Deutschlands beste Frauen laufen um die drei EM-Tickets über 10.000m für Berlin

Telis 10km RT Stadion2017 Gruppenfoto RamdaneRegensburg, 23. Juni 2018 (orv) – Die neue Kunststoffbahn am Regensburger Oberen Wöhrd ist eine Lauf-Idylle ohne Stadionatmosphäre und eigentlich praktisch ohne große Infrastruktur. Es ist eben nur das Trainingsgelände der im Lauf so erfolgreichen LG Telis Finanz. Zwei Dinge hat die Stelle auf der Regensburger Donauinsel, die für schnelle Zeiten im Sommer, speziell denen auf der Langstrecke, unabdingbar sind: ideale klimatische Voraussetzungen und eine Flutlichtanlage. „Langstreckenrennen bei hohen Temperaturen im grellen Sonnenlicht und stickiger Luft gehen gar nicht. Die Rennen müssen in die Nacht“, sagt dazu der Teamchef der LG Telis Finanz Kurt Ring. Dass das mit der Nacht an den längsten Tagen des Jahres am 23. Juni beim Mittsommerlauf gar nicht so einfach ist, versteht sich von selbst. Deshalb ist die Startzeit der beiden 10.000m Läufe nach Sonnenuntergang gegen 22 Uhr absolut schlüssig. Da es in Deutschland praktisch im Hochsommer keine Rennen mehr über die 25 Runden gibt, der Deutsche Leichtathletik-Verband auf dieser Strecke aber seine Athletinnen für die Europameisterschaften noch nicht endgültig nominiert hat, kommt es am kommenden Samstag in Regensburg zum Qualifikationsshowdown, mit allen Spitzenläuferinnen, die die Nation derzeit zu bieten hat. Dabei trifft Lokalmatadorin Miriam Dattke (LG Telis Finanz) auf Altmeisterin Sabrina Mockenhaupt (LT haspa Marathon Hamburg), die lange verletzt gewesene U23-Cross-Europameisterin Alina Reh (SSV Ulm), die amtierende Deutsche Meisterin Anna Gehring (ASV Köln), die bereits für den EM-Marathon nominierte Fabienne Amrhein (MTG Mannheim), die österreichische Spitzenläuferin Nada Ina Pauer (VfB LC Friedrichshafen) und auf die DM-Dritte Thea Heim von der LG Telis Finanz.

 

„Die Situation ist vor allem aus Regensburger Sicht besonders pikant. Die bereits mit Normerfüllung versehenen Miriam Dattke, Sabrina Mockenhaupt und die in Amerika lebende Nathalie Tanner (LG Eintracht Frankfurt) liegen mit ihren Bestzeiten innerhalb von lediglich vier Sekunden mit Zeiten zwischen 32:36,15 und 32:40,58 Minuten, leider mit der langsamsten für die Telis-Läuferin. Läuft nun Alina Reh oder Anna Gehring schneller als 32:40,58 und Miri ist langsamer am kommenden Samstag, ist unser Mädel draußen. Da klopfen dann schon zwei Herzen in deiner Brust: Allein die mögliche Durchführung eines gemischten Rennens wegen zu geringer Teilnahme bei den Frauen würde jede weitere Qualifikationsmöglichkeit zunichtemachen. Anderseits gebieten es die Regeln der sportlichen Fairness, auch jenen Läuferinnen, die bisher noch keine echte Qualifikationschance - warum auch immer - hatten, alle Möglichkeiten offen zu halten. Emotional ist das schon ein kleines Stück Selbstzerfleischung“, stöhnt Dattke-Trainer Ring über die schwierige Ausgangslage seines Schützlings, der seine Bestleistung im Fegefeuer des diesjährigen Londoner Europacups als Deutschlands damalig Beste vor Tanner und Mockenhaupt erzielt hatte.

Da verliert das Männerrennen, das im letzten Jahr bei der Premiere immerhin gleich vier 29er Zeiten hervorbrachte, fast ein wenig an Bedeutung. Immerhin will dort der Deutsche Halbmarathonmeister Carsten Meier (LG Braunschweig), Ende April äußerst knapp an der EM-Quali im Marathon gescheitert, jene 28:44,65 Minuten des Deutschen Meisters Sebastian Hendel (LG Vogtland), gelaufen vor vierzehn Tagen im holländischen Leiden und derzeit die drittbeste sowie für Berlin absolut relevante Zeit, angreifen. Er hofft dabei auf die Unterstützung des Telis-Berlin-Starters im Marathon Philipp Pflieger, der sich nach seinen 13:50,61min über 5.000m, gelaufen am letzten Samstag in Tübingen, bärenstark fühlt. „Klar, bei Erfüllung der EM-Norm muss man zumindest über einen Doppelstart in Berlin nachdenken dürfen, nachdem mir 2014 trotz ähnlicher Leistung der EM-Start über die 25 Runden vom DLV nicht gewährt wurden. Ich bin freier Laufprofi, der sich alles ohne Verbandsunterstützung selbst finanziert“, orakelt der Schwabe im Telis-Trikot, längst in der alten Domstadt angekommen und dort schon seit elf Jahren lebend, über seine hoffentlich erfolgreichen Samstagabend-Auftritt. Mit im Rennen sind natürlich seine Teamkollegen Tim Ramdane Cherif und Jonas Koller, beide routinierte Läufer der 29er-Klasse, sowie Telis-Senkrechtstarter Kevin Key, der endlich die 30er-Zeit will. Schmerzlich vermissen wird man den Deutschen Vizemeister von 2018 und nationalen Titelträger von 2017 Simon Boch ebenso wie seinen Teamkollegen Dominik Notz (LG Telis Finanz), die beide gesundheitlich noch ein wenig angeschlagen sind und deshalb passen müssen. Moritz Beinlich wird zirka vier Kilometer lang die Pace machen

Im Vorfeld der beiden Läufe findet noch ein Einlagelauf der Telis-Jugendlichen Benedikt Brem, Julia Öchsl und Linus Wiedenbauer statt, die sich über 3x1000m mit einer Zeit unter acht Minuten für die Deutschen Jugendmeisterschaften qualifizieren wollen.

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