MaennerFrauen1_Kiefner-Foto© Lothar Pöhlitz – Mit diesem Beitrag soll einmal die Aufmerksamkeit der Eltern, der Parteien, Landesregierungen, Bildungsminister, der Lehrer, Sportlehrer, Kindergärtnerinnen, aber auch der Trainer und Funktionäre im Sport geweckt werden, sich endlich früher und intensiver um die Gesundheit, Fitness, Erziehung und geistige Verantwortung im Rahmen der Bildungsoffensive zu sorgen.

Von Lehrern erfährt man leider immer wieder, dass Eltern nicht selten in den Aussprachen um ihre Kinder glauben, dass die Schule für die Erziehung ihrer Kinder zuständig sei. Das allein ist sicher auch das Produkt ihrer Erziehung aus der Vergangenheit. Im Sport merkt man es besonders, aber auch im Vorschulalter und in der Schule, im Berufsleben oder auf der Straße begegnet man der Problematik „Erziehung von Jungen und Mädchen und seiner Auswirkungen“.

Dabei stößt man nicht so selten – vor allem aus Trainersicht – auf die Auswirkungen frühkindlicher Erziehung auf die unterschiedliche Entwicklung von Jungen und Mädchen.

Warum Frauen oft nicht nur gefühlsmäßig stärker sind als Männer

In der Literatur liest man immer öfter über die Bedeutung des Gehirns für den Handlungsprozess des Menschen. Dazu schrieb Magnus Heier im KStA: „Die Speicherkapazität des Gehirns kennt keine Grenzen, je mehr gespeichert wird desto leichter merkt sich das Gehirn noch mehr. Jede Menge und in jedem Alter. Es klingt unglaublich, aber ins Gehirn passt unendlich viel Wissen, Gefühle, Erinnerungen aber auch Ängste. Es merkt sich ganze Sinfonien, kann sich Gerüche über Jahrzehnte und unter Umständen dutzende Fremdsprachen einprägen. Es ist gut und richtig das Gehirn zu trainieren. Wer regelmäßig beispielsweise Sudoku löst wird im Alter sehr viel besser sein, aber eben nur in Sudoku.“

Schon vor Jahren hat dazu passend Professor Wildor Hollmann von der Deutschen Sporthochschule Köln einen engen Zusammenhang zwischen körperlicher Bewegung, Motorik und intellektuellen Fähigkeiten vermittelt und mahnte: Wer sich viel bewegt weist eine höhere Hirnaktivität auf als „unbewegte“ Menschen. Körperliche Bewegung regt die Nervenzellen im Gehirn zur Teilung und Vernetzung der Nervenkontaktstellen an. Sie sind im Zusammenspiel mit der Ernährung wesentlich für die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit, Fitness und Gesundheit, auch noch im fortgeschrittenen Alter.

Das sollte aber nicht zu der Konsequenz führen, dass Männer besser gleich Trainer werden sollten

Über „Ererbtes“ und in frühester Kindheit „Trainiertes“

Auf die Problematik dieses Beitrages übertragen bedeutet es doch, Kleinkinder, die nicht schon früh mit Sport, mit immer neuen Bewegungen, Bildung, Essgewohnheiten und steigenden Anforderungen konfrontiert werden, werden sie später auch nicht entsprechend gut abrufen können. Ihnen werden Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt werden, sie lernen nicht Körper und Geist immer besser zu nutzen oder werden nicht mit der Mengenlehre auf dem Teller schon früh konfrontiert. Wissen und Erfahrungen, die sie später einmal abrufen sollen, wird nicht oder falsch im großen Speicher abgelegt. Dies wird auch durch Erfahrungen aus der sportlichen Praxis unterstrichen, dass zur Talentausprägung immer „Ererbtes“ und in frühester Kindheit Trainiertes“ zur Ausprägung von Voraussetzungen für später außerordentlich wichtig ist.

Meine Trainererfahrung ist auch, dass die in frühester Kindheit wohlbehüteten, kaum in Richtung Ausprägung von vielseitigen Bewegungsfertigkeiten und Ansprüchen geforderten, unsicheren, wenig selbstbewussten, durchsetzungsschwachen und von der Mama von Aufgaben verschonten Jungen schwerer in Richtung Spitzenleistungen zu „trainieren“ sind als Mädchen, die schon früh die „Aufgaben im Haus und für die Familie“ mit erledigen mussten.

Vielleicht kann man an dieser Stelle einmal an die lieben Mütter appellieren, ihren Erziehungsstil zu überdenken, in ihrer „Kinderliebe“ die Jungen nicht zu verschonen wenn es einmal im Haus etwas zu tun gibt, der Rasen gemäht oder das Auto gewaschen werden muss oder sie immer wieder einmal keine Lust haben zu der von ihnen selbst gewählten Sportart zum Training zu gehen.

