Der Sport an den Schulen und die Sportlehrerausbildung müssen auf die Agenda

stabi6Kürten, 23. Februar 2010 (Pöhlitz) - Den Anstoß für diesen Beitrag gab ein Bericht im Kölner Stadtanzeiger vom 16.2.2010 „Diego scheitert an der Rolle rückwärts“ überschrieben, von der Aufnahmeprüfung zum Studium an der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS). Einer der Prüfer berichtet, dass die Aufgaben der praktischen Sportprüfung, die als Voraussetzung für die Bewerbung mit Numerus clausus lediglich Sportabzeichen – Niveau haben, nur von 37 % der Bewerber erfüllt wurden. Die 782 Bewerber aus ganz Deutschland mussten in 20 Einzeldisziplinen einfache Übungen aus den verschiedensten Sportarten (wie z.B. Turnen, Schwimmen, Rückschlagspiele, Mannschaftsspiele, Leichtathletik) zeigen, 7,62 m beispielsweise mit der Kugel, 1,40 m im Hochsprung oder 13 Minuten über 3000 m schaffen. Es wird von „Diego“ (stand groß auf seinem grün-weißen Fußball-Trikot) berichtet, der bei einer Rolle rückwärts und beim Radschlag schon auf halber Strecke zusammensackt. Seinen Traum vom Fußballtrainer – vielleicht sogar einmal in der Bundesliga - musste er frühzeitig begraben.

Zweimal in den Vorjahren habe ich mir diese Show selbst angesehen. Es ist eine Zumutung für die Dozenten und auch eine Widerspiegelung eines derzeitigen deutschen Anspruchsniveaus mit welchen Vorstellungen und Voraussetzungen, mit welchen körperlichen Unfertigkeiten und welcher Dreistigkeit, die auch das Niveau des Sports an unseren Schulen zum Ausdruck bringt, 19jährige sich für ein Studium an einer Sporthochschule bewerben. Die Körperkonstitution vieler, die mangelhafte vielseitige Grundausbildung, die schlechte Kondition lassen doch ihr Studium nicht nur für sie, sondern auch für die Ausbilder zur Qual werden und geben eine Vorstellung, wie der zukünftige Sportlehrer mit Hochschulausbildung eines Tages vor seiner Klasse steht und  wie es derzeit vielerorts Praxis ist, nicht in der Lage ist, die einfachsten Übungen beispielhaft möglichst exakt zu vermitteln.

Man stelle sich einmal vor, dass sich zukünftig auch unsere Nachwuchs - Trainer für die Talente in den verschiedensten leichtathletischen Disziplinen aus diesem Klientel „Hochschulsportlehrer“ rekrutieren sollen. Welche Arbeit muss da von der DLV – Trainerschule geleistet werden, um die sicher vielseitigen Defizite in Richtung leistungsorientiertem Training, beispielsweise auch in Richtung Grundlagentraining für unsere Jüngsten, aufzuarbeiten. Die kurze Zeit des Sportstudiums reicht doch bei diesem Ausgangsniveau höchstens  zur Grundlagenvermittlung, zur Aufarbeitung der vorhandenen Defizite. Da sollte man vielleicht besser gleich das Studium an der Trainerakademie anschließen wenn man später über Jahre gute Arbeitsergebnisse abliefern will.

Den zukünftigen Sportlehrern, die am Ende des überstandenen Studiums sicher weit weniger als die 37 % derjenigen sind die die Eignungsprüfung geschafft haben, kann man nur die Empfehlung mit auf den Weg geben:

nutzen Sie die Zeit des Studiums zum zusätzlichen S e l b s t s t u d i u m
und zum üben, üben, üben,


wenn sie sich später einmal von denjenigen abheben wollen, die wenig Spaß am Job mit unwilligen Kindern in den Schulsporthallen oder auch mit Kindern im Verein haben. Sollte Sport gar nicht ihr Hobby sein, sollten sie es besser gleich lassen. Fassen sie ihre Aufgabe vom ersten Tag des Studiums als Berufung auf und verbinden sie ihre Ausbildung mit dem Ziel, dass ihre Sportler später einmal sehr gern zu ihren Übungsstunden kommen. Sie haben eine große Chance, weil die gegenwärtige Praxis zeigt, dass die Sportlehrer- und Trainerqualifizierung dringend auf die Agenda muss. Verstehen sie es auch als Verantwortung für die Fitness, Gesundheit und Bildung zukünftiger Generationen. Nur in einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist!