DLV präferiert immer noch die Abstands- und Hygieneregeln von Anfang April und negiert dabei die Entwicklungen der letzten Wochen

Telis Armada Dagersheim19 PfliegerfotoRegensburg, 07. Juni 2020 (ein Kommentar von Kurt Ring) – „Allein in München beteiligten sich laut Polizei etwa 25.000 Menschen an einer Kundgebung auf dem Königsplatz, die friedlich verlief. In Hamburg meldete die Polizei etwa 14.000 Menschen in der Innenstadt, davon allein rund 6.000 auf dem Rathausmarkt“, berichtet der Deutschlandfunk auf seinen Seiten heute. Wer die Fernsehbilder dazu sieht und vielleicht sogar die Münchner Örtlichkeiten kennt, weiß, dass die empfohlenen Abstandsregeln dabei tausendfach sträflich verletzt wurden. Das war auch schon an Pfingsten im ganzen Lande der Fall, als die Protestversammlungen in Sachen Floyd begannen. Zum selben Zeitpunkt erreichten die Rundwege bei herrlichem Sommerwetter rund um die bayerischen Seen „Oktoberfestdichte“. Bayerns Topläufer sind indessen bis morgen noch angehalten, in maximaler Stärke von vier Athleten mit 15 Metern Abstand nach vorne und hinten zu laufen, weil übereifrige Funktionäre beim DLV in Darmstadt immer noch glauben, damit dem Virus Einhalt zu gebieten. Natürlich ist es da und es wird auch bleiben, zumindest solange kein praktikabler Impfstoff da ist, trotzdem müssen wir Menschen und auch die Läufer wieder die Normalität wagen.

Weder die Demonstrationen noch die Wochenendurlaubermassen an den bayerischen Seen haben derzeit zahlenmäßig einen signifikanten Einfluss auf die täglichen Neuerkrankungszahlen. Das RKI meldet für diesen Sonntag 10 (in Worten zehn!!) Neuerkrankungen unter den 13 Millionen Bayern. Dunkelziffer hin, Inkubationszeit her, es ist davon auszugehen, dass auch die Rückkehr der Jogger und damit auch der leistungsbezogenen Läufer/Innen zu ihren alten Gewohnheiten einschließlich von Wettläufen momentan keinen Einfluss auf die Zahlen des RKI haben. Verbände sollten daher auch die Interessen ihrer Mitglieder vertreten, dafür sind sie nämlich da. Die Laufszene will wieder ihrem Elementarsten nachgehen, nämlich unter gewohnten Vorzeichen ihrer Passion nachgehen zu können – nämlich schlicht und einfach zu laufen und dies auch in der größeren Gruppe und in Wettkämpfen. 10 Neuerkrankungen pro Tag stehen jedenfalls in keiner Verhältnismäßigkeit zu jenen rigiden Laufverboten des DLV vom April. Die Regeln müssen schon längst der allgemeinen Situation angepasst, eigentlich gänzlich aufgehoben werden. Wer zudem noch ein bisschen eigenen gesunden Menschenverstand im Kopf hat wird für sich wohl nun selbst entscheiden können, wieviel Abstand und Hygiene geboten ist. Das haben praktisch alle bayerischen Bürger beim völlig richtigen Shutdown am Kulminationspunkt der Pandemie getan und werden es auch jetzt im gebotenen Rahmen eigenverantwortlich ohne Bevormundung tun.

Warum muss diese unsinnige Regelverordnung vom DLV endlich weg? Ganz klar, weil sie zu einem unheilvollen Vernichtungskreislauf für unseren Sport, das Laufen führt. Laufveranstalter werden ab jetzt, nachdem die übrige Leichtathletik wieder möglich ist, bei den örtlichen Ordnungsämtern um Genehmigung ihrer meist kleinen Laufevents eingeben. Das Ordnungsamt richtet sich nach den Vorgaben des Innenministeriums. Das Innenministerium sucht kompetenten Rat beim Fachverband. Der Fachverband richtet sich nach den Vorgaben des Deutschen Leichtathletikverbandes. Der sagt nach wie vor: Laufveranstaltungen sind nicht möglich, obwohl es längst andere Erkenntnisse (siehe Nachbarländer) gibt und lässt alles beim Alten. Wahrlich ein Teufelskreis oder …wie das berühmte Beispiel vom Buchbinder Wanninger. Praktisch ist das eine Endlosschleife, die der DLV bereits bis Ende des Jahres manifestiert hat. Es wird Zeit, dass sich Deutschlands Laufszene wehrt. Der Grund dafür ist zwar nicht ganz so dramatisch wie im Falle George Floyd aber durchaus diskutabel für einen friedlichen Protest. Deutschlands Läufer sind jedenfalls eine Millionen starke Macht und sollten ihren Protestwillen durchaus ebenso kräftig mit vielen Füßen manifestieren.