Nichts Neues in Sachen deutscher Crosslauf

Orth2 DM Cross16 KiefnerfotoRegensburg, 13. Oktober 2016 (orv) – Wir schreiben den 13. Oktober 2016. Wenn man mal die Deutschen Marathonmeisterschaften in Frankfurt etwas außer Acht lässt, ist es derzeit ruhig in der deutschen Lauflandschaft. Trotzdem ist es nicht mehr weit bis zum letzten internationalen Topevent 2016 oder eben auch zum ersten 2017. Wie man es eben nimmt. Am 11. Dezember werden in Chia auf Sardinien die diesjährigen Europameisterschaften im Crosslauf stattfinden. Wer dort hin will, weiß aber noch nicht so recht, wie das geht. In den Nominierungsrichtlinien des DLV wird Genaueres dazu für den 30. September angekündigt. Der ist aber nun schon fast drei Wochen vorbei und offizielle Informationen dazu gibt es immer noch nicht.

Im niederländischen Tilburg sollen sich die U23 beziehungsweise interessierte Frauen und Männer qualifizieren können. Sie müssten dann als Junioren/Innen unter den besten 20 Frauen/Männer einlaufen und zusätzlich in Pforzheim oder Darmstadt bereits am Start gewesen sein. Für Frauen und Männer wird die Platzierung 12 als Kriterium gehandelt. Bei der U20 soll der Weg über Pforzheim und Darmstadt gehen, wobei auch wieder der Doppelstart gefordert sein soll. Doch das ist alles inoffiziell. Gerade was Tilburg anbelangt, ist das für Kandidaten aus dem süddeutschen Raum ein kostspieliges Unternehmen. „Tilburg wird uns eine vierstellige Summe kosten“, sagt Teamchef Kurt Ring von der LG Telis Finanz Regensburg, einem Club, der seit Jahren immer wieder Starter bei der Cross-EM stellt.

Einer davon ist Deutschlands bester Läufer bei den Olympischen Spielen in Rio Florian Orth. „Die Cross-EM reizt Florian schon, er hat im letzten Jahr dort auch nicht schlecht ausgesehen“, sagt Ring dazu. Der Athlet selbst schränkt aber ein: „Bei den kommenden Aufgaben 2017 ist es durchaus ratsam, gerade anfangs der Saison sparsam mit Wettkampfeinsätzen umzugehen. Deshalb werde ich nur in Tilburg laufen.“ Schon einmal war bei den Männern der Verzicht auf explizite Qualifikationsläufe im tiefen Geläuf ein guter Ansatz. Teamleiter Wolfgang Heinig erzeugte zwar durch seine Maßnahme im Jahr 2013, den Teilnehmer/Innen bei der Ekiden-Staffel in Japan eine wildcard für die Cross-EM auszustellen, für Unmut in der Szene, wurde dann aber mit dem besten Auftritt  seines Männer-Teams belohnt. Wäre damals schon ein Florian Orth für die ganz lange Strecke bereit gewesen, wären Deutschlands Herren wohl um eine Teammedaille mitgelaufen.

Auch Marathon-Olympiastarterin Anja Scherl ist eine, die sich einen Start in Chia durchaus vorstellen könnte. Die Regensburgerin gehört nicht erst seit Rio zu Deutschlands besten Langstrecklerinnen, sondern hat durchaus auch schon im Crosslauf überzeugt. Auch ihre Teamkollegin Maren Kock könnte sich den Start in Sardinien vorstellen. Die EM-Sechste über 1500m weist mit ihrer 5.000m Zeit von 15:24,73min absolut Qualitäten dafür aus, die sie bereits 2013, auch über die Ekiden-Qualifikationen, dann in Belgrad zu einem ansehnlichen Cross-Ergebnis umsetzte. „Das  Interesse für die Cross-DM ist bei Deutschlands Frauen überschaubar, warum also international erfahrene Athletinnen in einen Zweitstart vorher drängen?“, fragt Ring.

So ist es denn, wie jedes Jahr. Genaueres wird wohl demnächst kommen, vielleicht nächste Woche, vielleicht Ende Oktober, vielleicht auch erst Anfang November. Eigentlich ist das unverständlich. Die Qualifikationskriterien bereits im Sommer zu definieren ist sicher nicht die Quadratur des Kreises und das ewige Geschrei nach Medaillen ist ebenso nicht zielführend. Die Cross-Europameisterschaften sind seit Jahren eine der bestorganisierten Leichtathletikveranstaltungen, absolut medienträchtig und vielleicht auch mal für ARD/ZDF oder Eurosport interessant, sie live zu übertragen. Zumindest dann, wenn in den Hauptläufen einige deutsche Asse mitlaufen. Die drei Regensburger sind solche, die das Fernsehpublikum inzwischen kennt. Unter den besten 12 in Tilburg, das müsste doch reichen.