Teil 3: Juli bis September

harrercorinna-novisad-19Regensburg, 27. Dezember 2009 (orv) – Das Frühjahr hatte eine klare Tendenz aufgezeigt: Die Telis-Athleten/Innen waren zum Durchstarten bereit. Die Zeit der Ernte war gekommen. Lag der Fokus in den zurückliegenden Jahren in der Hauptsache bei den Landesmeisterschaften, entarteten diese trotz einer Heimveranstaltung fast schon zur Randescheinung. Bei den in München stattfindenden Bayerischen Jugend- und Juniorenmeisterschaften fehlten gleich fünf Telis-Asse, beschäftigt bei den Junioren-Europameisterschaften. Dies sollte auf Landesebene dann trotzdem kaum auffallen.

Der Juli – Zeit der Ernte

Der Juli begann mit den Deutschen Meisterschaften der Männer und Frauen im Ulmer Donaustadion. War man im letzten Jahrzehnt froh, pro Jahr drei bis vier Athleten an den Start zu bringen, waren in diesem Jahr die Erwartungen gestiegen, wenn auch nicht unbedingt mit Medaillenträumen verbunden. Dass am Ende gleich acht Telis-Hoffnungen auf den Plätzen zwei bis acht stachen, hatte indessen im Vorfeld keiner geahnt. Zum absoluten Telis-Highlight sollte der 1500 m Endlauf der Frauen werden. Souverän die Vorläufe überstehend, bestimmten Corinna Harrer und Christiane Danner das Finale mit, waren ständig in der Spitzengruppe zu finden. In einer faszinierenden Spurtentdcheidung riss dann Coco Harrer praktisch auf dem Zielstrich nur ein paar Schritte hinter der alten und neuen Meisterin Denise Krebs Silber an sich (4:19,76) und Christiane Danner erreichte in 4:22,53 als Überraschungsvierte das Ziel. zieglermanuel-novisad-11_henselfotoWie in der Halle landete Dreispringer Manuel Ziegler auch im Freien auf Rang vier, diesmal mit 15,56. Die erneut auf zwei Positionen doppelt belastete 4x400 m Staffel (Christiane Danner und Corinna Harrer standen bereits Stunden vorher im 1500 m Finale) lief ebenfalls, auf vier einkommend, neuen Hausrtekord in 3:43,24 und Hürdensprinterin Pamela Spindler wiederholte ihre Hallenplatzierung (6.) mit famosen 13,43 (VL 13,34) über die 100 m Hürden. Dann folgten noch drei faustdicke Überraschungen: Zuerst landete Michelle Weitzel bei 6,30 m in der Weitsprunggrube, dann erzielte im 1500 m Endlauf Philipp Pflieger mit einem hinreißenden Schlussspurt Hausrekord mit 3:47,29 und mit Sebastian Zundlers Steigerung über 800 m VL 1:49,81/Finale 1:50,24) hatte auch niemand gerechnet. Alle drei durften als jeweilige Achte mit auf’s Siegertreppchen.

Kaunas, mon amour – wird sich Hindernis-Ass Susi Lutz später einmal denken. Kaunas, dort holte das Telis-Mädel 2005 EM-Bronze in der U20 und diesmal war sie wieder in der U23 dabei. Dabeisein ist alles, dachten viele, doch eine Runde vor Schluss witterte die Regensburgerin im 3000 m Hindernis-Finale mehr. Bei windigen und heißen Verhältnissen bekamen einige der höher eingeschätzten Konkurrentinnen Probleme und Susi überholte und überholte. Am Ende hing erneut Bronze an ihrem Hals und dies mit persönlicher Bestleistung (10:01,87), was außer ihr nur noch eine im Endlauf schaffte. Die Lauf-Insider bemerkten jedoch gleich noch mehr Besonderes: Selten hatte vorher eine deutsche Nachwuchsläuferin sowohl in der U20 als auch in der U23 eine EM-Medaille gewonnen. Freund und Teamkollege Philipp Pflieger haderte nach dem 5000 m Finale, das er als Achter in 14:09,13 beendete, ein wenig mit sich selbst. In der Endphase zunächst ans falsche „Hinterrad“ gehängt, verpasste er die Spitzengruppe und blieb so ein wenig unter Wert.

