Die laufenden Engelchen der LG Telis Finanz

danner-lutz-kick_blv-langstaffel08_kiefner-fotoRegensburg, 24. Dezember 2009 – Derzeit wird Telis-Sternchen Corinna Harrer als Deutschlands Multi-Lauftalent gehandelt. Ihr großes Streckenspektrum überrascht die Leichtathletik-Nation. Für die Regensburger ist das alles ganz normal. Sie sind hier alle so, die laufenden Engelchen der LG Telis Finanz. Zuerst war es eines und das wirbelte bereits vor sechs Jahren auf den Bahnen von Kiel bis Berchtesgaden herum. Susi Lutz entzückte damals die Betrachter durch ihr erfrischendes Laufen und ihre Unbekümmertheit. Bald kam mit Julia Kick ein zweites dazu und mit Christiane Danner ein drittes, wobei das nicht ganz stimmt, weil dazwischen mit Corinna Harrer ein ganz schnelles zunächst schon mal im Langsprint für Furore sorgte. Das breite Spektrum ist bei allen Vieren gleich, auch wenn es bei Julia und Susi nicht so auffällt, weil beide vom lieben Gott mit geringerer Grundschnelligkeit gesegnet wurden. Inzwischen haben die sich eine Leistungsnische gesucht und sind über die Hindernisse sogar international erfolgreich, International ist jetzt Christiane auch geworden. In ihrem Herbst-Trainingsplan stand: „Wenn Du es bis Dublin schaffst, trag ich Dich aus dem Stadion hinaus“. Sie hat’s getan, der Trainer hat nun Vollzugsprobleme.

lutz1_kaunas-emu20-09_lutzfotoNun aber zu den Fakten und das chronologisch vom Cross im März bis zum 10 km Straßenlauf im September. Ihre internationale Reifeprüfung haben inzwischen alle vier mit Bravour auf den verschiedensten Strecken gefeiert und man kann sagen, dass dies zumindest bei zweien nicht immer auf ihrer Sahnestrecke passierte. Bei der Cross-DM bildeten sie noch Zwei-plus-zwei-Pakete. Die beiden Älteren verpassten dabei mit der jüngeren Lutz-Schwester Judith nur ganz knapp Gold gegen starke Gegnerschaft aus Fürth und Kassel, die einen hinter ihnen, die anderen vor ihnen. Letztendlich fehlte nur ein Pünktchen. Die Jüngeren liefen souverän in der U20 im Verbund mit Engelchen-Anwärterin Theresa Piendl den Titel nach Hause. Den übrigen Sommer widmete man sich dann den individuellen Zielen, wobei alle ganz brav sowohl auf der Unter- als auch Überdistanz Leistungen abgaben, die vom Feinsten waren. Die Medaillen rasselten nur so herein. Beim nächsten Mannschaftstreff, der 4x400 m Staffel, sowohl bei den Juniorinnen, als auch bei den Frauen, waren mit Chrissy Danner und Corinna Danner wieder zwei aus der Multi-Gruppe am Werkeln, teilweise schon arg vorbelastet durch glänzende Individualeinsätze nur wenige Stunden vorher. Den Vogel schoss dabei Chrissy ab, die unmittelbar nach dem 1500 m Zieleinlauf als Fünfte der Deutschen Juniorenmeisterschaften in den Startblock für die 4x400 m Staffel stieg und das Quartett mit Bestzeit als Vierte ins Ziel brachte. Wochen später dann das selbe Bild: Corinna Harrer war sich nach ihrem 800 m-Jugendtitel nicht zu schade, die zwei Runden im Stadion zu Rhede nochmals unter die Beine zu nehmen, um zusammen mit Susi Lutz und Christiane Danner den Hausrekord über 3x800 m um zehn Sekunden zu steigern. Die 6:30,66 waren dann auch die schnellste deutsche Juniorinnenleistung in diesem Jahr. Nur vier Wochen später überraschten genau die drei in Otterndorf als überlegener Mannschaftsmeister im 10 km Straßenlauf, allesamt mit neuen persönlichen Bestleistung. Gäbe es hier in der Teamwertung eine deutsche Bestenliste im Juniorinnenbereich, würden sie auch hier deutlich die Pole-Position einnehmen. Vielleicht war es im Verbund sogar die stärkste Leistung, die jemals ein deutsches U23-Team abgegeben hat.

