Gedanken über kleine Leichtathletikevents nach altem Muster unter kontrollierten Rahmenbedingungen

Oechsl Feuerer1Regensburg, 18. Mai 2020 (orv) – In Zeiten der Corona Pandemie erreichen Statistiken eine öffentliche Wahrnehmung wie selten davor. Es ist inzwischen bei vielen Menschen zur Gewohnheit geworden, nach dem Aufstehen digital die neuesten Statistiken zur Pandemie abzurufen. Nachdem die Bundesrepublik in Sachen Corona Virus den Super-Gau durch harte Quarantänemaßnahmen im März und April sehr gut in Griff bekommen hat, die Zahl der Neuerkrankungen seit gut vierzehn Tagen konstant niedrig ist, bemüht sich die Politik nun, langsam wieder in die Normalität des öffentlichen Miteinanders zurückzufinden. Das gilt auch für den Sport. Letzte Woche wurde das Vereinstraining bereits  für viele Sportarten möglich gemacht. Darunter ist auch die Leichtathletik, im groben Sinne eine Körperkontakt lose Sportart. Für Lauftrainer Kurt Ring war das fehlende Vereinstraining nicht unbedingt das eigentliche Problem: „Das Training ließ sich für die Athleten auch alleine gut organisieren. Das eigentliche Problem für uns ist, dass uns mit den fehlenden Wettkämpfen die Zielsetzungen fehlen. Leistungssportler können nicht über einen Zeitraum von vielen Monaten oder sogar über ein Jahr ohne Ziel trainieren.“

 

Die Szene ist heiß, kaum ein Leichtathlet beiderlei Geschlechts war ernsthaft an Corona erkrankt. Ring erklärt das so: „Leistungssportler sind disziplinierte Menschen, stets besorgt, sich nicht irgendwo zu infizieren, sei es nur mit einem lästigen Schnupfen. Alles, was man sich in Monaten erarbeitet hat, könnte in einigen Tagen wieder durch einen Keim zerstört werden. Meine Mädels und Jungs samt Betreuerstab sind bisher alle von Corona verschont geblieben.“ Was die Regensburger für sich in Anspruch nehmen, gilt fast für die gesamte erweiterte leichtathletische Wettkampfszene. Leichtathletikveranstaltungen fallen auch nicht mit massenhaften Zuschauern auf, geschweige denn mit Hooligans oder Fans wie im Fußball.

Die Freigabe der bundesweiten Demonstrationen war bei der Rückkehr zur gesellschaftlichen Normalität so etwas wie eine Zeitenwende, zum einen ein Stresstest für die Hygiene- und Abstandsregeln, die schon auf Grund der großen Menschenmengen nur noch unterschwellig eingehalten wurden, zum anderen das erste Vortasten in die alte Wirklichkeit. Unser Nachbarland Österreich wagt bereits in vielen Bereichen die Rückkehr zu den vertrauten Gewohnheiten und will bereits Anfang Juni mit kleinen Events beginnen. Wir sollten also genau hinschauen, was in der Alpenrepublik jetzt passiert, auch in der Leichtathletik und deren Veranstaltungen. Vielleicht müssen wir unsere Sportart und speziell den Bereich Lauf mit seinen kampfbetonten Rennen Mann gegen Mann gar nicht neu erfinden, sozusagen als Geisterwettkämpfe ohne Zuschauer und Wettkämpfen mit angeordneten Personenabständen von zwei Metern. Vielleicht lässt sich die These verwirklichen: Es geht auch mit den jetzigen Corona Zahlen wie zu alten Zeiten vor der Pandemie.

Dies zu wagen  fordert den Versuch – kontrolliert und zunächst im kleinen Rahmen. Anstatt immer neue Konzepte für sterile Großveranstaltungen ohne Zuschauer, ohne Zweikämpfe auf der Rundbahn und ohne Staffeln in ferner Zukunft von drei Monaten und mehr zu entwerfen, könnten sicher streng kontrollierte kleine Meetings schon in den nächsten Wochen Aufschluss geben, ob dadurch neue Infektionsherde entstehen. „Die Rahmenbedingungen wären ganz einfache“, sagt Ring, „absperrbares Stadion, datenmäßig genau festgehaltene Kleinmengen von Zuschauern mit abstandstauglichen Besucherplätzen und absolute  Meldepflicht im sinnvoll  zeitlichen Abstand nach dem Meeting, wenige Disziplinen in überschaubaren Feldern, den kampfbetonten Lauf mit isolierten Einlauf- und Auslaufflächen bedacht, alles überwacht in einer Zusammenarbeit zwischen dem Ausrichter und dem örtlichen Gesundheitsamt. In puncto Erkenntnisgewinn wäre dies allemal besser als skurrile, völlig entfremdete Großveranstaltungen.“  In Zeiten von Corona, in denen selbst die Wissenschaftler stark mit dem Trial-Error-Verfahren handeln, „sei ein solcher Denkansatz durchaus gestattet“.