Deutschlands Aspiranten für die Cross-EM müssen zur Qualifikation ins ferne Holland

Orth2 DM Cross16 KiefnerfotoRegensburg, 24. November 2016 (orv) – Es ist schon fast Tradition, dass Regensburger Läuferinnen und Läufer bei Crosslauf-Europameisterschaften teilnehmen. Erst im letzten Jahr ließ sich Franzi Reng (LG Telis Finanz Regensburg) Gold in der Teamwertung der U20 umhängen und auch in diesem Jahr hat mit Telis-Neuzugang Miriam Dattke in der U20 bereits eine zukünftige Domstädterin die Fahrkarte ins sardische Chia gelöst, wo in diesem Jahr die kontinentalen Meisterschaften im tiefen Geläuf stattfinden. Der Rest der Truppe muss bis ins holländische Tilburg reisen, um am kommenden Sonntag vielleicht noch das eine oder andere Ticket zu ergattern. Dort müssen deutsche Frauen und Männer beim international besetzten Warandeloop Cross im dann nach Europäern bereinigten Ergebnis unter die besten Zwölf kommen, in der U23 unter die besten Zwanzig. Aussichtsreichste Regensburger Kandidaten dafür sind bei den Männern der Olympiateilnehmer und EM-Siebte über 5.000m Florian Orth und bei den Frauen Marathon-Olympiateilnehmerin Anja Scherl (beide LG Telis Finanz). In der U23 will das Trio Simon Boch, Tobias Blum und Tim Ramdane Cherif die knifflige Aufgabe meistern. Mit Franzi Reng (LG Telis Finanz) fällt allerdings ein heißes Eisen bei den Mädchen aus: Sie liegt seit gestern mit einer Grippe und 39 Grad Fieber im Bett.

Gelingt Anja Scherl und Florian Orth das Kunststück unter die besten Zwölf zu laufen, ist noch lange nichts im Reinen, weil sie aus guten Gründen den vom DLV geforderten Zweitcross nicht nachweisen können. Ihre beiden Teamkolleginnen Thea Heim und Cornelia Griesche würden sich da leichter tun. Sie waren in Darmstadt am Start. Ähnlich wie bei Scherl und Orth ist die Situation bei der EM-Sechsten über 1500m Maren Kock (LG Telis Finanz). Sie lief zwar Cross, aber dies nur beim eher unbedeutenden Lauf im heimatlichen Lingen. Kurt Ring, Teammanager der LG Telis Finanz stuft diese Situation als unmögliche ein: „ Über tausend Ecken gedacht, unpopulär und nicht zielorientiert. Man kann sich auch zu Tode qualifizieren. Gerade im Falle Orth wäre eine Nichtnominierung wegen des fehlenden zweiten Crosseinsatzes eine Farce, sofern der EM-Siebte seine Form in Tilburg nachweisen kann. Kein anderer deutscher Spitzenläufer außer ihm interessiert sich nämlich für einen Start in Chia.“

Merkwürdig sind die immer wieder in großen Teilen aus dem Vorjahr abgeschriebenen DLV-Nominierungsrichtlinien für diesen jährlichen internationalen Event schon. Warum entschließt man sich nicht endlich für eine alles entscheidende deutsche Qualifikation in Darmstadt, Frau gegen Frau und Mann gegen Mann? Der europäische Verband würde deutsche Mannschaften in allen ausgeschriebenen EM-Wettbewerben sicher begrüßen und der Kampf um die einzelnen Startplätze wäre sicher öffentlichkeitswirksam zu vermarkten. „Der Verband verhindert im großen Stil Teilnahmen bei einer Cross-EM“ heißt es unverhohlen in der Szene. Auch der ehemalige Crossbeauftragte des DLV Wilfried Raatz fordert inzwischen Trials und sieht das derzeitige Vorgehen als nicht zukunftsträchtig an.

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