Erstmals über 5.000m unter 14 Minuten/ Huber gewinnt internationalen 800m Schlagabtausch

Boch3 Laufnacht Karlsruhe17 Kiefner FotoKarlsruhe/Tübingen, 19./20. Mai 2017 (orv) –  In Deutschland über 5.000m unter 14 Minuten zu laufen, ist ein Kunststück. Die Rennen fehlen ganz einfach. Die „Lange Laufnacht“ in Karlsruhe ist so ein Event, wo dies unter besonderen Umständen möglich ist. Der Regensburger Simon Boch hat am Freitagabend die Möglichkeiten genutzt und ein erneutes persönliches Traumziel erreicht. Als er nach einem wahren Parforcelauf, die ersten drei Kilometer vom Tempomacher zielgenau geführt, dann auf den letzten beinharten zwei Kilometern ganz allein, über die Ziellinie stürmte, zeigte die digitale Anzeige 13:55,19min an. Ein perfekter Tag für den Mann von der LG Telis Finanz war vollendet. Einen Tag später, beim Soundtrack-Meeting in Tübingen wurde aus dem letztjährigen 800m-Jäger Benedikt Huber, den im Vorjahr meist keiner auf der Rechnung hatte  bis er bei den Deutschen Meisterschaften sensationell den Titel abräumte, der Gejagte. Trotz einer nicht abzustreitenden Nervosität unmittelbar vor dem Rennen, meisterte der Regensburger die veränderte Ausgangslage bravourös. Mit einem abermalig mitreißenden Endspurt schlug er das gesamte internationale Feld um den Slowaken Jozef Repzik und den polnischen Vizemeister Artur Kuciapski, beide Läufer der 1:44er-Klasse, in 1:48,68min deutlich.

 

Es war kurz vor halb Elf in der kalten Freitagnacht bereits zappenduster im Carl-Kaufmann-Stadion. Die notdürftige Beleuchtung ließ das 5.000m Feld oft nur schemenhaft erkennen, als sich Simon Boch kompromisslos hinter den Tempomacher klemmte, den Blick immer auf die Rundenzeiten gerichtet. Es passte bis 3.000m, dann ging der Pacemaker von der Bahn und der Regensburger war nun ganz alleine, weil auch der zunächst mitlaufende Schweizer Jonas Raess und der Tscheche Jakub Zemanik abreißen lassen mussten. „Ich wollte auf alle Fälle unter 14 Minuten laufen, da ich ja wusste, dass die Form stimmt. Allerdings war es schwer, sich am Ende alleine zu quälen“, kommentierte der frisch gekürte Deutsche 10.000-Meter-Meister seinen Auftritt auf den letzten fünf Runden. Die 13:55,19min haben ihn nun an die zweite Stelle der diesjährigen deutschen Bestenliste katapultiert, direkt hinter seinen olympiaerprobten Teamkollegen Florian Orth, der vierzehn Tage früher im kalifornischen Stanford 13:43,75min gelaufen war und an diesem Wochenende erkältet nur zuschauen konnte. Bochs Teamkollegen Jonas Koller und Tim Ramdane Cherif sackten im Verfolgerfeld mit mutigen Läufen in  14:14,13min und 14:18,89min ebenfalls die Normen für die DM in Erfurt (8./9. Juli) ein. Auch Mira Parisek (LG Telis Finanz) gelang der Sprung zur Junioren-DM mit ihren 18:11,43min über die gleiche Distanz. Über 800m der Frauen belegte die 1500m-EM-Sechste Maren Orth (LG Telis Finanz) bei viel zu kalten Temperaturen überraschend mit 2:08,31min Platz drei im gut besetzten Feld.

Huber1 soundtrack Tuebingen17 KiefnerfotoIn 1:48,68 Minuten entschied Benedikt Huber (LG Telis Finanz Regensburg) das 800-Meter-Rennen der Männer beim Soundtrack-Meeting für sich. Die Norm von 1:45,90 Minuten für die Weltmeisterschaften hatten der 27-jährige Ingenieur und der Slowake Jozef Repcik (M30) damit noch verpasst. „Für mich war das aber auch noch gar nicht das Ziel“, sagte Huber. „Ich wollte viel lieber mal gar nicht so viel an die Zeit denken, sondern mit viel Spaß einen schönen Lauf ‚Mann gegen Mann‘ zeigen.“ In Tübingen war dieser Mann Rupcik, der das Rennen bis zur 600-Meter-Marke angeführt hatte. Mit einem starken Schlusssprint ließ Huber den zweifachen Olympiateilnehmer letztlich jedoch hinter sich – „ein richtig gutes Gefühl“ grinste der Oberbayer sichtlich befreit. Seine Teamkolleginnen Maren Orth und Julia Kick schnupperten im 1500m-Rennen auch gleich mal an der internationalen Konkurrenz. Mit  4:14,75min und 4:16,50min fiel das Unternehmen für die DM-Zweite und –Sechste recht befriedigend aus. „Die Schnelligkeit fehlt noch, hinten raus konnte ich aber gut mithalten“, kommentierte Maren Orth ihr absolut gleichmäßiges Rennen, das die Rumänin Claudia in 4:09,57min gewann. Aus deutscher Sicht war nur Olympiahalbfinalistin Diana Sujew mit 4:13,16min knapp vor ihr. U23-Mann Moritz Beinlich (LG Telis Finanz) zeigte auf der gleichen Distanz mit 3:52,43min aufsteigende Tendenz, nachdem er am Vortag über die 800m mit 1:56,19min weit unter Wert gelaufen war und nur knapp vor Teamkollege Fabian Laukamp (1:56,82min) ins Ziel kam.