IOC Präsident Dr. Bach wäscht seine Hände in Unschuld

Regensburg, 28. Juli 2016 (Ring)– Es rumort derzeit im Olympischen Sport, zumindest hier in Deutschland. Nach dem IOC-Bescheid über den Verbleib einer russischen Mannschaft in Rio fliegen die Fetzen. Diskus-Olympiasieger Robert Harting greift bezüglich der Rolle des deutschen IOC Präsidenten Dr. Thomas Bach in seiner ganz eigenen Art frontal an: „Er ist für mich Teil des Dopings-Systems, nicht des Anti-Doping-Systems“, und weiter, „ich schäme mich für Thomas Bach.“ Der haut mit ungezügelter Gewalt zurück: „Es ist eine nicht akzeptable Entgleisung, wenn man jemanden, der nicht der eigenen Meinung ist, in derartiger Art und Weise beleidigt“ und meint wohl mit „jemand“ seine eigene Person. Der IOC-Präsident bewertete in den Medien die Aussage als „nicht hinnehmbar“.

Nicht hinnehmbar im Sinne einer Säuberung des Olympischen Sports ist wohl in erster Linie jenes Wegschieben jeglicher Entscheidungen, wenn es um die Frage geht , wie denn die Maßnahmen ausschauen sollen, das russische Unrechtsystem „auf’s Härteste zu bestrafen“. Über Bachs Aussage: „Hier haben wir erste Maßnahmen ergriffen, indem zum Beispiel kein Mitglied des russischen Sportministeriums, beim Minister angefangen, eine Akkreditierung für die Olympischen Spiele erhält." wird sich der russische Machthaber Putin gerade halb totlachen. Den Schwarzen Peter hat indessen das IOC den internationalen Fachverbänden hingeschoben. Die sollen nun in kürzester Zeit die schwarzen von den weißen Schafen trennen, wo doch von Seiten des IOC über lange Jahrzehnte eine entsprechende Antidoping-Systempflege sträflich vernachlässigt wurde.

Seien wir doch mal ehrlich: Thomas Bach sieht  jene Enthüllungswelle in Sachen Doping doch eher unpassend für sein ach so blütenreines, friedliches Reich der Olympischen Bewegung an. In Rio werden 206 Nationen teilnehmen. Das sind 13 mehr als die Vereinigten Nationen (UN) haben. Das IOC wird  bei den diesjährigen Spielen zirka 381 Millionen einnehmen. Der Prestigewert des Präsidentensessels ist wohl dem des Papstes in Rom gleichzusetzen. Da darf man es sich mit den Mächtigen dieser Welt nicht verderben, auch dann nicht, wenn man die Olympischen Werte einfach auf den Müll wirft.

Eigentlich ist es viel schlimmer, als Robert Harting es ausgesprochen hat. Dr. Thomas Bach ist weder Teil des Antidoping-Systems noch des Doping-Systems. Er vertritt ausschließlich seine eigenen Interessen und die jener Mächtigen, die ihm den Aufstieg bis zum Präsidentensessel ermöglichten. Olympiasieger ist er in einer Zeit des Hochdopings – auch in der Bundesrepublik – geworden. Darüber gibt es eine 900 Seiten umfassende Studie aus dem Jahre 2013. Als es um Namen ging, hat man sich vornehm zurückgehalten. Keiner weiß daher welcher bundesdeutscher Sportheld in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts, in denen es noch keine Trainingskontrollen gab, sauber war oder eine schmutzige Weste hatte. Wikipedia schreibt dazu: „Die Olympischen Sommerspiele 1976 stellten eine Zäsur im westdeutschen Doping-Einsatz dar. In Montreal kam es zum massiven Einsatz von Dopingmitteln. Dass das dem jungen Fecht-Olympiasieger Dr. Thomas Bach damals nicht aufgefallen sein soll, mag keiner glauben. Wenn er zu den weißen Schafen gezählt haben sollte, warum hat er in seiner DOSB-Präsidialzeit nicht alles getan, um die schwarzen namhaft zu machen. Zum Doping gezwungen wurde jedenfalls keiner in dieser Zeit und jeder konnte es selbst verantworten.

So ist denn auch die Rolle der Verbandsorganisationen in Sachen Doping von jeher schon eher eine bedauernde im Falle des Bekanntwerdens als eine erfolgreich tätige gewesen. Alle großen Dopingskandale der letzten Jahrzehnte wurde außerhalb der Verbandsstrukturen aufgedeckt und wohl viele innerhalb im Sinne der sauberen Weste vertuscht. Der ehemalige IAAF Präsident Lamine Diack wollte daraus sogar noch seinen ganz persönlichen finanziellen Nutzen ziehen. Da kommt doch richtig Freude auf.

Die global organisierte Olympische Bewegung betreffs ihrer in der eigenen Charta festgehaltenen Ideale ist schon längst am Ende. Es geht in erster Linie um Geld und Macht. Dazu ist den olympischen Funktionären derzeit jedes Mittel recht, ob es nun noch so verwerflich ist. Ob nun Hartings Aussage über Bachs Systemzugehörigkeit so oder so ist, mag dahingestellt bleiben. In einer Hinsicht ist er aber hundertprozentig auf der richtigen Fährte: Alle sauberen Sportler dieser Erde werden sich für das IOC und ihren Präsidenten Dr. Thomas Bach schämen. Beide hätten Zeichen setzen können, waren aber im Sinne der olympischen Ideale wohl zu feige, wenn nicht sogar zu selbstsüchtig dazu.