Ein Artikel von Paul Reinwald

Regensburg, 20. Oktober 2016 (Reinwald) - Rom 1960 - erstmals Olympia im Fernsehen: Armin Harry, Martin Lauerer, Charly Kaufmann. Dann Olympia 1972 in München - Ulrike Meyfarth, Heide Rosendahl, Ellen Tittel. Als junge Sportbegeisterte ließen wir uns faszinieren von der Leichtathletik, der olympischen Kernsportart. Und Deutschland feierte nicht nur Sieger, sondern auch den 16. Platz Manfred Steffnys unter knapp 60 Teilnehmern im Olympischen Marathon. Und aus Regensburg war Hermann Magerl mit dabei, als 4. im Hochssprung! Olympische Spiele - ein Traum!

Und heute? Rio 2016 begleitet von kritischen Stimmen, von Enttäuschungen bei Athleten. Und das nicht wegen ausbleibender Medaillenplätze, sondern aufgrund der nicht mehr erlebbaren olympischen Feststimmung bei den Spielen. Selbst als Fernzuschauer konnte man dies erkennen. Halbgefüllte Stadien, ein unkundiges Publikum und das Ganze überschattet von sportpolitischen Skandalen im Vorfeld und im Drumherum. Die Vorfreude auf die olympischen Sommerspiele war bei vielen Sportbegeisterten einem schalen Nachgeschmack gewichen.
Olympia ist tot! So bestätigten viele Besucher nach ihrere Rückkehr aus Rio. Die Kommerzialisierung, der Medienrummel, die Ausweitung auf skurile Nebensportarten sind der eine Grund für diese Entwicklung. Schlimmer noch aber wirkte sich die immer deutlich werdenden sportpolitischen Skandale auf das erlebbare Sportgeschehen für Athleten und Zuschauer aus. Offensichtliche Korruption im Internationalen Leichtatheletikverband, die Häufung von Dopingskandalen, an deren Vertuschung politisch wie verbandsintern weltweit gearbeitet wird. Statt einen radikal transparenten und rigorosen Kurs zu fahren, der für die ehrlichen Athleten für Fairness und Gerechtigkeit sorgt, offensichtliche Verschleierungsaffairen auf allen Ebenen.

Da helfen auch keine Pseudosportarten, die besser in den Zirkus oder in eine artistische Revue gehören, um Olympia wieder zu dem zu machen, was es sein sollte: Die Begegnung von Sportlern aus aller Welt, die sich im Wettkampf auf spielerische Weise messen, und so – das gehörte auch `mal zur olympischen Idee – einen Beitrag leisten zum Frieden in der Welt.

Und nach den Spielen? In der deutschen Öffentlichkleit eine unsägliche Diskussion über die Anzahl der erreichten und der nichterreichten Medaillen und vor allem über den Medaillenspiegel! Die Sportfunktionäre des DOSB und auch der für Sport zuständigen Berliner Minister, wissen darauf nichts Anderes zu verlautbaren, als neue Programme zur Förderung medaillenversprechender Sportarten in neu zu schaffenden Leistungszentren anzukündigen. Als ob die Ideale von Olympia sich auf die Anzahl erreichter Medaillen  reduzieren ließe. Und als ob die Konzentration auf wenige Sportarten und auf eine kleinere Zahl der geförderten Nachwuchssportler ein Mehr an Sport bewirken würde.

Man stelle sich nur einmal vor, in jeder Sportart würden deutsche Atheeltinnen und Athleten jeweils den 4. Platz erreichen. Deutschland wäre damit die stärkste Sportnation, würde aber im Medaillenspiegel überhaupt nicht auftauchen. Und wenn es um die Motivation des Nachwuchses geht, sich auf den Weg nach Olympia zu machen, wird man wohl nicht im Vorfeld die Breite an aktiven Sportlern begeistern können, was Voraussetzung ist, dass Talente entdeckt und im konkurrierenden Wettstreit sich entwickeln können. Der Solo-Sportler aus der Retorte!? Eine Idee von engstirnigen „Fachidioten“ (Pardon!) am Grünen Tisch der Sportverbände. Nicht nur der leistungsorientierte Sport in den Vereinen, auch der Breitensport als Ganzes würden kläglich eingehen, wie ausgetrocknete Pflänzchen in der Blumenschale.