lutzsusi-kaunas-17Schon eine Woche später mussten in Novisad die nächsten Telis-Sternchen international ran. Diesmal waren es bei der U20-EM sogar drei. Trotz einer schmerzhaften Oberschenkelzerrung biss sich Dreispringer Manuel Ziegler bis ins Finale durch und landete dort mit 15,44 auf Rang sieben. Um etwas mehr als eine Sekunde verpasste Hindernisläuferin Julia Kick bei brutalen 37 Grad im Schatten mit unter diesen Umständen sehr guten 10:41 das Finale hauchdünn.  Alles überstrahlte aber die Silbermedaille von Corinna Harrer über 800 m (2:04,51). Unter schwierigen Voraussetzungen – ihr wurde trotz schnellster Vorlaufzeit auf Grund der gemeldeten Vorleistungen Bahn eins zugeteilt – nahm sie das Rennen an und führte das gesamte Feld bis zur 600 m Marke. Ein kleiner Rempler der späteren drittplatzierten Russin machte letztendlich vielleicht sogar Gold zunichte. Mit einem famosen Spurt auf den letzten hundert Metern war es dann die Regensburgerin, die in einer Hunderstel-Entscheidung um Platz zwei bis vier die Nase vorn hatte. „Dann war ich etwas bis viel überfordert“, so ihr Original-Kommentar zum Folgenden: Dopingkontrolle, Siegerehrung und Interviews. Erst nach reichlich mehr als einer Stunde fiel sie überglücklich dem wartenden Trainerehepaar in die Arme und ließ ihren Gefühlen freien Lauf.

Es geht anscheinend in diesem Jahr auch ohne Asse. Nachdem mit den 5 EM-Startern und Mehrkämpfer Stefan Matula gleich ein Sixpack bei den Bayerischen Junioren- und Jugendmeisterschaften fehlte, rechnete niemand mit den dann folgenden 9 (!) Gold-,  6 Silber- und 7 Bronzemedaillen. In die Meisterlisten trugen sich ein: Vera Stelkens (400 m, 400 m Hürden Jun.), Christiane Danner (800 m, 1500 m Jun.), Sebastian Zundler (800 m, 1500 m Jun.), Elena Horn (Stabhoch Jun.), Amelie Garatva (Stabhoch wJA) und Michelle Weitzel (Hoch 1,68 Jun.). Was die Jungen vormachten setzten dann Ende Juli im heimischen Uni-Stadion die Aktiven und Schüler/Innen fort: Diesmal waren es acht Meistertitel, acht Zweite und acht Dritte. Ganz vorne lagen Susi Lutz (1500 m), Vera Stelkens (400 m H), Pamela Spindler (100 m H) Amelie Garatva (Stabhoch, Michelle Weitzel (Hoch und Weit) – alle Frauen – Sebastian Zundler (800 m Männer) und die 4x100 m Staffel der Frauen mit Pam Spindler, Julia Liedl, Vera Stelkens und Michelle Weitzel in kaum für möglich gehaltenen 47,21. Bei den Schülerinnen gewann Anna Lotter mit 2613 Zählern den Blockmehrkampf Lauf in der W14. Zwei Seniorenweltmeister aus Lahti /FIN konnten auch noch gemeldet werden. Iris Hill gewann den Stabhochsprung in der W40 und German Hehn holte sich den Titel in der M35 über 800 m.

