Maren Kock nun doch nicht für Rio nominiert

Kock5 portrait DM15 SchaakefotoRegensburg, 20. Juli 2016 (orv) – Maren Kocks Gefühlswelt fährt derzeit Achterbahn. Von zu Tode betrübt bis himmelhochjauchzend ist da alles dabei und letztendlich kann sie nur zuschauen, was da mit ihr so alles geschieht. Eigentlich war sie am Tag ihres wohl größten sportlichen Erfolges, dem sechsten Platz über 1500m im Finale der diesjährigen Europameisterschaften nicht olympiareif. Die dazu nötigen 4:07,00 Minuten waren auch in Amsterdam nicht gefallen. Dann tauchte noch am selben Abend eine Weltrangliste auf, in der sie auf Rang 44 geführt wurde. Nachdem der Weltverband die Qualifikation für die Olympischen Spiele nicht nur an einer Zeit festgemacht hatte, sondern die jeweiligen Disziplinen bis zu einer Sollzahl – in Falle der 1500m sollten dies 45 Athletinnen sein – auffüllen wollte, ergriff der Deutsche Leichtathletik- Verband Initiative und schlug neben Kock auch Disziplinkollegin Diana Sujew, den Münchner Hürdenläufer Tobias Giehl und eine Berliner Hammerwerferin schon am nächsten Tag dem DOSB zur Olympianominierung vor.

 

Man konnte es nur zwei Tage später bei leichtathletik.de schwarz auf weiß und ohne Einschränkungen lesen. Alle vier standen auf der Nominierungsliste ohne Wenn und Aber. Dass da aber noch viel „Wenn und Aber“ im Raum stand, wussten letztendlich nur die betroffenen vier Sportler, die ohne Norm in die Liste gerutscht waren und deren engeres Umfeld. Für viele Athleten, die ähnlich nahe wie die Vier an der Olympianorm vorbeigerauscht waren, war dies natürlich im ersten Moment ein starker Affront. Ein Shitstorm im Netz begann, der in einzelnen Fällen sogar in Anfragen bei Kanzleien sportaffiner Anwälte mündete. Telis-Teamchef Kurt Ring bat deshalb DLV-Manager Siegi Schonert, die Dinge doch möglichst schnell zu erklären, bekam dabei die Aussage: Die beiden 1500m Läuferinnen sind sicher.

Maren Kock wähnte sich inzwischen fast schon auf Wolke sieben, zumal sie am Donnerstag, kurz vor der Abreise ins vermeintliche Olympia-Trainingslager nach Sankt Moritz, zur Olympia-Einkleidung nach Hannover fahren durfte und ihr ganz spezieller olympischer Traum nun schon am eigenen Körper hautnah wahrnehmbar war. Da tauchte am Horizont schweres Gewitter in Form von anderen Listen, diesmal von der IAAF auf. Maren Kock und die anderen Drei standen nun nicht mehr drin, die Regensburgerin erfuhr die für sie niederschmetternde Nachricht von ihrem zuständigen Bundestrainer Henning von Papen via Telefon in Sankt Moritz. Die IAAF hatte die DOSB-Meldung der vier Athleten ohne Begründung abgelehnt. Die „final entries“ sind inzwischen abgeschlossen, eine Intervention des DLV läuft noch, keiner weiß Konkretes.

So geht denn eine Sache, bei der sich der DLV löblich für seine Athleten eingesetzt hat und die auf Grund fehlender Kleinigkeiten viele Misstöne erzeugte, unbefriedigend für alle zu Ende. Der Olympiatraum der vier betroffenen Athleten ist jäh geplatzt, der DLV rutschte eigentlich ohne jegliche Schuld in die Rolle des Übertäters und am Ende blieben nur Scherben übrig. Ein kleines Sternchen bei den entsprechenden Namen mit der Erklärung „unter Vorbehalt, abhängend von der Bestätigung der IAAF“, eine kurze, rechtzeitige Erklärung der komplizierten „entry standards“ der IAAF und alles wäre gut gewesen. So war denn auch von Seiten des DLV öfter zu hören: Wir haben etwas vorschnell gehandelt und haben mit unserer Veröffentlichung einer eigentlich inoffiziellen Nominierungsliste mit dem Eindruck, sie sei offiziell, etwas vorschnell gehandelt. Trotzdem muss man Maren Kock verstehen, „die derzeit den Verband hasst“.