Nachdenkliches zur "staden" Zeit

bekele_oslo06Regensburg, 23. Dezember 2009 (orv) - Seltsam kam ich mir vor auf meinem Sitz Nummer 22, Reihe 17, Block N im Olympiastadion zu Berlin. Um mich tobten 56.000 begeisterte Zuschauer. Usain Bolt war soeben wieder einmal Weltrekord gelaufen. Mit einer geradezu arrogant wirkenden Leichtigkeit hatte er alle Gegner düpiert. Illusion und Wirklichkeit vermischten sich bei mir zu einem nachdenklichen Gemenge. Ähnliches hatte ich schon mal empfunden zu einer ganz anderen Gelegenheit. David Copperfield, der große Magier hatte Station in Regensburg gemacht und ich die sündteure Eintrittskarte von meiner Frau zum Geburtstag geschenkt bekommen. Im weitem Rund der Donauarena ging es mir ähnlich, als der große Meister mir nichts dir nichts eine ganze Reihe von Menschen von der Bühne in die hinteren Reihen der Zuschauer zauberte.

Jeder im Raum wusste, dass alles nur Illusion war. Intelligenter Schwindel eben, überragend gemacht, aber nichts gemein mit der Wirklichkeit. „Wie macht er das nur?“ war wohl dier meist gestellteste Frage zu diesem Augenblick. Genauso so erging es mir mehrmals in den Weltmeisterschaftstagen zu Berlin. Vieles, was die Topstars auf die blaue Bahn zauberten, ging in Richtung Illusion. Es war einfach nicht mit normalem Verstand nachvollziehbar, was Bolt, Bekele und all die anderen Superstars da boten, ähnlich wie schon bei vergangenen WM’s in Paris Helsinki oder Osaka.

Freilich viele Wundertaten der Leichtathletik wurden im Nachhinein auf unerwünschte Weise erklärt, nicht einmal durch das immer enger werdene Dopingkontrollsystem, als oft nur durch dumme Zufälle wie die Balco-Affäre.
Irgendwie scheint dies dem Weltverband IAAF unter Führung des allmächtigen Senegalesen Lamin Diack  geradezu peinlich zu sein. Es fällt schon auf, dass nie die ganz Großen erwischt werden, sondern immer wieder, wie die Österreicherin Steffi Graf, auf ganz seltsame Art von der Leistungssportbühne veschwinden. Ebenso die Tatsache sticht ins Auge, dass für zwei Handvoll Weltklasse-Äthiopier im eigenen Land es unmöglich sein soll, ein Trainingsdopingkontrollsystem aufzubauen.

So bleibt nur zu hoffen, dass jene Auswüchse des Top-Sports die Ausnahme bleiben und nicht ständig sportliche Wunder passieren.