Telis-Läufer verwirklicht einen ganz individuellen Traum

HuberBenedikt1 Watter2018 KiefnerfotoRegensburg, 21. Juni 2018 (orv) – 1 Minute 46 Sekunden und 50 Hundertstel ist für Otto Normalverbraucher eine x-beliebige Zeitspanne, für Benedikt Huber, den 800m Läufer der LG Telis Finanz Regensburg, aber keineswegs. 1:46,50min ist die Normleistung, die der Deutsche Leichtathletik-Verband als Mindestanforderung für die Heim-Europameisterschaften in Berlin (7.-12. August 2018) verlangt. Diese Zeit ist der Regensburger noch nie in seinem Leben gelaufen, auch wenn er 2016 schon einmal bei einer EM dabei war und sich dort als Zehnter absolut bravourös verkauft hatte. Man hatte ihn damals mitgenommen, weil ihm nur sieben Hundertstel gefehlt hatten. Seit gestern, 20.47 Uhr ist die Situation eine andere. Im polnischen Goleniów in der Nähe von Stettin erreichte der Deutsche Meister der Jahre 2016 und 2017 als Dritter das Ziel mit neuer persönlicher Bestleistung von 1:46,31min und das ist schneller als die magische Grenze von 1:46,50 Minuten. In Berlin ist er damit aber noch nicht. Er muss bis zum Nominierungstag am 23. Juli unter den besten drei Deutschen sein, sich positiv bei den Deutschen Meisterschaften in Nürnberg (21./22. Juli 2018) zeigen und dann natürlich auch noch vom DLV nominiert werden.

 

Dabei hat die Saison 2017/18 im letzten Herbst alles andere als vielversprechend begonnen. Ständig warfen ihn kleine Verletzungen aus dem Trainingsrhythmus, bei zwei Trainingslagern im Januar und im März musste er vorzeitig die Rückreise zu den Medizinern und Physios in die Heimat antreten. „Das ist nervig für einen, der bis dato wenig verletzt war und auch nicht richtig weiß, woher die ständigen Ärgernisse, die dein Körper verursacht, überhaupt kommen“, blickt der im oberbayrischen Palling lebende Athlet zurück. Sollte er mit seinen 28 Lenzen schon zum alten Eisen gehören, auf einer Strecke, bei der in der Tat meist die gerade mal 20-jährigen Jungspunde schon gehörig mitreden? An Berlin 2018 war in dieser Zeit noch wenig zu denken. Aber Beni Huber wäre nicht Beni Huber, wenn er in solchen Zeiten nicht auch an sich geglaubt hätte und trotzig seinen Teilzeitarbeitsvertrag, der ihm erst den Sport so hohen Niveau erlaubt hatte, bis 2020 bei seiner Firma zur Verlängerung eingereicht hatte.

Ab Ende April begann für ihn eine Zeit, die er so noch nicht erlebt hatte. Auf der einen Seite dosiert Grundlagen trainieren, auf der anderen Seite die Wettkampfgeschwindigkeit zart antippen, das kannte der Oberbayer bisher noch nicht. Doch alle Überredungskünste bei seinem Coach Ring, das Ganze doch zu forcieren, waren vergeblich. Der alte Fuchs beharrte stur auf seine Linie und Beni Huber folgte, wenn auch oft ein bisschen widerwillig. Der Satz „Moanst net, dass des net scho wieder schneller gang“ - natürlich im tiefsten Bayerisch - fiel oft in den in dieser Zeit fast täglichen Telefonaten. Die Linie war richtig. Was der Coach von seinen Langstrecklern wusste, bestätigte sich auch beim 800m-Läufer: Ist die Grundlage intakt, geht es auch vorwärts. Das war auch bei Beni Huber der Fall. Vier Rennen brauchte der Telis-Mann um von 1:50 über 1:49 und 1:47,71 bei der heimischen Sparkassen Gala am 16. Juni in Tübingen zu jenen 1:46,66 zu kommen. Die Zeit war reif und man entschloss sich, das kurzfristige Angebot in Polen anzunehmen.

Gestern um 20.51 Uhr, keine vier Minuten nach dem Zieleinlauf, kam das erlösende SMS von Christoph Kopp, der den Start erst möglich gemacht hatte, in Regensburg an: „Dritter Platz von Huber in 1:46,31“. Beni Huber hatte es auf Anhieb geschafft, was ihm noch vor Wochen keiner zugetraut hatte, der Traum von Berlin 2018 lebt weiter und er ist jetzt ganz real geworden. Er wäre der fünfte Regensburger – vier Marathonläufer/Innen der LG Telis Finanz sind bereits nominiert – aus der verschworenen Gruppe um Coach Kurt Ring: Für das kleine Läufernest an der Donau erneut eine stolze Ausbeute, nachdem man bereits 2016 völlig überraschend sechs Teilnehmer/Innen dabei hatte.

Langstrecklerin Miri Dattke könnte am Samstag schon die Sechste sein. Sensationell hatte das Telis-Nesthäkchen am 19. Mai als beste deutsche Läuferin beim Europacup in London mit 32:40,54min die EM-Norm über 10.000m geknackt. Am Samstag, genau um 22.30 Uhr trifft sie auf ihrer Trainingsbahn am Regensburger Oberen Wöhrd auf die gesamt deutsche Spitze. „Da ist mächtig Druck da, sie sollte ihn beim Startschuss ablegen und einfach loslaufen. Das, was sie heuer erreicht hat, ist eh schon gigantisch. Wir werden sie nachher so oder so in die Luft werfen und hochleben lassen. Am Sonntag feiert sie nämlich ihren 20. Geburtstag und wir werden das Stadion mit Sicherheit vor Mitternacht nicht verlassen“, sagt Coach Ring dazu.

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