Alles ist relativ, auch der sportliche Erfolg

Regensburg, 21. März  2020 (Kurt Ring) – Samstag, 21. März 2020, eigentlich hätten heute auf unserer Hausbahn am Oberen Wöhrd die Bayerischen Meisterschaften über 10.000m stattfinden sollen, eine kleine Veranstaltung, auf die ich mich jedes Jahr freue. Für einen Laufverrückten, der sich dem hiesigen Leistungssport schon seit mehr als fünfzig Jahren geradezu ausgeliefert hat, ist so etwas immer wieder ein Highlight. Es müssen nicht immer nationale Titelkämpfe oder internationale Einsätze sein. Stattdessen Quarantäne! Welch hässliches Wort im Sport, der so viel Wert auf das Miteinander legt. Gegen den Entzug ankämpfend beginne ich nachzudenken. Das kann ja sicher nicht schaden.

Wohl über 200.000 Infizierte weltweit zum heutigen Tag, in der Folge bereits etwas mehr als 8.000 Todesfälle auf Grund der Corona Pandemie. Olympia wird unwichtig in diesem heimtückischen Krieg mit Fronten, die keiner sieht. Was vor Corona absolute Priorität hatte, ist relativ geworden. Ich möchte mich derzeit nicht beschäftigen, wie ich meine Asse auf die Saisonhöhepunkte, sofern es sie dieses Jahr überhaupt noch geben wird, mit allen Mitteln vorbereiten kann, geheime Treffs für gemeinsame Tempolaufserien vereinbaren und den Erfolg um jeden Preis suchen kann. Sie jetzt gesundheitlich stabil zu halten, ist derzeit das Wichtigste, denn jeden von ihnen könnte es trotz aller Vorsicht erwischen. Ihr kennt wohl alle den Ausdruck: zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort.

Läufer sind wahre Organmonster mit großen Herz-/Lungenleistungen. Wenn wir von ihnen Maximalbelastungen abverlangen, beuten wir sie auf Kosten der Höchstleistung bis an ihre Grenzen aus. Deswegen braucht es auch nach dem Saisonhöhepunkt immer wieder die sogenannte Regenerationsperiode. Sie in diesem Zustand an die Corona-Front zuschicken, wäre fahrlässig. Die Wahrscheinlichkeit, dass es einen der jungen Leistungssportler/Innen schwer mit dem Virus trifft, ist gering. Trotzdem, derzeit hat die Stabilisierung der vollen Organkraft, also Training aus der Aufbauperiode, absoluten Vorrang. Alles für den EINEN, für den Pechvogel, den die Seuche trifft. Der EINE hat jetzt absolute Priorität, es könnte nämlich nach dem Zufallsprinzip JEDER meiner Schützlinge sein.

Die Situation ist eben jetzt so, wie sie ist, ob es uns passt oder nicht. Ich, wir in unserem Club, haben Verantwortung für unsere jungen Sportler/Innen, die vor allem von unseren Erfahrungen, aber auch von unserer strategischen Vor(aus)sicht profitieren. Es werden auch wieder andere Zeiten kommen. Dann werden  wir unseren  Modus wieder sofort auf Erfolgsmaximierung ändern, als Vorstandschaft, als Trainer/Innen, aber auch als Veranstalter -  und zwar blitzschnell, sofern es die Verhältnisse zulassen. Bleibt mir gesund und haltet diszipliniert durch!