Teil 2: April bis Juni

heiss-ulrich-volke_dm-hm09_volkefotoRegensburg, 26. Dezember 2009 (orv) – In der Ruhe liegt die Kraft: Nach einem eher verhaltenen April und Mai starteten die Telis-Athleten/Innen im Juni durch. Mit einem furiosem Auftritt bei den Deutschen Juniorenmeisterschaften Ende Juni in Göttingen legten die Telis-Youngster den Grundstock für die später folgenden internationalen Erfolge. Dass dies im Vorfeld gar nicht so klar war, geht aus der Chronologie des Frühjahrs hervor.

Der April – Zeit des Trainierens und der Halbmarathonis

Für den ersten Paukenschlag sorgte eigentlich noch im März Langstreckler Philipp Pflieger, genauer gesagt Mitte März. Kaum aus der Rekonvaleszenz entlassen, verabschiedete sich der Jungspunt nach seinem grandiosen Crossauftritt gleich wieder ins Verletztenlager. Diagnose: Stressfrakrur im Kreuzbein – absolute Ruhe war angesagt – und das sechs Wochen mindestens. Während sich eine Handvoll Mediziner und Physios sorgenvolle Gedanken über die wahre Dauer des Heilungsprozesses machten und durchaus auch eine Pause von sechs Monaten diskutiert wurde, machte der Athlet im Trainingslager zu Cervia, bei dem er natürlich als Sporttourist dabei war, Pläne für sein Quali-Rennen in Richtung Junioren-EM über 5000 m. Freudestrahlend setzte er es auf den 12. Juni in Lugano fest und alle außer ihm waren der Meinung: Unmöglich geht nicht! pykadennis_dm-hm09_kiefnerfotoSo weit, so gut, das Trainingslager verlief für die anderen weitgehend störungsfrei, Optimismus machte sich breit. Die Halbmarathonis mussten meisterschaftstechnisch als erste ran im altbayerischen Aichach bei den Deutschen Meisterschaften und sie machten ihre Sache mehr als gut: Die Frauen verteidigten ihren Titel und blieben mit der Einzel-Fünften Veronika Ulrich (1:18:09 – zugleich W40/ 2.), der 10.-Platzierten Steffi Volke (1:20:32) und der 11.-Platzierten Mikki Heiß (1:20:54 – zugleich W35/2.) als einziges Team unter vier Stunden (3:59:35). Der Seniorentitel ging mit Ulrich, Heiß und Rieke Mayer-Tancic ebenfalls nach Regensburg und auch Dennis Pyka konnte mit seinem sechsten Platz bei den Männern in 1:07:50 durchaus überraschen. Kurze Zeit später blieb er mit 2:19:19 im Marathon erneut unter 2:20 Stunden und setzte sich damit später an die siebte Stelle der deutschen Bestenliste.

Der Mai – Susi Lutz beendet ihre DM-Leidenszeit

Der Mai war gerade einmal zwei Tage alt, als in Bremen ein überglücklich heulendes Mädel in den Armen ihres Trainers ein ganzes Geröll von Steinen vom Herzen plumpsen ließ. Nach fast drei Jahren hatte Susi Lutz wieder ihren unwiderstehlichen faszinierenden Spurt entdeckt und war Deutsche Juniorenmeisterin über die 10.000 m geworden. Dass die Uhr bei 35:00,52 knapp über einer 34er-Zeit stehen blieb, war am Ende nicht einmal mehr ein Schönheitsfehler. Telis-Sternchen Nummer zwei  machte es indessen über 5000 m spannend: Dreieinhalb Kilometer im Feld mitjoggend, hätte sie beinahe den scharfen Antritt ihrer Goldrivalin Jana Sußmann übersehen und fing sich gleich mal einen satten Rückstand von vierzig Metern ein. „Ich bin eine Zockerin“ wird sie Monate später im Gespräch mit dem Leichtathletik-Magazin sagen, in Bremen war sie es wirklich: Mit einer Energieleistung drehte sie fünfhundert Meter vor dem Ziel den Spieß um und holte sich nach dem Cross-Titel auch 5000 m Gold. lutzsusi1_koblenz09_buettgenfotoFür eine Deutsche 400 m-B-Meisterin des Vorjahres durchaus eine bemerkenswerte Leistung. Koblenz sollte am 20. Mai die ersten EM-Qualizeiten für die U20- und U23-EM bringen und die Telis-Mädels ließen sich nicht lumpen. Wieder der faszinierende Spurt der Susi Lutz auf der letzten Runde, wieder der gesamte Nachwuchs einschließlich der späteren EM-Achten Conny Schwennen hinter ihr und was für eine Zeit! Mit einer 16:12,84 hatte der Sinzinger Sausewind die Qualizeit für Kaunas um mehr als 17 Sekunden unterboten und zugleich auch noch den bayerischen Uralt-U23-Rekord von Heidi Hutterer den Garaus gemacht. Zuvor schon sorgten Corinna Harrer und Christiane Danner als Zweite und Dritte des 1500 m Rennens mit tollen Steigerungen auf 4:19,82 und 4:20,82 für Aufsehen, wobei die jüngere der beiden gleich mal deutlich unter der Novisad-Norm von 4:24 blieb. Telis Frauenpower auch bei den Deutschen Marathonmeisterschaften in Mainz: Mikki Heiß steigerte sich dort auf kaum erwartete 2:44:39 (5. – W25/2.) und legte damit den Grundstock für Team-Silber im Verbund mit Steffi Volke und Rieke Mayer-Tancic (8:44:10). Sechs bayerische Meistertitel über 4x400 m (Julioriinen, Junioren) und Langstaffeln (3x800: Juniorinnen, wJA – 3x1000 m: Junioren, mJA) kamen noch dazu. Einen großen Wermutstropfen gibt es auch noch: Stefan Matula fällt mit einer Stressfraktur für den Rest der Saison aus.

