlich.

Zumal die Strecken ja so unterschiedlich sind: 800 Meter, 10 km, jetzt Cross...

Wenn, dann will ich etwas ganz machen. Das ist mein Ehrgeiz. Es macht Spaß, die 10.000-Meter-Spezialisten mal zu fordern. Und Cross ist eine Super-Abwechslung, weg von Bahn und Zeiten. Da kann so viel passieren. Ich hatte in Dublin einen Mega-Spaß.

Beim EM-Silber in Novi Sad im Sommer wussten sie im Ziel nicht, Wievielte Sie sind. Diesmal wähnten Sie sich auf Platz neun. Läuft man denn so in Trance?

Ich wusste nach der ersten Runde, dass ich so um Platz 15 lag. Danach habe ich gar nicht mitgezählt, wie viele ich eingesammelt habe. Als der Bundestrainer 200 Meter vor dem Ziel gerufen hat, ich soll Gas geben, weil unser Team jetzt Vierter ist, bin ich um mein Leben gelaufen. Dass ich noch zwei überholt habe und Vierte war, habe ich nicht realisiert. Und dann ist eine Teamkollegin schon gekommen und hat gesagt, dass wir Dritter sind. Ich habe mich nur gefragt: Wie geht das? Ich hätte doch nie gedacht, dass ich mit einer Medaille heimkomme.

Gibt's eine Hallensaison?

Nur die Bayerischen als Test. Ende Februar geht's wieder mit Cross weiter: Bayerische und Deutsche Meisterschaft. Und vielleicht ein Trainingslager in den Faschingsferien.

Wenn Sie auf 2010 blicken: Wird nicht auch das unheimlich, schon wegen der gestiegenen Erwartungen an sich selbst?

Mein Trainer Kurt Ring macht sich viele Gedanken. Ich tue es nur grob. Bis vor kurzem habe ich an die EM nicht gedacht. jetzt kann es sein, dass ich mich zwischen Barcelona und Junioren-WM entscheiden muss. Aber das ist weit weg. Erstmal muss ich den Winter überstehen, das Abitur steht auch an — und dann sehen wir weiter.