Alte Zeitpläne müssen nicht Jahrzehnte in Stein gemeißelt werden

Regensburg, 25. Juni 2018 (Ring) – „Ich dachte am Anfang, die Startzeit wäre etwas spät, weil ich um die Uhrzeit sonst immer schon im Bett bin“, hatte Alina Reh die Startzeit von 22.30 Uhr beim Mittsommerlauf in Regensburg anfangs durchaus kritisch beäugt. „Irgendwie bin ich aber wach geblieben – und die Bedingungen waren am Ende optimal, die Temperaturen perfekt.“ Was für Reh noch ungewöhnlich ist, haben Läufer in anderen Ländern, insbesondere in südeuropäischen, schon längst verinnerlicht. Wenn sie schnell laufen wollen, brauchen sie die Kühle der Nacht, nach Sonnenuntergang. Zudem legt sich durch die nun fehlende Thermik meist auch noch störenderder Wind . Langstrecken-Startzeiten nach 22 Uhr sind in Oordegem, Heusden, Karlsruhe, Tübingen und eben auch in Regensburg schon längst Usus und Garanten für schnelle Zeiten. So war es dann auch am vergangenen Samstag beim Mitsommerlauf am Oberen Wöhrd in Regensburg. Die Bestleistungen und Normen purzelten nur so.

Insider der Szene flehen geradezu den für Meisterschaften zuständigen DLV an, doch diese Praxis auch bei den nationalen Titelkämpfen zu übernehmen. Kein Mensch braucht die Hitzeschlachten, weder die Läufer, die in solchen Rennen nur übermäßig Substanz verlieren und dann suboptimale Ergebnisse abliefern, bei denen nur der Sieger Recht hat, noch die Zuschauer, die bei bis zu sechsstündigen Programmen, bratend in der heißen Nachmittagssonne entsprechend unbefriedigende Rennen ansehen müssen. Alle wissen das, nur die für die Zeitpläne zuständigen Funktionäre anscheinend nicht. Als ausgesprochener Leichtathletik-Verrückter geht mir jener sogenannte „Nachmittagsspaß“ schon längst an die Nerven und ich frage mich immer wieder, warum ich mir das antue. Als einziger Grund bleibt übrig, dass meine Schützlinge dort unten im heißen Kessel laufen müssen und ich sehne mich jedes Mal nach der wohltuenden abendlichen Kühle und der nachlassenden leichten Brise von Oordegem, Heusden, Karlsruhe, Tübingen und wo auch immer, wo man was vom Laufen zu verstehen scheint.

Natürlich kann es an dem einen oder anderen Meisterschaftstag kühl und regnerisch sein, die Praxis der letzten Jahre bei zunehmender Klimaerwärmung und glutheißen Sommern spricht aber prozentual gesehen stark dagegen und acht bis zehn Stunden im Stadion ist beileibe kein Honigschlecken, wenn du bei den Titelkämpfen eine eröffnende Staffel dabei hast und auch noch am Schluss Athleten am Start hast. Muss das sein? Ich meine nein! Vorkampfblöcke über drei bis vier Stunden am Vormittag, vielleicht bis 13 Uhr und Finalblöcke über drei bis vier Stunden von vielleicht 18-22.30 Uhr, beginnend mit den schnellkräftigen Disziplinen, die dann noch die wärmende Abendsonne genießen, würden eine Wohltat sein – für Sportler, deren Betreuer und auch die Zuschauer. International ist das üblich, nur nicht bei Deutschen Meisterschaften. Hier ein aktueller Ausschnitt aus dem Zeitplan für die Deutschen Meisterschaften am 21./22. Juli in Nürnberg: 5.000m der Frauen um 15.35 Uhr und 16.20 Uhr bei den Männern, beides am Sonntag. Zudem macht die lange Zeitspanne zwischen den beiden Startschüssen mit 45 Minuten die Veranstaltung im Ablauf nur zäh. Ein 5.000m Lauf der Frauen dauert maximal 18 Minuten und 25 Minuten Lautsprecherbespaßung braucht kein Mensch, zudem dann, wenn man sich schon vier Stunden im Stadion aufgehalten hat.

„Und ewig grüßt das Murmeltier“ heißt ein geflügelter Satz, wenn etwas, obwohl suboptimal, seit Jahrzehnten nicht geändert wird. Die Leichtathletik, als solche sowieso traditionell ausgerichtet, braucht sich nicht wundern, wenn sie gegenüber anderen Sportarten immer mehr ins Hintertreffen gerät. Wenn ich mich an der Basis mit den Leuten unterhalte, ist das immer weniger werdenden Ehrenamtlichen, die das Monstrum Deutscher Leichtathletik-Verband hauptsächlich auf ihren Schultern tragen, durchaus bewusst. Man spürt aber allerseits die tiefe Resignation: „Als Einzelner bewirkst Du gegen die da oben eh nichts“. Man könnte „die da oben“ auch als beratungsresistent bezeichnen, weil sie in ihrem antik-hierarchischen Betriebskonstrukt Sachkritik stets als herabsetzend und beleidigend, nie aber als konstruktiv aufnehmen, somit eine fruchtbare kontroverse Diskussion durch eisiges Schweigen von „denen da oben“ gar nicht ins Laufen kommt und auch im nächsten Jahr das Murmeltier wieder grüßt. Und es grüßt seit Jahrzehnten bei den Zeitplänen von nationalen Meisterschaften.

Es waren schließlich immer wieder Revolutionäre, die die Welt nach vorne gebracht haben. Die Leichtathletik ist auch so eine kleine Welt. So wünsche ich mir in den Führungsriegen des Deutschen Leichtathletik-Verbandes auch mehr Revolutionäre, begeisterte Mitarbeiter, die nicht nur verwalten und es den noch „weiter Obrigen“ vom DOSB und der Politik nur ständig Recht machen wollen. Warum nicht mal Deutsche Meisterschaften über 10.000m zum Zeitpunkt von Regensburg Mitte bis Ende Juni, wenn schon eine gewisse Form der Athleten erzielbar ist, zur Tages (Nacht-)zeit des letzten Samstag? Jeder Antrag dazu wurde bisher verworfen und im Anschluss wird auf jene Athleten geschimpft, die bei Hitze, Sonne und Wind schlechte Leistungen erzielen und bei der DM teilweise gar nicht mehr antreten, weil es ebenso ist.

Newstelegramm

Regensburg, 02.12.18
Intersport-Tahedl-Nikolauslauf
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Berlin, 31.-31.12.06
Silvesterlauf Berlin
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