MaennerFrauen2_Poehlitz-FotoTV, PC, Smartphone, Chips und Cola

Leider ist gegenwärtig das „Wohlfühlen vor dem Fernseher, Smartphone oder PC bei Chips und Cola“ gegenüber der Verbesserung der Gleichgewichtsfähigkeit, des „Zentrums“, des Barfußlaufens auf allen möglichen Bodenuntergründen, einer ausreichenden Sauerstoffversorgung durch Bewegung in der Natur, des Schwimmen Lernens, einem Ausflug auf dem Rad um die heimische Umgebung kennen zulernen oder auch einem kleinen Geländelauf mit Mama & Papa am Wochenende in den Vordergrund getreten.

Zu viele, auch der Schulsport, haben es zugelassen, dass Kindern die Bewegung an der frischen Luft mehr und mehr abgewöhnt wurde und außer Fußball, Formel 1, Golf  und immer mehr Werbung das Fernsehen auf breiter Front die anderen Sportarten und vor allem dem Kinder und Jugendsport negiert und so die Lust echten, weniger tätowierten Vorbildern nachzueifern, gar nicht erst aufkommt. Dabei wissen sie alle, wenn man nicht früh genug zur Bewegung anhält, Vorbilder schafft, haben sie noch nicht einmal mehr Lust zum Fußballspielen. Und im Leichtathletiknachwuchstraining hat man das Gefühl, das immer mehr Jungs immer weniger Lust haben sich auch mal richtig anzustrengen.

Du stehst erst auf wenn Du aufgegessen hast

Die Essgewohnheiten für´s Leben werden zu Hause am Tisch ab dem frühen Vorschulalter geprägt. Jeder, vor allem die im Rentenalter, kennen noch die Mama-Sprüche und Ziele: mit „einem Löffel für Papa, einen Löffel für Oma…….“ sollen sie überlistet werden. Vielleicht sollte man auch die Frage nach einem weiteren Stück beim Kuchenessen besser unterdrücken, wenn das Kind lieber aufstehen und mit Freunden spielen möchte. Natürlich meinen sie es gut. Dabei beachten sie nicht, dass damit und nicht nur mit Süßigkeiten oder zu viel Zucker, die Fettzellen angelegt werden. Mäkeleien, Extrawürste und die Angebote schon beim gemeinsamen Einkauf mit Mama „was möchtest Du denn heute essen“ sind Erziehung zu Essgewohnheiten fürs Leben die spätestens nach der Heirat auf den Prüfstand kommen. Denn wer kocht schon gern zwei unterschiedliche Gerichte.

Die Eltern sollten vielmehr entscheiden, was ihrem Kind guttut und gesund ist und wie groß / klein die Portionen für die sehr unterschiedlich angelegten Gene sein sollen. Im Leben zeigt sich, dass „die kleinen Dicken“ in der Regel nicht selbst dranschuld sind. Mischkost mit ausgewogenen Anteilen an Kohlenhydraten, Eiweiß und Fett bei ausreichend Obst und Gemüse bei weniger Zucker wären nicht schlecht. Ob und wie viel es davon essen will, bestimmt besser das Kind, dabei wissen sie, dass es für Mama „gute und auch Tage mit Sorgen“ um die Kleinen gibt. Das Leben aber lehrt, dass alle groß werden und wenn sie viel Sport treiben auch noch stark.

„Mens sana in corpore sano“ – die Bewegungen im Vorschulalter prägen die Intelligenz                                                    

In seiner 10. Satire kommt Juvenal (Römischer Dichter und Philosoph schon um 100 n. Chr.) zu dem Ergebnis, dass es nicht vorrangig sei, um Geld, Ruhm oder ein langes Leben zu beten, sondern dass man vielmehr von den Göttern erbitten soll, dass „in einem gesunden Körper ein gesunder Geist wohne (mens sana in corpore sano)“.

Da Kinder heutzutage immer weniger bewegt werden, der Raum für eigene Kreativität, Sammlung von Bewegungserfahrungen, körperliche Aktivitäten, Entwicklung von Gleichgewichtsfähigkeiten und Geschicklichkeit, der Aufbau einer altersgerechten Belastbarkeit immer mehr eingeschränkt wurde, nehmen auch die Kräftigung von Herz, Lungen und der anderen inneren Organe ab.