Der Juni – Galazeit

pflieger_lugano_meeting_2009Bereits am 1. Juni ging’s in Rehlingen und Schwandorf weiter. Fernab von der Heimat steigerte Susi Lutz ihre 3000 m Hindernis-Bestzeit auf eine 10:02er-Leistung und Corinna Harrer gewann den B-Lauf mit einer tiefen 2:05er-Zeit, natürlich ebenso Hausrekord. In Schwandorf holen sich Veronika Ulrich und Judith Lutz die Landestitel über 10.000 m bei den Frauen und Juniorinnen. Dann kam die Sparkassen Gala mit grandiosen Leistungen im Sprint, dem Einstieg in die „laufenden“ Bilder mit der livestream-Übertragung via Internet, den gleich mal zehntausend User auf einmal – lahmlegten und zum Stottern brachten. Die LG Telis Finanz hatte wieder einmal ein Zeichen gesetzt! Aber auch mit drei Siegen eigener Leute und was für welche: Corinna Harrer lief mit beindruckenden letzten 150 Metern ihre aktuelle Bestzeit von 2:04,14 über die 800 m, Philipp Pflieger griff nach nur vierzehntägiger Trainingsarbeit über 3000 m mit hoffnungsvoll stimmenden 8:10,71 wieder ins Wettkampfgeschehen ein und Michelle Weitzel landete weit jenseits der Sechs-Meter-Marke bei 6,24. Über dreitausend Zuschauer ließen sich auch von einem Gewitterguss nicht vertreiben, Sabrina Mockenhaupt scheiterte beim Rekordversuch über 10.000 m. Susi Lutz konnte auch bei der dritten Galaauflage ihr in Regensburg-nicht-gewinnen-können-Syndrom nicht ablegen. Nach einem starken Mittelteil musste sie Verena Dreier den Vorrang lassen. Freitag, 12. Juni 2009, 22.50 Uhr: Das Telefon klingelte bei Teamchef Kurt Ring. Mama Pflieger sprach nur einen Satz und ließ damit den Coach im glückseligen Staunen zurück: „Philipp ist eine 13:54 gelaufen!“ Der Teufelskerl hatte etwas wahr gemacht, was im keiner, aber auch keiner zugetraut hatte – die direkte EM-Quali im ersten Rennen und zugleich die erste 13er-Zeit für ihn! Am nächsten Tag holte sich Theresa Piendl mit 5:13,67 über 1500 m Hindernis der wJB den ersten Landes-Titel über die Böcke. Was die LG-Youngster dann bei den Deutschen Juniorenmeisterschaften am 27./28. Juni auf die Bahn zauberten, war vom Feinsten. Viermal standen Telis-Athleten/Innen ganz oben, allesamt mit der EM-Qualifikation in der Tasche. Corinna Harrer schlug über die 800 m die zum Teil vier Jahre älteren Konkurrentinnen souverän mit 2:04,84, ebenso überlegen die Siege von Susi Lutz über 3000 m Hindernis (10:06,64), Philipp Pflieger (5000 m/14:08,41) und Manuel Ziegler im Dreisprung (15,63). Julia Kick verpasste als Hindernis-Dritte Silber nur um Brustbreite, sprang aber mit 10:34,39 auf den EM-Zug auf. Zweite Bronze holten die 3x1000 m Jungs auch ohne Pflieger: Dominik Jakob, Jonas Zweck und Sebastian Zundler schafften dies mit 7:26,35, nachdem Sebastian Zundler bereits Achter mit neuem Hausrekord über 1500 m in 3:50,50 geworden war. Bei den Mädels ein ähnliches Bild: Die 4x400 m Staffel holte mit Bestzeit von 3:45,70 Platz vier mit der Einzelmeisterin Harrer, der 400 m-Achten Vera Stelkens (55,67), Julia Liedl und der 1500 m-Fünften Christiane Danner (4:23,43), die unmittelbar nach ihrem Finallauf in den Startblock für die Staffel stieg und fünf Minuten später erst einmal richtig groggy war. Ebenfalls über sich hinauswachsend: Anna Plinke als 1500 m-Zwölfte und einer Steigerung auf 4:42, sowie Judith Lutz als 5000 m-Zehnte in 17:44,33. Bei den Landesmeisterschaften der jugendlichen Mehrkämpfer wurde Igor Rud Doppelmeister im Fünf- cund Zehnkampf (3525 P./6816 P.)