Von der Gabe, immer auf den richtigen Zug zu springen

Regensburg, 5. August 2016 (Ring) - Alfons Hörmann hält nach dem Doping-Skandal um Russland andere Werte für wichtiger als nur „die absolute Zahl von Medaillen“. Das sagte der DOSB-Präsident in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. „Der Fokus sollte weniger auf Metall, sondern viel mehr auf Charakter, Herzblut und Leidenschaft liegen.“ DLV-Sportdirektor Thomas Kurschilgen freuten diese Aussagen: „Ich finde es bemerkenswert und der individuellen Leistungsbewertung unserer Spitzenathleten angemessen, den Medaillenspiegel nicht mehr als  Symbol eines sekundären Wettbewerbs von internationalen Dachorganisationen zu sehen. Ein olympischer Medaillenspiegel addiert doch lediglich die Medaillenleistungen aus den unterschiedlichsten Sportarten, ohne die Wettbewerbsdichte, die Konkurrenzsituation, den Stellenwert, die öffentliche Reputation einer Sportart oder den Verlauf eines Wettbewerbes zu betrachten.“

Erstaunliches aus dem Mund von Leuten, die noch im letzten Winter die erweiterte Endkampfchance und den gehobenen Anspruch an den deutschen Leistungssport einschließlich der Forderung ein Drittel mehr Medaillen haben zu wollen bis auf’s Messer verteidigten. „Der DLV wird die Normen für Rio nicht ändern“, hieß es noch am 12. November 2015 in einer fetten Headline auf laufen.de. Gekommen waren diese Worte aus dem Mund von DLV-Präsident Dr. Clemens Prokop. Am 27. Januar 2016 war es dann doch soweit, obwohl sich die internationale Gemengelage bis dato nicht mehr verändert hatte. Was passt da besser als der Song der Scorpions „Wind of Change“ dazu. Ob mit dem Fall der Normen-Mauern auch die in den Köpfen der Medaillenzähloberfunktionäre in ihren ewig gestrigen Verbandstrutzburgen gefallen sind, wird die Zukunft zeigen. Die Gottfried-Wendehals-Haltung in nur wenigen Monaten war jedenfalls weltrekordreif.

Dabei sein ist alles, gilt natürlich auch für den nicht kleinen Tross der Funktionäre in Rio und da muss man sich dann ganz schnell dem derzeitigen Mainstream des derzeitigen olympischen Geistes anschließen. Nur nicht gegenseitig wehtun, sonst ist man schnell nicht mehr dabei. Legendär war geradezu das Herumgewürge in Sachen Russland-Ausschluss von DOSB-Präsident Xaver Hörmann, als ihn ZDF Moderator Klaus Kleber im Heute-Journal in die Zange nahm. Die drei siamesischen Affen lassen grüßen: Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Wer den Olymp der Funktionäre erklimmen will, muss sich genau so verhalten. Gegenwind würde nur das Näschen rot machen und man bekäme wohl Schnupfen davon. Für Gegenwind sind immer nur die anderen zuständig: unabhängige Journalisten und mutige Staatsanwaltschaften.