Immer mehr Schulkinder leiden an Haltungs- und Leistungsschwächen, Übergewicht, Herz-Kreislauf-Schwächen, Diabetes, Depressionen, Koordinationsschwächen, Aufmerksamkeitsstörungen oder Hyperaktivität, auch weil die Stunden am Fernseher, Computer oder Smartphone immer mehr geworden sind.

Die gesundheitlichen Folgen des Bewegungsmangels sind unübersehbar: Die Schule wird im Rahmen ihres Erziehungs- und Bildungsauftrages „Schulsport“ dieser Aufgabe leider immer weniger oder besser gar nicht mehr gerecht.

Die Erziehung der Kinder ist zuerst Aufgabe der Eltern und nicht der Schule – der Sport kann sie dabei unterstützen

MaennerFrauen3_privat-FotoDas, was die Kinder bei ihren vielfältigen sportlichen Aktivitäten früher lernten, konnten sie später auch in anderen Lebensbereichen anwenden. Sie lernten ihre Belastbarkeit, Kraft, Ausdauer in ihren eigenen Grenzen kennen und entwickelten sie. Sie erfuhren, wie diese Grenzen erweitert und sie in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt wurden. Sie übten Fairplay, Teamfähigkeit, Rücksichtnahme und Integration von Schwächeren beim Spielen. Sie lernten mit Sieg wie auch mit Niederlagen umzugehen. Sport stellte viele Jahre in vielerlei Hinsicht ein Abbild des „wirklichen“ Lebens und somit auch eine hervorragende Vorbereitung auf das spätere Berufsleben dar.

Deshalb soll dieser Beitrag die Aufmerksamkeit vieler Eltern und aller Parteien und Landesregierungen wecken, sich möglichst früh um die Gesundheit, Fitness und geistige Entwicklung unserer Kinder zu „sorgen“ und alle bitten ihrer Verantwortung im Rahmen einer Bildungsoffensive gerecht zu werden. Täglich wird in den Medien deutlich wie bedeutend dies für Deutschlands Zukunft wäre.

Gene, Erbanlagen und möglichst vielseitige Bewegungshandlungen und Bewegungserfahrungen im Kleinkind- und Vorschulalter prägen die psychomotorische Entwicklung, die geistige Leistungsfähigkeit und auch die Entwicklung der menschlichen Intelligenz“ (MARTIN 1980)

Schon in der Leichtathletik-Coaching-Academy 2006 konnte man dazu lesen: „Meine Erfahrung ist, dass in der Trainingspraxis des Hochleistungstrainings viele Frauen

  • eine höhere Leistungsbereitschaft als Männer haben
  • professioneller arbeiten, wenn sie sich für etwas entschieden haben* zu höheren Willensqualitäten fähig sind
  • eine bessere Konzentrationsfähigkeit einbringen können
  • eine höhere Verlässlichkeit und Präzision in der Erledigung des Trainings haben ohne immer gedrängt zu werden und
  • ein besseres Vertrauensverhältnis zu dem sie beratenden Team aufbauen, aber auch allein zu außerordentliche fähig sein können sowie über Vorteile im Bereich der Flexibilität, Beweglichkeit und Koordination verfügen. In der Praxis des Hochleistungstrainings unterscheiden sich Trainingsprogramme und Trainingsinhalte in der Regel nicht, sieht man von niedrigeren Zusatzlasten oder niedrigeren Geschwindigkeiten ab. Trainingsumfänge im Jahr oder auch in einzelnen Trainingseinheiten sind denen der Männer nahe, dabei ist logisch, dass dann durch die geringere Geschwindigkeit ein höherer Gesamtaufwand in Stunden notwendig ist.

Eine Bedingung dafür ist aber die Schaffung der notwendigen Voraussetzungen, vor allem der Belastbarkeit, im Kinder- und Jugendtraining. Die Leistungsstruktur der jeweiligen Disziplin bestimmt, welchen „Schwachstellen“ im Vergleich zum Mann, eine besondere Aufmerksamkeit im Training gewidmet werden muss. Dabei gilt, dass ein komplexes Training, bei weiterer Erschließung der Leistungsreserven der Frau, auch zukünftig Voraussetzung für überdurchschnittliche Leistungen ist“ (Lothar Pöhlitz LCA 2006)

In der Praxis des Hochleistungstrainings trainieren Frauen wie Männer! Die Voraussetzungen dafür sind die Gene, das Erbe und die Erziehung in früher Kindheit im Elternhaus und am besten in der Gemeinschaft eines Bewegungs-Kindergartens

Newstelegramm

Regensburg, 02.12.18
Intersport-Tahedl-Nikolauslauf
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Berlin, 31.-31.12.06
Silvesterlauf Berlin
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