Regensburger Leichtathleten bekommen mit der neuen Halle ein richtiges Schmuckkästchen

orth1 DM Halle16 Kiefner FotoRegensburg, 24. Januar  2020 (orv) – Seit letztem Donnerstag ist ein lang gehegte Regensburger Leichtathletik Vision der Wirklichkeit sehr nahe gekommen, sozusagen auf der Zielgerade angelangt. „Das Stadtwerk“ hat die Siegerentwürfe für den neuen Sportkomplex mit Leichtathletikhalle und Schwimmbad vorgestellt. Am meisten überzeugte der Entwurf des Stuttgarter Nobel-Architekturbüros Behnisch. BLV Vizepräsident Reinhard Köchl schwärmte über den Neubau, der spätestens 2023 fertig sein sollte, in höchsten Tönen: „Die Architektur ist anspruchsvoll. Der große  Flächenverbrauch wird allemal gerechtfertigt durch die großen umweltfreundlichen Möglichkeiten. Es ist ein absolutes Premiumprodukt, das  die Stadt Regensburg weit über ihre Grenzen als Sportstadt erstrahlen lassen wird.
In der Tat, nachdem die Fußballer erst in den letzten Jahren gerade durch den Neubau der Regensburg Arena enorm an öffentlicher Wahrnehmung, aber auch an Klasse dazugewonnen haben, der Eislaufsport seit langem genauso wie der Wassersport mit der Donau-Arena und dem Westbad über eine hochwertig international verwendbare Trainings- und Wettkampfstätte verfügen und auch der Baseballsport in der Stadt auf Grund des Baseball-Komplexes in der Schwabelweiser Straße boomt, erhält nun auch die olympische Kernsportart Nummer eins nach fast fünf Jahrzehnten Wartezeit die lang ersehnte Heimstatt zumindest für die schwierigen Wintermonate.

Es ist nun keineswegs so, dass die Stadt Regensburg „eine zwanzig Millionen teure Leichtathletikhalle für zwanzig Läufer“ baut, wie ab und an zu hören ist. Natürlich haben die Erfolge der Läufer der LG Telis Finanz das Projekt positiv beeinflusst. Die Ergebnisse allein des letzten Jahres waren wieder einmal beeindruckend: Jene „zwanzig Läufer“ haben im 50er Ranking aller leichtathletischen Disziplinen vom 100m Lauf bis zum Hammerwurf mehr Nennungen als jeder andere Club in Deutschland und mit 19 Deutschen Meistertiteln auch das meiste Gold innerhalb der Republik gesammelt.

Die Leichtathletik in der alten Römerstadt machen sie aber keineswegs alleine aus. „Wer an einem Mittwoch an der Städtischen Sportanlage an Weinweg vorbeikommt, kann sich selbst ein Bild machen“, sagt dazu Telis-Teamchef Kurt Ring, „da wuselt es geradezu vor lauter Sportlern und es sind nicht mal unsere Läufer dabei. Die haben wir inzwischen auf den Oberen Wöhrd ausgelagert, weil auf der Westanlage einfach kein Platz mehr war.“
Verantwortlich für diese leichtathletische Massenansammlung ist Regensburger zweiter starker Leichtathletikclub, der SWC Regensburg. Auch der musste sein Prunkstück, die Deutschen Mannschaftsmeisterinnen im Siebenkampf, auslagern, „weil Spitzensport eben Platz und Ruhe braucht“, wie es deren Coach Stefan Wimmer umschreibt. Techniker, wie man Athleten aus dem Bereich Hürdenlauf, Sprung und Wurf bezeichnet, brauchen eben jenen Platz, der im Sommertraining über mehrere Leichtathletikanlagen gerade noch rekrutierbar ist, um die komplizierten Bewegungsabläufe einzutrainieren.

Im Winter war dieser Platz seit Jahrzenten nicht da. In der Stadt des Hochsprung-Olympiavierten Herrmann Magerl (1972) und des Zehnkampf-Olympiazwölften Florian Schönbeck (2004 – beide LG bzw. LG Domspitzmilch Regensburg) muss seit jeher die eigentlich fast schon baufällige Mehrzweckhalle am Oberen Wöhrd und einige Schulturnhallen ohne leichtathletische Anlagen herhalten. „Genau das ist der Grund, dass wir nur ein Club der erfolgreichen Läuferinnen und Läufer geworden sind, weil diese Athleten, vor allem jene, die länger als 1.500m laufen, noch am ehesten in den kalten Monaten auf eine Leichtathletikhalle verzichten können", erklärt Kurt Ring die Sachlage. Sein Goldkörnchen Corinna Harrer, nach jetzigen Erkenntnissen und dopingbereinigten Listen eigentlich Olympiasechste von London 2012 über 1.500m, hätte mit entsprechender Trainingshalle in ihrer Olympiavorbereitung vielleicht sogar ums Trepperl mitlaufen können. „Es ist schon fast ein Wunder, dass sie unter solchen Trainingsbedingungen 2013 bei den Hallen-Europameisterschaften in Göteborg über 3.000m Silber geholt hat“, sagt dazu ihr langjähriger Coach Kurt Ring, „die Umfeldbedingungen dafür waren jedenfalls nicht vorhanden.“

„Die Halle wird, wenn sie so gebaut wird, ein Schmuckkästchen für ganz Bayern und ein absoluter Mittelpunkt für die ostbayerische Leichtathletik. Die Frage wird nicht sein, ob die Leichtathletik sie füllen kann, sondern vielmehr die Tatsache, dass man über Leistungsanforderungen die Benutzung wahrscheinlich sogar einschränken muss“, meint Reinhard Köchl, Vizepräsident Sport im Bayerischen Leichtathletik-Verband. Auch BLV-Vizepräsident der Bezirke Jochen Schweitzer glaubt an einen großen Sprung nach vorne für die Regensburger Leichtathletik: „Alle Leichtathletik Involvierten sehen sehr wohl, was hier in Regensburg entsteht. Jetzt ist die Ausübung aller Disziplinen auch im Winter unter Hochleistungsbedingungen möglich, eine große strukturelle Lücke also geschlossen“.

Norbert Lieske, Präsident der LG Telis Finanz Regensburg, hofft auf eine optimale Funktionalität auch hinsichtlich einer modernen technischen Einrichtung. Im Hallen armen Bayern wird die Regensburger Indoor-Anlage auch viele  Leichtathletikveranstaltungen beherbergen. „Eine Videowall und eine leistungsstarke Lautsprecheranlage für die Moderation wäre hier sicherlich richtungsweisend“ gibt er zu bedenken.  Wohlwollend hat man in Leichtathletikkreisen Dr Herrmann Hages Worte zur Kenntnis genommen. Der Referent der Stadt Regensburg für Sport und Freizeit gab im Interview bei der Mittelbayerischen Zeitung auf die Frage, inwiefern die Halle auch für andere Sportarten geeignet sei,  kund: „Das ist eine reine Leichtathletikhalle. Ballspielfelder oder Ähnliches haben dort keinen Platz“.

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