Weit weg von den olympischen Idealen und sonstigen Wertvorstellungen

Regensburg, 26. August 2016 (Ring) – Als Jesus im Jerusalemer Tempel die Händler und die Geldwechsler sitzen sah, trieb er sie der Überlieferung des Johannesevangeliums zufolge mit einer Geißel aus Stricken aus dem Tempel, stieß Tische um und verschüttete das Geld der Wechsler mit den Worten: „Macht meines Vaters Haus nicht zum Kaufhaus!“ Im Markusevangelium begründet er seine Handlung mit den Worten: „Steht nicht geschrieben: ‚Mein Haus soll ein Bethaus heißen für alle Völker‘? Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht“. Was hat das Evangelium nun mit dem olympischen Leistungssport zu tun?

Wer sich einmal mit der Olympischen Charta ein wenig beschäftigt, wird sehr schnell erkennen, dass sich diese mit menschlichen Wertvorstellungen beschäftigt, natürlich nicht auf der Ebene des Buches aller Bücher, aber eben schon im Bereich von Werten, die würdig sind, sie zu bewahren und zu verteidigen. Das, was derzeit im olympischen Sport geschieht, ist mit einem Schweinestall zu vergleichen. Ihn zu reinigen kommt einer Herkulesaufgabe gleich. Nur leider hat der moderne Sport weder einen Jesus, noch einen Herkules, um sichtbar erfolgreich zu sein.

IOC-Präsident Dr. Thomas Bach besitzt zwar die Stellung des obersten Propheten, ist aber im Ganzen ein zahnloser Tiger, der am Nasenring der gierigen olympischen Betrüger, Feilscher und Händler stets durch die Manege gezogen wird. Allein das System „one nation, one vote“ verschafft korrupten Kleinsystemen aus allen Herrenländern eine unglaubliche Macht. Sie verstehen sauberen Sport einfach nach dem Grundsatz „wer nicht erwischt wird, ist auch nicht gedopt“. Dafür tun sie im eigenen System durch gänzlich fehlende Trainingskontrollen, durch systematisches Staatsdoping und anderen Machenschaften, alles, damit der Schein der Makellosigkeit erhalten bleibt.

Wie sehr sich diese Teams aus dem Fenster legen, zeigt allein schon die Aktion des kenianischen Trainers, der für seinen Athleten zur Dopingkontrolle ging. Es ging ihm wohl gar nicht um Vertuschung, sondern vielmehr darum, zu zeigen, „was wollt ihr überhaupt, wir sind doch unantastbar“, so wie eine Fußballelf die gesamtheitlich vorm Schiedsrichter die Hosen runterlässt, um dann kurz darauf einen unberechtigten Elfmeter zu fordern und ihn auch zu bekommen. Dass ein Dr. Bach hier nicht auf den Tisch haut und ein Machtwort spricht, ist wohl darin zu ergründen, dass er viel zu sehr im unheiligen Netzwerk verwebt ist.

Russland zu verbannen wäre eh der falsche Schritt gewesen. Das, was sich die Sportart Leichtathletik in den letzten Jahren an Skandalen erlaubt hat, ist nicht akzeptabel. Spätestens für Rio hätte wie in anderen olympischen Kernsportarten auch die rote Karte kommen müssen. Können Sie sich aber Olympische Spiele ohne Leichtathletik oder Schwimmen vorstellen? Neben dem riesigen Imageverlust würde ein riesiges Gewinndefizit damit einhergehen und da wären wir wieder beim biblischen Beispiel der Feilscher und Händler.

In einem Artikel der FAZ von Frank Lübberding vom Tag nach der Schlussfeier steht in der Headline: „Waren das die schlechtesten Spiele, die wir je hatten?“ Im Text selber kann man lesen, dass „die Leichtigkeit, die dieses Ereignis unverwechselbar macht, dahin war…. Aber das verliert alles an Bedeutung, wenn man angesichts des berechtigten Doping-Verdachts in vielen Wettbewerben gar nicht mehr weiß, ob der Athlet auf Platz eins der eigentliche Gewinner ist oder der vermeintlich Geschlagene auf Platz zehn, wie es einige deutsche Gewichtheber ausdrückten. Es ist schon makaber, wenn Athleten während der Spiele 2016 auf dem Treppchen stehen und gleichzeitig solche von 2012 und 2008 nachträglich disqualifiziert werden. Ein Journalist einer bedeutenden deutschen Zeitung hat es im Gespräch mit mir anders umschrieben: „Es sind wohl die ersten Spiele, bei denen der Glanz der Wettbewerbe die Probleme der olympischen Bewegung nicht mehr übertünchen kann.“

Vielleicht schnekt uns der Milliardenpoker um die Übertragungsrechte 2018 und 2020 eine momentane Lösung. Bleiben in Deutschland die Bildschirme schwarz, würde dies für die Sportnation Deutschland zunächst einmal ein emotioneller Schock sein, aber vielleicht auch Besinnung dessen, dass man die Droge „Olympia“ eigentlich gar nicht so braucht, wie man immer geglaubt hat. Auch die Diamond league ist von den deutschen Bildschirmen der Öffentlich-Rechtlichen verschwunden, und – seien wir mal ehrlich – selbst die Leichtathletik-Hardcoreseher vermissen sie nicht wirklich.

So, wie die Spiele jetzt sind, sind sie schon längst hirntot, man braucht nur noch die Schalter der lebenserhaltenden Maschinen ausdrehen. Dr. Thomas Bach ist leider kein Jesus oder auch Herkules. Er zappelt im Netzwerk der unreinen Machenschaften und das würde sich wohl auch bei einem dementsprechenden Ersatzpräsidenten nicht ändern. Wäre er Jesus, würde er mit seinem Florett – naheliegend bei einem ehemaligen Fechter – auf den Tisch hauen, sagen, was Sache ist und dann mit Würde abtreten. Das hätte dann aber herkulische Ausmaße und der gute IOC-Präsident war eben mal nur ein schmalbrüstiger Fechter. Da darf man dann schon ein bisschen Judas sein und die Silberlinge mehr schätzen als die olympischen Ideale.