kickjulia_em-u2009_henselfoto„Mit Zwang wären die Mädels zu solchen Herausforderungsritten wohl nicht zu bewegen, mit Überzeugungsarbeit um so mehr. Sie haben verstanden, dass sie für ihre ganz persönliche Höchstleistung auf ihrer ganz persönlichen Spezialstrecke Ausdauer und Schnelligkeit zugleich brauchen, sozusagen als Grundlage, um nicht auf Sand zu bauen. Und danach halten sie sich im Wettkampf und im Training“, so ihr Trainer Kurt Ring zur mehrjährigen Trainings-Philosophie. Wohin die gehen soll, verraten sie alle nur zögernd aber durchaus durchdacht: „Mal sehen, was das Talent zulässt.“ Noch sind sie jung und noch lange nicht am Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit.

Susi, die Älteste und zugleich eine, die jeden neuen Schritt in neues Terrain sehr vorsichtig macht, genau betrachtend welch Unheil ihr unter Umständen widerfahren könnte, bereitet(e) den Weg für die anderen, die dann meist so ungestüm nachrumpeln, dass sie als „Teamcaptain“ schon ganz froh ist, bisweilen „ihre“ Hindernisse zu haben. Neulich hat sie sich auch schon mal nach der Halbmarathon-Distanz erkundigt, für den Fall, dass die Jungen ihr zu wild werden. Auch dort hat die LG Telis Finanz mit ihren „alten“ Damen schon seit Jahren national den Erfolg gepachtet und ist nun schon im vierten Jahr Deutscher Mannschaftsmeister.
danner_dublin09-ringfotoWas im Training oft so kunterbunt durcheinander ausschaut, den Mädels einen Heidenspaß bereitet, einmal mit Langsprinterinnen, dann wieder mit Nachwuchs-Buben oder mit Edeljoggern ihre Einheiten abzutrainieren, hat eine wohl durchdachte strenge Regie im Hintergrund. Der, der den Taktstock schwingt, ist für Uneingeweihte im Training gar nicht erkennbar. Meist steht er am Rande der Bahn oder Halle und schaut und schaut, manchmal raunzt er ein wenig grantig, aber in aller Regel ist er zu seinen Engelchen in der Hauptsache sehr lieb und fürsorglich. Trainer Kurt Ring hat sich mit Co-Trainerin Doris Scheck, seiner Frau und anderen Mitstreitern ein Kooperationssystem aufgebaut, das zu funktionieren scheint. Die Erfolge, die von Jahr zu Jahr immer mehr werden, können jedenfalls nicht nur auf Glück begründet sein. Und die Mädels waren immer auf dem Punkt topfit.

Vertauen ist nur ein Wort. In der jahrelangen Zusammenarbeit der Multi-Läufergruppe Telis sind daraus Taten geworden. Die Mädels brauchen bei Schwierigkeiten beim Chef und seinen Mitarbeitern gar nicht lange anklopfen, der steht meist schon mit Lösungen vor der Tür. Schließlich sollen sie neben dem Sport auch erwachsen werden, zu Persönlichkeiten heranwachsen, gleich ob sie nun ganz oben oder auch nicht ganz oben ankommen. Glückliche junge Menschen sollen sie werden.

Zicken sind seine Engelchen überhaupt nicht, auch dann nicht, wenn bei den zwangsläufig sich verschiebenden Positionen in der Athletinnen-Hierarchie genügend harrercorinna-novisad-11_henselfotoAnlasspotential da wäre. Unruhig sind sie im Herbst diese Jahres aber schon geworden. Gleich sieben „Neue“ sind gekommen, alle jung, schnell, adrett und vor allem – männlich. Da kamen flugs beängstigende Gedanken auf: „Plant der Coach den Männeraufstand, hat er von uns die Schnauze voll, was will er uns damit sagen?“ Frauen sind da sensibel und wenn sich im ewigen Frauenclub LG Telis die Männer plötzlich so breit machen, ist dies höchst befremdlich. Inzwischen ist aber eine lustige Multi-Mischtruppe draus geworden und den „Neuen“ wurden keine Augen ausgekratzt. Im Gegenteil, sie genießen es, wenn Sie wieder einmal Hahn im Korb sind.

So passt es denn auch gut zu Weihnachten: Die Läufer/Innengruppe der LG Telis Finanz geht zufrieden in die neue Saison. Über die zu erwartenden Erfolge macht sich derzeit höchstens der Trainerstab tiefere Gedanken. Wie gesagt: Vertrauen ist nur ein Wort, bei der LG Telis Finanz wird es gelebt.