Über Barcelona und Hamburg als beste Deutsche nach Rio

Scherl Barcelona KiefnerFoto PortraitRegensburg, 17. November 2016 (orv) - Die Frau braucht Ziele, ohne geht gar nicht, schon gar nicht beim Laufen. 2014 verschlug es Anja Schneider, wie sie damals noch hieß, und ihren Lebensgefährten und zukünftigen Gatten, sowie Trainer Marco Scherl sportlich zur LG Telis Finanz. Gleich zu Beginn 2015 wurde Anja Deutsche Vizemeisterin im Halbmarathon in 1:15:58 Stunden. Das war weder Fisch noch Fleisch, zumindest in Anjas geheimen Träumen. Obwohl dann in Hamburg mit 2:36:31 Stunden ein ansehnlicher Marathon ins Ziel gebracht worden war, kam das Outing erst im Herbst. Der Adler sollte auf ihrer Brust glänzen. Für das deutsche Halbmarathon-DM-Team im brandneuen Wettbewerb der kontinentalen Titelkämpfe waren dazu mindestens 1:14:00 Stunden nötig. In Köln lief sie eine 1:13:45, was die Regensburgerin vierzehn Tage später in eine neue Bestzeit bei den Deutschen Meisterschaften in Frankfurt ummünzen wollte. Der Versuch misslang gründlich, bei Kilometer 30 musste das Energiebündel, an diesem Tag einfach nicht in bester Verfassung, ihren Vorsatz aufgeben und aus dem Rennen gehen.

Da waren sie wieder da, die Zweifel an sich selbst. Auch ihre 1:13:47 schienen ihr nicht gut genug zu sein, um sicher in Amsterdam dabei zu sein. Dem musste Abhilfe geschaffen werden.Schon fünf Monate später am Valentinstag 2016, nahm in Barcelona der EM-Traum mit einer phantastischen Steigerung auf 1:11:17 scharfe Konturen an. Das brachte sie in den Fokus von Marathon-Bundestrainerin Kathrin Dörre-Heinig. „Willst du es nicht schon im Frühjahr mit Marathon probieren?“, war deren berechtigte Frage nach Anjas spanischen Superrennen, „unter 2:30:30 Stunden müssten möglich sein.“ Marco Scherl holte sich noch letzte Gewissheit von Telis-Teamchef Kurt Ring und fragte, was er von dieser Idee halten würde. „Da braucht ihr nicht lange zu überlegen, ihr habt da nichts zu verlieren“, war eine klare, eindeutige Antwort. Auf Hamburg, wo Anja schon ein Jahr vorher sehr gut gelaufen war, fiel die Wahl.

Es wurde ein Traumrennen. Am Ende blieben die Uhren bei 2:27:50 stehen, phantastisch, unvorstellbar, unglaublich. Plötzlich war sie Deutschlands schnellste Marathonläuferin und für Rio qualifiziert. Es wurde in der Fortsetzung ein schier Never-Endig-Traum: Beste Deutsche bei der EM als Siebzehnte und beste Deutsche bei den Olympischen Spielen in Rio. Da konnten die Hahner-Twins noch so schön Händchen haltend ins Ziel traben. Anja war weitaus schneller, besser, eben Deutschlands Beste, auch wenn es „nur“ Platz 44 war. In einem Jahr vom sportlichen Fast-Nobody zur Senkrechtstarterin in der Marathon-Szene! So schnell kann’s manchmal gehen.

Nach Rio hat sie bisher noch keinen einzigen Wettkampf bestritten und war dennoch begehrter Gast bei vielen Veranstaltungen. Eigentlich wollte sie beim Frankfurt Marathon schon in einer Staffel mitlaufen. Weil ein grippaler Infekt sie kurz davor außer Gefecht setzte wurde draus nichts. Jetzt reizt sie die Cross-EM im Dezember. Das Rennen in Tilburg am 27. November ist als Pflichtstart bereits gebucht. Dort sollen die deutschen EM-Plätze vergeben werden. Unter den besten Zwölf, bereinigt nach Europäerinnen, müsste sie im Elitefeld einkommen und vorher noch einen Kontrolllauf beim Darmstadt-Cross abliefern. Der passt ihr aber überhaupt nicht in den Kram. So aus dem vollen Training heraus ins Rennen gehen, ist so gar nicht ihr Ding. Andererseits passt das Rennen nicht in ihre Trainingsplanung, abgestellt zu hundert Prozent auf Tilburg.

So oder so, ob nun mit oder ohne Darmstadt-Cross, ob nun mit oder ohne Cross-EM, eins ist sicher. In ihrer Heimat Ostbayern ist die gebürtige Ambergerin zur Wahl der Sportlerin des Jahres aufgestellt. Dabei hat sie mit der Silber-Schützin Monika Karsch, Tennis-Ass Julia Görges und den beiden Fußball-Olympiasiegerinnen Sara Däbritz und Simone Laudehr eine schier unüberwindliche Konkurrenz. Aber, was heißt das schon im Sensationsjahr der Anja Scherl. Nichts ist unmöglich, wenn ihr alle Leichtathletik-Fans ihre Stimme geben. Hier geht’s zur Wahl …

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