Den Zufall beim Schopf packen und zum planbaren Erfolg führen

OrthPfliegerScherl1 Olympia2016 Foto privatRegensburg, 29. August 2016 (orv) – „Je planmäßiger die Menschen vorgehen, desto wirksamer vermag sie der Zufall treffen“ – diese Worte stammen vom Schweizer Dramatiker Friedrich Dürrenmatt. Jörg Löhr, in früheren Jahren Handball-Nationalspieler, Persönlichkeitstrainer und Herausgeber von mehreren Büchern sagt auf einem Kalenderblatt dazu: „Manche Menschen glauben, mit perfekter und minutiöser Planung alles in die von ihnen gewünschte Richtung steuern zu können. Aber das ist ein Irrtum. Sie werden häufig umso mehr von unvorhersehbaren Ereignissen überrascht. Wenn Sie auch ein guter Organisator sind, bleiben Sie dennoch offen für den Zufall. Er macht uns empfänglich für die Gegenwart und lehrt uns, den Augenblick wertzuschätzen.“ Besser hätte man die derzeitige Situation des erfolgreichen Laufteams der LG Telis Finanz Regensburg nicht umschreiben können.

Sie sind mit ihrem Teamchef Kurt Ring bei entsprechenden Gelegenheiten unbequem, schwer einzubinden in eine übergreifende starre Planwirtschaft und deswegen vielleicht nicht passend für den Masterplan des DOSB in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband. Dessen Chefetage ließ im Zusammenhang mit der Einbindung des Laufzentrums Regensburg in den Olympiastützpunkt München-Fürth beiläufig verlauten, dass die Regensburger Erfolge der letzten zehn Jahre wohl eher Zufall seien. Die OSP-Erweiterung hatte der Bayerische Landesverband ins Spiel gebracht.

Wenn man die Rahmenbedingungen der Regensburger/Innen analysiert, kann man schnell zu dieser Ansicht kommen. Keine Halle, alte Trainingsstätten und ein Patchworkteam der besten Ausprägung. Kaum zu glauben dass hier überhaupt Erfolg drin steckt, selbst wenn man ihn will. Über allem steht aber bei den Domstädtern eine Philosophie, die so nicht streng planbar ist und nicht selten aus dem jeweiligen Augenblick geboren wird: Dazu gehört nur der, der auch unabhängig von seinem Erfolgspotential zum Team passt. Die allein gültige Erfolgsspur gibt es nicht, Ziel ist immer die Optimierung der jeweiligen individuellen Umfeldbedingungen, die jeder Athlet selbst bestimmt.

OrthPfliegerScherl3 Olympia2016 Foto privatMancher mag sich wundern, dass das überhaupt klappt oder bei gemeinsamen Trainingslagern zielführend ist. Doch die Erfolge der letzten Jahre bestätigen das Team aus der Oberpfalz, dem kleinsten Bezirk Bayerns. Allein 32mal stand eine Athletin oder ein Athlet der LG Telis Finanz in den letzten sechs Jahren auf dem obersten Treppchen bei nationalen Titelkämpfen und das nicht in den Nachwuchsklassen oder in der Teamwertung, sondern bei Frauen und Männern. 2016 standen sechs Regensburger Läufer/Innen im deutschen Aufgebot für die Europameisterschaften in Amsterdam und weitere drei schafften den Sprung ins deutsche Olympiateam für Rio de Janeiro. Mit solchen Zahlen kann in diesem Jahr kein anderer deutscher Verein wuchern.

Spricht man mit den Verantwortlichen der Regensburger, sind diese Statistiken für sie gar nicht so wichtig. „Talente von da nach dort, also auf den Weg zu mehr Erfolg bringen und dabei ihre Persönlichkeit entwickeln, das ist unsere Aufgabe“, sagt der Teamchef dazu, „wenn dann eine EM oder WM oder sogar Olympia herausspringt, ist es umso schöner. Die strahlenden Augen der jungen Menschen, wenn wieder mal ein Schritt nach oben vollzogen wurde, entschädigen für alles.“

Ein bisschen mehr Wertschätzung ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit würden sich die Regensburger schon wünschen, einfach der Sache dienlich. Den von anderen so gern als Zufall bezeichneten Entwicklungsschritt jedes Einzelnen das Krönchen aufzusetzen, ist so eine Spezialität der zickigen Oberpfälzer, die immer sofort laut geben, wenn sie der Meinung sind, dass in der deutschen Lauf-Planwirtschaft etwas nicht ganz passt. So auch ihr leidenschaftlicher Kampf für eine Senkung der Olympianormen. Die Erfolge des deutschen Laufteams in Rio sind deswegen nicht mehr, aber auch nicht weniger geworden, die strahlenden Augen von jungen Menschen, deren olympischer Traum sich erfüllt hat, aber schon.

So werden die Dinge offen und ehrlich angesprochen, wenn’s nicht passt. Zum Beispiel die fehlende Kommunikation des DLV-Teamleiter Lauf mit seinen Schäfchen, die im Sommer darin gipfelte, dass die zuständige Bundestrainerin ihr Quartier in Davos aufgeschlagen hatte,  viele ihrer Athleten/Innen aber in Sankt Moritz trainierten. In der Domstadt sieht man dies nicht als Vorwurf, sondern vielmehr als ein Verschenken von bitter nötigen Synergien. Zwischen Zufall und von oben dirigierter Planwirtschaft muss es etwas dazwischen geben, meinen zumindest die wackeren Oberpfälzer, die vieles schon immer etwas lockerer gesehen haben bei der schönsten Nebensache der Welt, dem Laufen.

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