Kann man jungen Athleten die Teilnahme bei internationalen Meisterschaften noch empfehlen?

Regensburg, 30. August 2017 (Ring) – Diese Frage muss ich mir als Trainer junger talentierter Athleten nicht erst seit gestern, nachdem die Studie der Universität in Sachen Doping nach sage und schreibe sechs Jahren Wartezeit der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden durfte, weil der Weltverband der Leichtathleten oder auch die Welt-Antidopingagentur dies verhindern wollten. Anti-Dopingforscher Perikles Simon hat für sich in einem lesenswerten Interview in der FAZ diese Antwort gefunden: „Wer in einem derart korrupten Sportsystem Karriere macht, in dem zum Schluss 50 Prozent Doper unterwegs sind, gegen den darf und muss man staatsanwaltlich ermitteln. Wie viel mehr Verbrechen am Menschen ist denn noch notwendig?“ Jahrelang predigst du Deinen Athleten das hohe Lied vom sauberen Sport und schickst sie am Ende in total versaute Spielhöhlen, um gegen mindestens 40 Prozent Betrüger anzutreten. Daegu ist noch nicht so lange her, den Insidern war jene Studie schon seit dieser Zeit bekannt, danach kam für mich als Trainer das wohl dreckigste 1500m Finale der gesamten olympischen Geschichte in London 2012, die Affäre Lamine Diack, die in Wahrheit ein Kapitalverbrechen ist und war, die Geschichten mit Kenia und Russland. Die Weltrekorde und Glanzleistungen purzeln aber weiter in einer Vielzahl aus der Hochleistungsretorte, dass ich mich fragen muss: „Ist denn überhaupt etwas auf Grund der Vorfälle in den letzten Jahren passiert?

Wer glaubt, dass im kommenden Jahr nun bei den Europameisterschaften in Berlin die Leichtathletik gereinigt und dopingfrei auftritt, ist in meinen Augen ein Illusionist ersten Ranges. Es wird letztendlich dieselbe verkommene Veranstaltung wie Daegu sein. Als Trainer, der seine Athleten Tag für Tag beinhart im Training um jedes Hundertstel kämpfen sieht, fragst Du Dich eins ums andere Mal, woher viele Athleten nach grenzwertigen Temporennen, die Leichtigkeit zum unmittelbaren Weiterlaufen auf die Ehrenrunde und dem dazwischenliegenden Interview im erholten Plauderton hernehmen, zumal viele dieser Protagonisten wieder Jahre später auf den einschlägigen Dopinglisten stehen werden und ihre Medaillen weiterreichen müssen. Sechs Deiner Schützlinge waren 2016 in Amsterdam dabei, drei sogar bei den Olympischen Spielen in Rio. Du weißt schon von vornherein, dass Du sie als Verlierer hinschickst, weil das Siegen ohne unterstützende Mittel faktisch nicht mehr möglich sein wird.

Eigentlich müssten all diese Meisterschaften auf Grund unlauterer Wettbewerbsbedingungen ersatzlos gestrichen werden, alle Verbände auf Grund ihrer korrupten Netzwerksarbeit personell und strukturell aufgelöst werden. Ich weiß aber auch, dass solche Gedankengänge absolut unrealistisch sind in einer Sportwelt, in der der einzelne Athlet faktisch nichts wert ist, sozusagen austauschbar ist, sofern er der Gewinnmaximierung der sportlichen Institutionen und deren Funktionäre nicht mehr taugt. Entweder du spielst mit, oder du bist draußen. Eigentlich müsste der DLV ob der alten und neuen Erkenntnisse zur internationalen Leichtathletik, diese kommenden Europameisterschaften zurückgeben. Eigentlich – müsste die gesamte Leichtathletik 10 Jahre von den internationalen Bühnen verschwinden, um sich selbst reinigen zu können. Denn genau darauf läuft es hinaus, auf einen großen Schritt zur ehrlichen Selbstreinigung. Eigentlich erwarte ich zum Ganzen eine fundierte Stellungnahme meines eigenen Verbandes, aber eigentlich weiß ich, dass ich dazu eher unabhängige Medien lesen muss und sich mein Verband wieder einmal vornehm zurückhält.

Was treibt mich also noch jeden Tag, jede Woche und jedes weitere Jahr auf’s Trainingsgelände? Es ist wohl der ewige Kampf junger Menschen mit sich selbst, ihre ganz persönlichen Grenzen auszuloten und dabei die ethischen Gesetzte der Menschlichkeit zu beachten, in der individuellen Grenzsituation letztendlich auf der Spielwiese des Sports für’s Leben zu lernen. Nirgendwo sonst pumpen sich junge Menschen aus eigenen Antrieben so restlos aus, um danach im übertragenen Sinn nackt dazustehen und den dabei dunklen Seiten ihrer Persönlichkeit widerstehen zu lernen. Menschen von da nach da zu bringen kann durchaus ein lohnendes Ziel sein und ich hoffe, dass meine Erziehung so weit reicht, dass sie bei Gang durch die Hölle widerstehen können, auch wenn sie auf Grund ihrer Ehrlichkeit und Redlichkeit und der damit verbundenen hinteren Plätze dem Spott und der Missachtung ihrer eigenen Verbände ausgesetzt sind.

Newstelegramm

Gmund, 23.09.18
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Malaga/E, 16.09.18
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