Der August – eine Meistersaison auf der Bahn wird zu Ende gebracht

weitzelmichele1_dm09_kiefnerfotoNach bisher elf Deutschen Meistertiteln war das Telis-Team immer noch nicht satt. In Rhede, bei den Deutschen Jugendmeisterschaften wurden die zwei Goldbänke Corinna Harrer und Manuel Ziegler ihrer Favoritenbürde gerecht. Mit einem Start-Ziel-Sieg holte die 800 m Läuferin in 2:05,22 Einzel-Titel Nummer vier in ihre Sammlung und der Dreispringer landete ganz am Schluss mit neuer Bestleistung von 15,77 seinen dritten DM-Coup. Hindernisläuferin Julia Kick wurde auch bei der Jugend, diesmal über 2000 m und in 6:50,57, Dritte, und Nesthäkchen Theresa Piendl überraschte ebenfalls mit Bronze, dies bei der wJB über 1500 m Hindernis (5:03,62). Keine DM ohne Doppelstart für Corinna Harrer. Nach dem Einzelfinale führte sie die 3x800 m Frauen-Staffel im Verbund mit Susi Lutz und Chrissy Danner auf Platz fünf, wobei das Trio ihren eigenen Oberpfalzrekord um zehn Sekunden auf 6:30,66 steigerte. Nicht zu vergessen Amelie Garatva: In einem hochklassigen Stabhochsprung-Finale der wJA blieb für das Telis-Mädel trotz 4,00 m am Ende nur Rang fünf. Nur fünf Tage später durften sich Susi Lutz und Philipp Pflieger bei der WM-Generalprobe im Berliner Olympiastadion als Einzelsieger im U23-Länderkampf Deutschland – Polen – Schweiz/Österreich quasi als Weltmeister mit Hymne und Medaille über 3000 m Hindernis und 3000 m feiern lassen. Wieder vierzehn Tage später machte Michelle Weitzel bei den Deutschen Mehrkampfmeisterschaften eine weitere Sensation perfekt. Mit 5423 Punkten wurde sie Deutsche Juniorenmeisterin im Siebenkampf und auch der Jugendliche Igor Rud schlug sich mit neuem Hausrekord im Zehnkampf der mJA von 6945 Punkten grandios. Last but not least wurde Elena Horn Süddeutsche Meisterin im Stabhochsprung (3,70). Anfangs des Monats waren Susi Lutz (3000 m 9:22,24), Philipp Pflieger 1500 m 3:43,65 – 3000 m 7:59,40) und Corinna Harrer (1500 m 4:15,16) in Leverkusen und Wattenscheid auf Bestleistungsjagd gegangen, wobei letztere dabei ihren eigenen bayerischen Rekord um fast sechs Sekunden verbesserte und erstere damit die Pole-Position in der deutschen U23-Wertung nach den 5000 m und 10.000 m auch hier eroberte. Philipp Pflieger indessen war der erste Oberpfälzer der über 7 ½ Runden unter acht Minuten blieb.

Der September – Die Straßenläufer schlagen zu

pfliegerphilipp1_dm10km09_kiefnerfotoDie Erfolgshatz ging weiter und das immer noch im absoluten Bestleistungsbereich. Bei den Deutschen Straßenlaufmeisterschaften über 10 km im friesischen Otterndorf waren die Juniorinnen mit den auf den Plätzen drei, vier und acht einlaufenden Susi Lutz (35:09), Corinna Harrer (35:13) und Chrissy Danner (36:16) eine Klasse für sich in der U23-Teamwertung und auch in der Frauenwertung fehlten mit Veronika Ulrich (35:46) für Chrissy Danner am Ende nur acht Sekunden für Gold und vier Sekunden für Silber. Die am Ende gewonne Bronze war dennoch keine Ersatzmedaille. Bei den Jungs holte sich Philipp Pflieger mit seiner ersten Zeit unter dreißig Minuten (29:35) überlegen die U23-Wertung. Im Verbund mit Dennis Pyka (30:51) und dem sensationell auftrumpfenden Max Meingast (30:58) sprang auch noch ein vierter Platz bei den Männern heraus, sowohl in der Teamwertung als auch für ihn in der Einzelwertung. Veronika Ulrich wurde W40-Dritte. Bei den Deutschen Berglaufmeisterschaften im oberbayerischen Bergen kam durch das Telis-Frauenteam mit Ellen Clemens (auch noch 4. der Einzelwertung), Michaela Schedler und Rike Mayer-Tancic eine weitere Silbermedaille dazu. Bei den Bayerischen Straßenlaufmeisterschaften im heimischen Gewerbepark war die Frauen- und Männerwertung eine klare Sache für Susi Lutz (35:52) und Philipp Pflieger (30:21). Mikki Heiß gewann die W35-Wertung (36:51), ebenso war die Frauenmannschaft mit Lutz, der auf Platz drei einlaufenden Chrissy Danner und Mikki Heiß (4. der Frauenwertung) vorne. Das Männerteam verfehlte um zwei Sekunden Gold. Damit hatte man in Deutschland während der zurückliegenden neun Monate kräftig abgegrast und auch international Fahne gezeigt.