Olympische Spiel waren traumhafte Ziele von Sportlern und Sportlerinnen und sollten dies auch wieder werden.Was dazu wieder in den Vordergrund treten muss, ist der Sportler, der Athlet, der über Jahre hinweg als Jugendlicher beginnend in seinen Sport hineinwächst. Der sich begeistern lässt von der erfahrenen Freude an Bewegung und am Leistungsvermögen, der fasziniert ist, von den Möglichkeiten seines Körpers, seiner Begabung. Und der dabei auch die Härte und Leistungsbereitschaft erwirbt, um Grenzen zu erfahren und auch zu verschieben. Niederlagen gehören zu jedem Wettbewerb! Daher kommt dem Unterlegenen bei einem Wettkampf das gleiche Verdienst zu wie dem Sieger. Denn erst der geleistete Vergleich mit höchstem Einsatz aller Beteiligten ermöglichte den von den Medien dann so herausgehobenen Triumph des Besseren. Aber ohne den Unterlegenen gäbe es auch keinen Sieger! Wir brauchen die Wertschätzung aller, die sich im Sport dem Wettstreit stellen.

Zugegeben: Für den Einzelne, wie auch für die Vereine in der täglichen Trainingsarbeit, ist die Befreiung der Olympischen Idee von Kommerz und Korruption nicht zu leisten. Hierzu muss auf allen Ebenen mit Strukturänderungen hin zu mehr Transparenz und öffentlicher Kontrolle angesetzt werden. Wenn man das auf allen Ebenen überhaupt will. Was aber in den Vereinen geschafft werden kann, das ist die Förderung der jungen Sportler, die Hinführung zu den „alten“ Idealen eines leidenschaftlich betriebenen Sports. Das bedeutet in erster Linie einmal, dass für die Jüngeren im Verein auf spielerische Weise Bewegungs- und Leistungsfreude geweckt werden muss. Und das geht nur im überschaubaren Bereich eines örtlichen Vereines. Dort, wo Freundschaften und Gemeinschaften sich auch entwickeln können zu einer tragenden und fördernden Trainingsgruppe. Unsere nachwachsenden Talente müssen Förderung erfahren, indem Ihnen Perspektiven eröffnet werden. Verschärfte Qualifizierungsnormen nehmen ihnen schon im Ansatz die Chancen, über den Verein hinaus national oder international Erfahrungen und Bestätigungen zu erlangen. Der lange Weg muss ein erkennbares Ziel haben. Eine errungene deutsche Meisterschaft muss Qualifikation für höhere, internationale Aufgaben einschließen. Der Öffentlichkeit muss – auch durch die Medien – nicht die Zweitrangigkeit unserer Sportler, sondern deren Leistungsstärke aus dopingfreiem Training und unter den Bedingungen der Doppelbelstung von Sportkarriere und Berufsausbildung vermittelt werden. Dann wird es auch wieder Anerkennung geben für erreichte Halbfinalplätze im Stadion oder persönliche Bestzeiten auf Langstrecken bei internationalen Wettbewerben. Der „lokal heroe“ muss im Vordergrund stehen und nicht der eingekaufte Bestzeitenjäger.

Die Liste der Postulate ist lang. Was kann hierzu der einzeelne Athlet, was kann der Verein vor Ort tun? Zunächst mal, so denke ist, den eigenen Sport als das begreifen, was er in erster Linie sein soll. Ein spielerischer Spaß an den Möglichkeiten und Herausforderungen in der Gemeinschaft einer Trainings- und Wettkampftruppe. Das Abenteuer einer Sportkarriere mit allen Implikationen der Risiken für Ausbildung, Studium oder Beruf muss vor Ort unterstützt werden. Der Gewinn daraus beschränkt sich nicht einfach auf errungene, den Nationalstolz befriedigende Medaillen, sondern vielmehr in der Prägung des Charakters, der Einstellung zu den im Leben immer gefordereten Herausforderungen. Das sich Messen im Wettkampf, das sich Durchbeißen bei Niederlagen und Rückschlägen bleibt eine gewinnbringende Erfahrung. Und der Spielcharakter gewährleistet die Relativierung, besser noch Rückbindung an die Realität. Denn zu jedem Wettkampf gehört auch das Besiegtwerden und damit die Anerkennung  einer Überlegenheit des sportlichen Gegners. Dies im Spiel auszuleben,  bleibt lebenslanger Gewinn. Beständigkeit, Zuverlässigkeit, Zielstrebigkeit und Leidenschaft für selbst gesetzte Ziele führen zu einem Erfolg, der letztlich sich eben nicht in der Anzahl der Medaillen rechnet.

Offensichtlich ist dieser Spielgedanke im Rummel um Medaillen, im kommerziell orientierten Spektakel der heutigen olympischen Spiele verloren gegangen. „Man spürt die Absicht und ist verstimmt“ – sagt das Sprichwort. Und sprichwörtlich ist damit auch Olympia tot. – Aber es lebe trotz allem und vielleicht „jetzt erst recht“ der Sport!

Paul Reinwald

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