Der Nachwuchs drängt stark nach vorne

kurzdoerfer__blv-halle10_kiefnerfotoFürth, 24. Januar 2010 (orv) –  Bemerkenswertes ist aus der Fürther Trainingshalle am Finkenschlag zu berichten, wo am Wochenende die Bayerischen Hallenmeisterschaften der Männer und Frauen stattfanden. Zum einen konnte endlich wieder einmal ein Star mit internationalem Glamour besichtigt werden, auch wenn dieser in persona eines Tobias Unger schon ein wenig in die Jahre gekommen ist. Wie der Athlet aber auftritt und wie er sich in den Dienst seiner Staffel stellt, ist dennoch beachtenswert. Zum anderen bläst Bayerns Nachwuchs zum Sturm auf die Spitze. Selten waren die Sieger/Innen so jung wie in diesem Jahr, einige gehörten sogar noch den Jugendjahrgängen an. Dass dabei ausgerechnet die „hallenlosen“ Regensburger von der LG Telis Finanz den Ton angaben, gehörte zu den Absonderlichkeiten dieser Meisterschaften. Auch wenn sich die Fürther alle erdenkliche Mühe mit der Ausrichtung machten und das Beste herausholten, die Halle im Fränkischen ist und bleibt eine Trainingshalle. Mit der Konsequenz eben, Bayerns Winterhöhepunkt auf Dauer dorthin zu verschieben, wo sie letztendlich hin müssen, nämlich in die niegelnagelneue schmucke Werner-von-Linde-Halle neben dem Münchner Olympiastadion.

Das Überfliegen der Ergebnisliste zeigt schon auf den ersten Blick jenen deutlichen Schub in Richtung Jugend und Junioren mit ganz wenig Siegern jenseits der Dreißig. Paradox ist, dass jene Oldies eher in den ansonsten von der Jugend besetzten schnellkräftigen Disziplinen zum Punkten kamen, wobei lediglich der Neu-Münchner Unger und die Neu-Ingolstädterin Pape dieses Prädikat in Anspruch nehmen und gut Dreiviertel der Meister/Innen jünger als 23 waren, darunter sogar vier U20-Athleten/Innen. Jetzt ist es auch Sache des Landesverbandes in enger Zusammenarbeit mit den Heimvereinen, jene Goldstücke, oft schon durch die internationale Feuertaufe von Junioren-EM’s und WM’s gegangen, auch national tauglich zu machen. Viele werden schon heuer bei der Hallen-DM in Karlsruhe schnuppern, mit Meisterehren wird’s dennoch in den meisten Fällen noch eher schwach ausschauen. Bayern hat da auch im Sommer im Stadion seit Jahren so seine Probleme, was sich immer wieder an den geringen Teilnehmerzahlen bei den internationalen Highlights der Männer und Frauen abzeichnet.

Mit den derzeitigen Münchner Alt- und „Weniger-Alt-Stars“ könnte sich dies ändern, bleibt aber unter dem Strich nur eine Milchrechnung, wenn die Eigengewächse in den nächsten Jahren nicht die Kurve bekommen. Fern aller Kritik an den bisherigen Fördersystemen muss festgehalten werden, dass diese wohl im letzten Jahrzehnt nur bedingt tragfähig waren. Es ist also durchaus legitim, Neues zu wagen, den bayerischen Verhältnissen angepasst und vielleicht dann erfolgreich. Es müssen nicht gleich zehn Athleten/Innen in Barcelona sein, mehr als die sonst üblichen zwei wären aber schon erstrebenswert.

Bemerkt wurde das Fehlen der Fernsehkameras am Tag eins der Meisterschaften mit Tobias Unger von Insidern schon. Und auch jene Aufzeichnung vom Sonntag, angekündigt im Nischenfensterl um 22.15 Uhr, konnte wohl nur ein Teil Nordbayerns betrachten. Da besteht größerer Handlungsbedarf in Richtung PR für die weißblaue olympische Kernsportart Nummer eins. Die Zwänge durch die Gemeinsamkeit mit den B-Jugendmeisterschaften, sowie den oft endlosen Zeitläufen sind bekannt. Trotzdem muss der Versuch eines Zeitplans mit zwei ein- bis zweistündigen Finalblöcken der Männer und Frauen an den beiden Meisterschaftstagen gewagt werden. Derzeit verbreiten die Titelkämpfe eher den Eindruck eines Rummelplatzes der Beteiligten ohne Zuschauer als einem echten Event mit Publikum. So mag denn auch der Satz von „einer der stärksten Landesmeisterschaften der letzten Jahre“, manifestiert von Landestrainer Jörg Stäcker auf der BLV-Laufseite, stimmen, aufgenommen wurde jenes in der Öffentlichkeit in aller Regel aber nicht.