Viele Regensburger Leichtathleten manifestieren sich in der ewigen Bestenliste

OrthPfliegerScherl3 Olympia2016 Foto privatRegensburg, 22. April (orv) – Eigentlich wäre jetzt Trainingszeit, und das schon seit mehr als fünfzig Jahren. Die Tage, an denen ich um 17.30 Uhr wochentags zu Hause am PC sitze, kann man pro Jahr an einer Hand abzählen. Corona macht aber alles anders. Online-Betreuung, wie in diesen Zeiten kennt keine fixen Termine zum Coachen. Plötzlich hat man dort Zeit, wo man sonst nie Zeit hat. Und da fängt zum Herumstöbern, heutzutage passiert das immer öfter im Internet und man nennt es hochmodern surfen. Bei exakt dieser Tätigkeit bin ich auch über die „Ewige Bestenliste „ auf leichtathletik.de gestolpert. Da unsere Mädels und Jungs nicht gerade die schlechtesten sind, wollte ich wissen, wer denn von ihnen so drin steht unter den besten Dreißig jeder Disziplin. Entdeckt habe ich teilweise Verblüffendes.

Natürlich hat mich interessiert, ob ich unseren Olympiavierten im Hochsprung von 1972 noch in den "ewigen" Listen finde. Herrmann Magerl ist zu jener Zeit immerhin Deutschen Rekord mit 2,25m gesprungen. Der Übergang vom Straddle, den Magerl damals noch sprang, hin zum Flop hat wohl dazu geführt, dass in Deutschland inzwischen die ersten Dreißig 2,26m und höher gesprungen sind, Magerl ist jedenfalls nicht mehr dabei. Nicht jeder Club hat einen Zehnkämpfer mit über 8000 Punkten in seinen Reihen. Dem Olympiazwölften von Athen 2004 reichten seine 8127 Zähler auch nicht für die Rangliste und auch die Olympia-Halbfinalistin von London 2012 fehlt über 800m mit ihrem Hausrekord von 2:00,34min genauso wie ihr männliches Pendant, der dreimalige Deutsche Meister (2016-2018) und zweimalige EM-Teilnehmer (2016/2018) mit seinen 1:46,31min aus dem Jahr 2018. Viele wissen vielleicht gar nicht mehr, dass der Ehrenpräsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes Dr. Clemens Prokop einmal Weitspringer bei den damals noch „Roten“ war, die vor 1998 einfach nur LG Regensburg hießen. Er ist immerhin 7,93m gesprungen, für die „Ewige“ aber trotzdem zu wenig.

Boch1 Barcelona HM2020 LaukampfotoHammerwerferin Manuela Priemer, 1999 WM-Teilnehmerin in Sevilla und 2002 EM-Teilnehmerin bei der Heim-EM in München hat’s aber als einzige Regensburger Technikerin geschafft. Ihre Bestleistung von 67,26m reicht immer noch für Platz 11 unter Deutschlands besten Hammerwerferinnen. Nur ganz wenige Regensburger Athleten/Innen zieren auch einen 11. Platz in ihrer Disziplin. Anja Scherl, die Marathonläuferin, war schon am Beginn ihres dritten Lebensjahrzehnts, als ihr beim ersten Marathon ihres Lebens gleich mal mit 2:27:50 Stunden der Sprung zu den Olympischen Spielen nach Rio gelang. Auch sie ist Elfte und hofft derzeit auf eine zweite Olympia-Teilnahme, die DLV-Norm dazu hat sie schon unterboten. Für das beste Ranking, sogar im einstelligen Bereich sorgt jedoch eine ganz neue Leistung. Am 2. Februar diesen Jahres katapultierte Simon Boch mit seiner in Bad Füssing im Alleingang erzielten 10km-Zeit von 27:32min auf Rang 7 in dieser Disziplin, die von Platz 14 bis 16 mit Philipp Pflieger (28:54min/2015), Florian Orth (28:58min/2016) – beide damals bei der DM als Meister erzielt – und Dominik Notz (28:58min/2019) drei weitere Telis-Läufer beinhaltet.

Orth3000HDM FotoKiefnerFlorian Orth, der Olympiateilnehmer über 5.000m von Rio (2016) entpuppt sich bei genauerer Betrachtung der Listen als Dauerbrenner von 2011 bis 2018. Bereits 2012 wäre er in London dabei gewesen, wenn er seine damalige 3:34er nur schon im Sommer und nicht erst im September gelaufen wäre. Der viermalige EM-Teilnehmer (2012, 2014, 2016, 2018) liefert mit seiner 3.000m Bestleistung von 7:44,65min  (9. Platz/2014) das zweite einstellige Resultat eines Regensburger Läufers. Orths 1.500m Bestleistung von 3:34,54min aus dem gleichen Jahr reihen sich auf Platz 13 eine, seine 5.000m Leistung von 13:23,67min, die ihn nach Rio brachten, sind auf Rang 23 gelistet.

