München auf Augenhöhe mit den Großen der Nation, Konkurrent Regensburg kennt dies nicht

Regensburg, 4. August 2016 (orv) – "Wir müssen uns nicht mehr verstecken in Deutschland", bilanzierte Lauftrainer Stoll die Saison der LG Stadtwerke München in einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung, „schon gar nicht angesichts des neuen Staffelrekords über 3x800m“. In der diesjährigen Gesamtwertung der deutschen Meisterschaften liegt die LG Stadtwerke nun sogar auf Rang eins vor Wattenscheid und Leverkusen. Der selbsternannte Leichtathletik-Riese von der Isar brüllt. Zumindest im Bereich der Mittel- und Langstreckler machen 800m-„Schwalben“ aber allein noch keinen „Laufsommer“. International punktet in der Beletage der Läuferinnen und Läufer des Frauen/Männerbereichs derzeit nur Aushängeschild Christina Hering, objektiv gesehen.

Zirka hundert Kilometer nördlich der Landeshauptstadt hat Konkurrent LG Telis Finanz Regensburg sechs Teilnehmer von den diesjährigen Europameisterschaften in Amsterdam vorzuweisen. Drei davon werden sogar wie auch Hering nach Rio zu den Olympischen Spielen reisen. Wo er mit seinen 14 nationalen Titel – alle im Männer/Frauen- oder U23-Laufbereich erzielt - und weiteren 15 Medaillen derzeit in Deutschland steht, weiß deren Teamchef Kurt Ring gar nicht. Wichtiger ist ihm, „dass die ganz persönlichen Träume seiner Schützlinge aufgegangen sind“.

Da wäre ein Philipp Pflieger, der nach zehnjähriger Arbeit jetzt endlich seinen Olympiatraum erleben kann. Oder Florian Orth, der 2012 die Olympianorm leider nur nach den Spielen von London erzielte, in diesem Jahr aber über 5.000m das richtige Timing hatte. Oder Anja Scherl, die vor dem 16. April dieses Jahres wohl alles verwettet hätte, wenn einer gesagt hätte, dass sie nun als Deutschlands beste Marathonläuferin nach Brasilien fährt.

„Der ewigen Medaillen-, Rekord- und Titelzählerei bin ich überdrüssig geworden. Irgendwann habe ich damit aufgehört. Was zählt, sind die strahlenden Augen eines Athleten, wenn er angekommen ist, wie zum Beispiel Benedikt Huber bei seinem überraschenden 800m-Sieg anlässlich der diesjährigen Deutschen Meisterschaften in Kassel. Dass er sich damit auch gleich das Nationaltrikot für die Europameisterschaften in Amsterdam überstülpen konnte, war zusätzlich schön, für Beni und für mich“, räsoniert Ring weiter, „auch ein fünfter Platz irgendwo kann solche Gefühle wert sein.“

Saana Koubaa aus Leverkusen, als etwas schon ältere Hindernisläuferin überraschend in die Olympiamannschaft aufgerückt, umschreibt ihr aktuelles Erfolgsrezept so: „Seitdem ich nicht mehr alles so eng sehe und die Frage, ob es klappt oder nicht klappt, ein wenig in den Hintergrund stellen kann, geht alles viel leichter.“ Dieser Reifung scheinen auch viele der „Blauen“ von der Donau unterworfen gewesen zu sein. Dazu ihr Teamchef Kurt Ring: „Meine gestellten Prognosen zu der einen oder anderen Meisterschaft, seien sie noch so positiv, wird von den Mädels und Jungs, die ja eigentlich schon gestandene Frauen und Männer sind, immer wieder getoppt. Wenn dann mal kein Titel dabei ist, ist das auch nicht schlimm.“ Die Bilanz der Laufarmada der LG Telis Finanz in diesem Jahr, eigentlich schon seit fast einem Jahrzehnt, scheint ihm recht zu geben, auch wenn er bis dato das Ranking seiner „Blauen“ im Reigen der Großen gar nicht weiß.