Gähnend langes Zeitmanagement bei 10.000m DM in Ohrdruf

harrer1_dm-jun09_lutzfotoRegensburg, 30. April 2010 –  Wer Fan von Langstreckenentscheidungen in der Leichtathletik ist, muss am 1. Mai bei den Deutschen Meisterschaften über 10.000 cm viel Zeit mitbringen. Geschlagene fünf Stunden sind nötig, um die drei Meisterschaftsentscheidungen 10.000m Frauen und Männer, sowie die der 5000 m der weiblichen Jugend  genießen zu können. Fünf Stunden für gerade einmal gute eineinhalb Stunden „action“, dem Zeitraum, in dem wirklich gelaufen wird. Drum herum viel thüringischer Nachwuchsschnickschnack und einige Landesentscheidungen in den Langstaffeln, die den Rest Deutschlands wenig interessieren dürfte.

Anstatt Zeit zu sparen für alle jene, die Woche für Woche nun wieder auf Achse sind, um ihre Athleten in der ganzen Republik an den Start zu bringen, spart man keine Mühen und Kosten, deren Geduld zu strapazieren. Kosten, die schon bei den ersten Bahnmeisterschaften mit jeweils zwei Übernachtungen von Freitag auf Samstg bzw. Samstag auf Sonntag inzwischen für Weitangereiste aus kleineren Vereinen gar nicht mehr so gering sein dürften. Regnet es dann noch an einem solchen Tag in einem Stadion ohne Tribünenbereich, ist ganz schnell jegliche Begeisterung im Keller und man fragt sich allen Ernstes „ginge das vielleicht nicht ein wenig anders?“.

Über die Zuschauer solcher Meisterschaften braucht man sich sowieso inzwischen wenig Gedanken mehr machen. Die bleiben eh schon alle weg und man mag es ihnen nicht einmal verdenken. Wie weltfremd müssen eigentlich jene Damen und Herren der Organisation sein, die immer noch glauben, dass jener von Vergnügungsangeboten geradezu überflutete Bundesbürger dieses altbacken vorgetragene Vorkriegsmodell einer Leichtathletikveranstaltung so manchem medienwirksam und flott vorgetragenen Event der modernen Livestyle-Bewegungen vorziehen wird.

„I had a dream“, wie es so schön unvermeidbar „denglisch“ heißt, „von einem mit zirka 2000 begeisterten Zuschauern gefüllten Stadion mit schwitzenden, dampfenden, ausgepowerten Langstreckenheroes, die gerade unter Flutlicht bei idealen äußeren Frühlingsabendbedingungen Bestleistungen und spannende Einläufe am laufenden Band abgeliefert haben.“ „Nicht möglich“, meinen Sie. Ich bin da anderer Meinung. Als Mocki im letzten Jahr unmittelbar nach einer flott vorgetragenenen Sparkassen Gala im Regensburger Uni-Stadion ihre Runden drehte und dann sogar der worstcase mit einem Aussteiger bei Kilometer sechs eintrat, waren immer noch mehrere hundert laut applaudierende Fans im Rund und die Stimmung war selbst hier noch außergewöhnlich gut. „Einige hundert“, sagen Sie,“na und!“. Einige hundert sind immerhin schon mehr als keine und einige hunderte können Athleten mit ihren klatschenden Händen schon ganz schön motivieren. Wenn man es zur festen Einrichtung am Ende eines german Meetings machen würde, könnte sich auch die Begeisterung für die nicht gerade von der Öffentlichkeit geküssten Langstreckler auf der Bahn wieder deutlich verbessern.

ein Kommentar von Kurt Ring