Teamkollege Philipp Pflieger, 2016 Olympia-Teilnehmer im Marathon und dreimaliger EM-Teilnehmer (2012, 2016, 2018) zog sich von 2008 bis 2019 das blaue Trikot über, wollte 2015 bereits seine Karriere beenden. Dann kam der Marathon von Berlin und seine dort gelaufene Bestzeit von 2:12:50 Stunden katapultierte ihn nicht nur nach Rio, sondern auch auf den 25. Platz im Marathon-Ranking. Mehrfachtäter ist auch der um sieben Jahre jüngere langjährige Teamkolleg und Trainingskumpel Simon Boch. Er sorgte in diesem Jahr 2020 am 16. Februar in Barcelona für ein weiteres Highlight, als er die Halbmarathondistanz in 1:02:31h (damit 13.bester deutscher Halbmarathoni aller Zeiten) in einer Zeit zurücklegte, die vorher noch nie ein Regensburger auch nur annähernd geschafft hatte. In seinem Sog liefen Pflieger, jetzt im Hamburger Trikot, mit 1:02:50h und Telis-Mann Konstantin Wedel mit 1:03:28h (25.) nicht nur neue Hausrekorde, sondern wie Boch auch die A-Norm für die immer unwahrscheinlicher werdende EM Ende August in Paris. Damit tummeln sich derzeit 5 Topläufer aus den Reihen der LG Telis Finanz Regensburg in den Ewigen Bestenlisten unter den ersten Dreißig, außer Dominik Notz alle mit Mehrfachnennungen.

HarrerCorinna 07 DM Halle2012 henselfotoBei den Damen sind das außer Manuela Priemer noch weitere sechs Telis-Damen. Olympionikin schaffte es noch im Halbmarathon 2017 mit 1:11:10h auf Platz 15. In den Jahren 2012 bis 2014 trumpften mit Corinna Harrer und Maren Kock die beiden besten Mittelstrecklerinnen die die LG Telis Finanz in ihren Reihen je hatte auf. Harrer hat Rankingplätze über 1.500m (4:04,30min/22./2012), die sie nach London brachten, über 3.000m (8:55,47min/30./2012) und über 10.000m 32:27,75min (18./2014), mit denen sie Deutsche Meisterin vor Sabrina Mockenhaupt wurde. 2013, in dem Jahr, in dem sie in Göteborg Vize-Europameisterin über 3.000m in der Halle wurde, erzielte sie mit 8:51,04min auch noch eine schnellere 3.000m Zeit als unter freiem Himmel. 2012 wurde sie nach jetzt dopinggesäuberten Listen auch noch 1.500m-EM-Vierte in Helsinki. Maren Kock erzielte ihre Bestleistungen über 3.000m mit 8:50,12min 2014 (Platz 20), die über 5.000m mit 15:22,75min (Platz 15)  im gleichen Jahr, was ihr zur EM-Teilnahme in Zürich verhalf. Über die zwölfeinhalb Runden war sie auch schon 2012 dabei. Ihr wohl bestes Jahr hatte sie 2016 als EM-Sechste über 1.500m. Für die Olympischen Spiele wurde sie in diesem Jahr ebenfalls nominiert, aber auf Grund einer zweifelhaften Weltrangliste am selben Tag wieder ausgeladen. Corinna Harrer (2011-2013) und Maren Kock (2014/2015) wurden fünfmal hintereinander in ununterbrochener Reihenfolge Deutsche Meisterinnen über die dreidreiviertel Runden.

Dattke1 DM2019Berlin KiefnerfotoRegensburgs erste Deutsche Einzelmeisterin bei den Frauen war Hindernisläuferin Susi Lutz 2010. Im gleichen Jahr erzielte sie ihre beste Leistung mit 9:58,48min. Damit steht sie auf Rang 15. Für jüngere Top-Dreißig-Platzierungen sorgte  auch noch Miriam Dattke 2019 mit 32:29,45 (19. Platz) mit denen sie bei den U23-Europameisterschaften Silber gewann und dabei wie Siegerin Alina Reh das gesamte Feld überrundete. Ihre 1:11:40h im Halbmarathon lief sie genauso wie Boch und Wedel 2020 in Barcelona, gleichbedeutend mit einer EM-A-Norm-Erfüllung und Platz19. Auf der gleichen Strecke schaffte Franziska Reng an gleicher Stelle wie Dattke 1:12:33h (30.), belohnt mit der EM-Teilnahme 2016. Keine Berücksichtigung fanden ihre 2:34:57h mit denen sie sich 2018 für die Europameisterschaften in Berlin qualifizieren konnte, dort aber verletzt nicht antreten konnte. Insgesamt kommt die LG Telis Finanz Regensburg auf 22 Nennungen, wobei die Manuela Priemers Bestleistung noch unter dem Vorläufernamen „LG Domspitzmilch Regensburg“ zustande kam.