Vom Verhältnis des DLV zu seinen Läufern

Regensburg, 16. März 2018 (Ein Kommentar von Kurt Ring) – Leipzig und Ohrdruf sind zirka eine Stunde Autofahrt voneinander entfernt. In Ohrdruf fanden am Samstag die Deutschen Crosslaufmeisterschaften statt, traditionell ein Hotspot im deutschen Laufsport. Leipzig ist inzwischen so etwas wie die neue Denkzentrale des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. Von dort kommt der leitende Sportdirektor, dort ist das IAT (Institut für Angewandte Trainingswissenschaft) beheimatet, dort wohnt und lehrt der Vizepräsident Leistungssport des DLV und auch der Leitende Bundestrainer Lauf lebt und arbeitet in dieser Stadt. In Ohrdruf glänzte die DLV-Führung mit Abwesenheit. Organisatorisch hat man den Crosslauf sowieso schon im Breitensport abgestellt, obwohl die Erfolge bei den alljährlich im Dezember stattfindenden Crosslauf-Europameisterschaften gerade im Nachwuchs durchaus vorzeigbar sind.

Vielleicht liegt es daran, dass Meisterschaften im tiefen Geläuf nicht die DOSB-Punkte bringen, die Landesverbände ebenso wie der DLV und deren hauptamtliche Trainer zur Beurteilung durch den Fachverband mit der damit verbundenen Finanzzuweisung brauchen. Den theoretisch strategischen Denkmodellen mit vier Höhenketten und der totalen Professionalisierung sind diese Deutschen Meisterschaften im März sowieso ein Dorn im Auge. Einige der dafür in Frage kommenden Kaderathleten/Innen konnten an der diesjährigen Cross-DM nicht teilnehmen. Der Masterplan sah exakt da eine Höhenkette im Südafrikanischen Dullstroem oder im amerikanischen Flagstaff vor. Die Abreise erfolgte sechs Tage vor den Meisterschaften. Ob eine Verschiebung um diese eine Woche unmöglich gewesen wäre, kann man bezweifeln. Sicher hätten die paar Asse, sofern sie denn überhaupt angetreten wären, der Veranstaltung gut getan. Ob sie denn auch gewonnen hätten, mag in diesem Zusammenhang auf Grund der gezeigten Leistungen der Anwesenden auch angezweifelt werden.

Tatsache ist, der DLV behandelt seine Läufer/Innen im Grunde doch ziemlich respektlos. Sie bringen eben nicht die nötigen Medaillen, also muss man sie auch nicht beachten. Vorzeigbar in den Medien sind die Meisterschaften im tiefen Geläuf sowieso nur bedingt. Der Fortschritt der modernen Event-Darbietung ist an ihnen vorbeigegangen. Dem örtlichen Ausrichter, der nach uraltem Bewerbungsprozedere eigentlich der jeweilige Landesverband ist, ist kein Vorwurf zu machen. Die Ohrdrufer haben sich alle erdenkliche Mühe gemacht, das Ganze liebevoll abzuwickeln, auch wenn es bei der Auswertung der Läufe dann doch bedenklich hakte.

Das alles ist halt nicht mehr ganz zeitgemäß im Zeitalter des Livestreams und der Liveergebnisse, der visuellen Darstellung über Videowalls, der Platzinterviews sichtbar auf der Wall, der Flowerceremonies. Da mag’s dann auch nicht verwundern, dass der Höhepunkt der Meisterschaften, die Langstrecke der Männer, praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. Das wenige Geld, das der örtliche Ausrichter über die Organisationsgebühren der teilnehmenden Vereine einnimmt, reicht eben nicht für mehr. Und ohne dem „Mehr“ finden sich wohl auch wenig bis gar keine Sponsoren. Den Rest möglicher Geldgeber blocken die Exklusivverträge der DLV-Sponsoren ab. So ist denn der eigene Verband der größte Feind selbst für die Weiterentwicklung einer durchaus sehenswerten Veranstaltung

Der DLV will beim Crosslauf einfach nicht investieren sondern eben nur kassieren. Dabei wären die nötigen Investitionen gar nicht so gewaltig. Eine moderne Zeitnahme, die digitale Liveresultate zulässt plus Livestream und Anzeigenwall wäre mit einer kleinen fünfstelligen Eurosumme möglich. Für eine durchaus gesunde DLM (Deutsche Leichtathletik Marketing), deren Bilanz 2016 immerhin einen sechsstelligen Euro-Gewinn auswies, sollten das Peanuts sein.

Dass das kein Hexenwerk sein muss, zeigen die vielen verbandsunabhängigen Straßenlauf-Veranstaltungen, die den Lauf schon längst als vermarktbare Ware erkannt haben und dafür einiges aufbieten. Bester Beweis dafür sind die großen deutschen Stadtmarathons. Aus Berlin, Frankfurt und Hamburg flimmern schon lang Liveübertragungen mit epischen Längen von bis zu vier Stunden über die Bildschirme der Nation. Dort stehen deutsche Läufer, auch wenn sie bei Olympia nur „unter ferner liefen“ ins Ziel kommen, hoch im Kurs. Bei den verbandseigenen Veranstaltungen ist das leider ganz anders, destruktiv eben.

Newstelegramm

Regensburg, 13.05.18
Rolf-Watter-Sportfest
Ausschreibung


Neuendettelsau, 05.05.18
Bayer. Meisterschaften Langstaffeln
Ausschreibung


Regensburg, 27.04.18
3.000m Challenge
Ausschreibung
Teilnehmer


Amberg, 15.04.18
Bayer. Meisterschaften Halbmarathon
Ergebnisse


Hannover, 08.04.18
Deutsche Meisterschaften Halbmarathon
Live-Ergebnisse
Zusatzinfos DM


Regensburg, 17.03.18
Südd. + Bayer. Meisterschaften 10.000m
Ergebnisse Südd. M.
Ergebnisse Bayer. M.


Berlin, 31.-31.12.06
Silvesterlauf Berlin
Webseite
Ergebnisse
Bericht


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