Das Kaleidoskop der Stars in Fürth

ziegler_dm-jun09_lutzfotoRegensburg, 22. Januar 2010 (orv) – Bayerns Leichtathleten taten sich im Vergleich zur bundesdeutschen Prominenz in den letzten Jahren recht schwer. Es fehlten meist die Stars, die dann auch international punkten. Mit den Neuzugängen der LG Stadtwerke München scheint sich da einiges zu ändern. Die Bayerischen Hallenmeisterschaften am Wochenende in Fürth könnten dafür ein erster Beweis sein. Wo wird’s also im Fränkischen ganz hoch hergehen?

Da wäre zunächst einmal der Sprint der Männer mit den beiden Münchner Neu-Diamanten Tobias Unger und Marius Broening, die bei einer Renn-Bestätigung ihrer 60 m Meldezeiten von 6,64 und 6,67 ganz heiße Medaillenkandidaten für die in gut vier Wochen stattfindende Hallen-DM sein sollten. Hier kann natürlich der noch jugendliche, aber schon Junioren-EM erfahrene Florian Föstl (LG Sempt) noch nicht ganz mithalten. Im etwas schwächer besetzten 200 m Titelkampf mit 400 m-Staffel-WM-Ersatzläufer Jonas Plass (Team asics Wendelstein) könnte für den Semptner trotzdem Gold herausschauen. Im 400 m Rennen sollte Junioren-Europameister Tobias Giehl auch ohne Hürden die erste Geige spielen.

Die Mittelstrecken müssen gesamt überschaut werden, da viele weißblaue Stars den Start bei den „Bayerischen“ gern als Test in der Unter- bzw. Überdistanz hernehmen. So gesehen trifft der letztjährige 1500 m Hallen-DM Vierte Florian Orth über die kürzeren 800 m auf seinen Teamkollegen Sebastian Zundler (beide LG Telis Finanz Regensburg), seines Zeichens auf dieser Strecke im Freien DM-Achter, während der bisherige 800 m-Spezialist René Bauschinger (LAC Quelle Fürth) seine Ankündigung wahr macht, in diesem Jahr hauptsächlich die 1500 m in Angriff zu nehmen und dabei sogar über die EM in Barcelona nachdenkt. Dessen Neu-Teamkollege Falko Zauber hat ähnliches vor: „Ich liebäugle heuer schon ein wenig mit den 5000 m“. Deshalb ist sein 3000 m Hallenstart nur der konsequente Schritt in diese Richtung.

Während die Kurzhürden, der Stabhochsprung ohne die Münchner Stars um Tim Lobinger, der Hochsprung und der Weitsprung ohne Acht-Meter-Springer Oliver König eher geringeres Niveau aufweisen wird, könnte es zumindest im Dreisprung Leistungen von nationaler Güte geben. In einem mit zwei Springern beschämend besetzten Wettbewerb sollte es für Manuel Ziegler (LG Telis Finanz) zur One-man-show Richtung 16 Meter kommen, vorausgesetzt dessen Muskulatur lässt ein Springen in Fürth schon wieder zu. Garantiert wird diese Ein-Mann-Schau Robert Dippl (LAC Quelle Fürth) mit über drei Meter Vorsprung im Kugelstoßen abliefern. Sollte ihm ein 19 Meter Stoß gelingen, wäre das auch schon ein positver Fingerzeig Richtung Hallen-DM in Karlsruhe.

Bei den Damen ist im Sprintbereich (60 m/200 m) außer von der Münchnerin Anja Wurm nichts Spektakuläres zu erwarten. Mit ihren gemeldeten 7,39 stellt sie aber nationale Güteklasse dar. Wenig berauchend ist auch das Meldeergebnis über 400 m, wo Mittelstrecklerin Carolin Pilawa (LG Stadtwerke München) den Ton angeben sollte. Zur konstanten Endlaufgröße bei deutschen Meisterschaften im Hürdensprint ist inzwischen Pamela Spindler (LG Telis Finanz) gereift. Hier bei den „Bayerischen“ sollte erneut Julia Rüdiger vom MTV Ingolstadt die ärgste Herausforderin sein.

Wie schon bei den Herren ist die Crème de la crème der bayerischen Läuferinnen bis auf die verletzte Christiane Danner (LG Telis Finanz) und die in den USA weilende Anne Kesselring (LAC Quelle Fürth) quasi vollständig vertreten, aber eben mit ganz unterschiedlichen Ansprüchen. Bei guter Form sind die über 800 m antretenden Carolin Pilawa, Fabienne Kohlmann (LG Karlstadt) und Sandra Keil (LAC Quelle Fürth) auch vier Wochen später bei der Hallen-DM echte Endlauf-Kandidatinnen. Für Hindernisrekordlerin Julia Hiller (LAC Quelle Fürth) soll“s indessen nur um den „Spaß an der Freud“ vor dem anstehenden Mediziner Physikum gehen.

800m-Junioren-EM-Vize-Europameisterin Corinna Harrer (LG Telis Finanz) verdrückt sich indessen nach vielen Grundlagen-Kilometern auf die 3000 m, wo ihr ihre beiden Teamkolleginnen Susi Lutz, ihres Zeichens U23-EM-Dritte über die Hindernisse, und Veronika Ulrich im Raum unter zehn Minuten Gesellschaft leisten werden, eine Marke die auch die polnische Leihgabe der LG Stadtwerke Agniesk Pietsch-Fulbiszewska leicht unterbieten sollte. So bleiben denn die 1500 m für die Münchner Langstrecklerin Ingalena Heuck übrig, weil Jung-Ass Corinna Harrer hier ihr mit 4:15 im letzten Jahr deutlich aufblitzendes Können ins Jugenrennen wirft.

Einzige, die in den Sprungwettbewerben auch national mitmischen können, sind 6,34-Weitspringerin Michelle Weitzel (LG Telis Finanz) und 13,13-Dreispringerin Annelie Schrader (MTV Ingolstadt). Dahinter werden sich im Stabhochsprung Jugendmeisterin Amelie Garatva (LG Telis Finanz) und die österreichische Stadtwerkerin Daniela Höllwarth im Vier-Meter-Bereich duellieren.