AG Wettkampfwesen tritt bei DM Reformen schon wieder den teilwesen Rückzug an

Regensburg, 26. März 2019 (Ring) – Der vermeintliche Masterplan der DLV AG Wettkampfwesen hinsichtlich der Organisationsreform für die 119. Deutschen Leichtathletik Meisterschaften am 3. Und 4. August im Berliner Olympiastadion war gar keiner, zumindest nicht in der ursprünglichen Form. Es war ein Schnellschuss aus der Hüfte, der ins eigene Knie ging. Nach erheblichen Protesten von den Spitzensport treibenden Vereinen, von einigen Landesverbänden und auch von der Basis der deutschen Leichtathletik haben die Macher schon wieder einen Schritt nach hinten gemacht. In einer Meldung vom 28. März auf leichtathletik.de heißt es nun: "Alle Normerfüller sind bei der DM am Start, auch wenn im Vorfeld geplante Felder überschritten werden sollten. Wie bisher sollen die Starterfelder in Kooperation mit den Leitenden Bundestrainern und in Anlehnung an die Bestenliste aufgefüllt werden, wenn es zu wenig Teilnehmer mit erfüllter Norm in einzelnen Disziplinen gibt.“

Dann verliert man sich in der Meldung in den Untiefen vager Berechnungen. Einerseits hat man immer noch die Angst, dass zu wenige Teilnehmer für die eingeplanten Vorläufe zur Verfügung stehen, andererseits verschärft man die Normen sogar noch. Jeder erfahrene Meetingdirektor kann aus den statistischen Erhebungen der AG Wettkampfwesen genügend herauslesen, um am Ende – was die Normen anbelangt – alles beim Alten zu lassen, beziehungsweise diese sogar noch etwas leichter zu gestalten. Beispiel 1500m der Männer: Hier wurden 2018 26 Athleten gemeldet und 15 gingen an den Start (57,7 Prozent). Für diese Erkenntnis braucht man keine prozentuale Berechnung. Kenner der Szene wissen, dass das schon seit Jahren so ist und erfahrene Organisationsleiter gehen dann auch vernünftig damit um. Die Qualitätsstreuung deutscher Mittelstreckler ist so groß, dass man auch 15 Teilnehmer ins Finale stellen kann. Wer das nicht will, muss die DM-Zugangsnormen erleichtern und nicht verschärfen. Es ist doch kein Hexenwerk, bis zu 40 Aspiranten in zwei Vorläufen abzuhandeln, wobei uns die Bestenlisten sagen, dass wir die im Bereich von unter 3:48,00 Minuten überhaupt nicht in Deutschland haben (Bestenliste 1.500m Männer 2018: nur 34 Athleten liefen unter 3:48,00min)

Ganz abgesehen von der Bemessungszahl 18 für die DM 2019: Prinzipiell sind das viel zu wenig für zwei vernünftige Vorläufe, weil’s dann natürlich auch noch kurzfristig erkrankte, verletzte und unwillige Athleten in den letzten Tagen vor den Meisterschaften geben wird. Das alles führt eher zu einer Verschlechterung der bisherigen Meisterschaftsstruktur und holt damit auch keinen Zuschauer mehr ins Stadion. Vielleicht holen die AG’ler dann in Berlin den Zirkus Sarassani für die gähnend langen Zwischenräume von Wettbewerb zu Wettbewerb ins Stadion, einen überflüssigen Sänger hatten sie ja schon 2018 dabei – damit das grandiose Event auch wirklich ein Knaller wird. Strafft den Zeitplan, setzt einen flott Regie führenden Meetingdirektor in die Gesamtleitung, schneidet alte Organisationszöpfe ab, setzt vernünftige Finalblöcke und die bitte nicht in die brütende Hitze eines Hochsommernachmittags und feiert euch nicht ständig selber, sondern begreift, dass Deutsche Leichtathletik Meisterschaften das Fest aller deutschen Leichtathleten sein sollen. Sonst laufen die euch in den nächsten Jahren in Scharen davon.