2. Oktober 2020 - Coronazeiten sind keine leichten Zeiten, schon gar nicht für Deutschlands Läufer, speziell auch vor allem für jene, die den Straßenlauf lieben. „Wir konnten in diesem Jahr fünfzehn unserer im letzten Jahr gewonnenen nationalen Titel nicht verteidigen, die meisten auf der Straße“, sagt dazu Kurt Ring, Teamchef der LG Telis Finanz Regensburg“, die Late Season im Straßenlauf ist im nationalen Meisterschaftsbetrieb eine Nullnummer“. So recht verstehen will er das nicht und man kann es nachvollziehen, finden doch in vierzehn Tagen im polnischen Gdynia sogar Weltmeisterschaften im Straßenlauf statt. Auch auf nationaler Ebene war der 10km Lauf in Berlin mit einer außerordentlich guten nationalen Besetzung und außergewöhnlichen Leistungen ein Indiz, dass es geht. „Die Felder waren teilweise besser als bei allen vorhergehenden nationalen Meisterschaften über 10km auf der Straße“, sagt Ring dazu.

Frauenstart Berlin10K 2020 Wilhelmifoto


Mangels Möglichkeiten hatte der Regensburger Coach Berlin-Organisator Christoph Kopp gebeten, Mannschaftswertungen zusätzlich auszuschreiben. Das Ergebnis spricht für sich. Beide Teamrekorde fielen: bei den Männern nur um vier Sekunden, Regensburgs Damen packten jedoch gleich eine Minute und fünfzig Sekunden drauf. Acht Tage später sind keine Corona Auffälligkeiten bekannt, das Hygienekonzept der Veranstaltung war einfach, knapp gefasst und überzeugend. Christoph Kopp war kein „Ersttäter“. Es war schon die zweite Auflage der „Berlin 10K Invitational“ innerhalb der Pandemiemonate. Für die Top50 der deutschen Männer und Frauen wären also auch in Berlin Deutsche Meisterschaften möglich gewesen. Dass es nur Nettozeiten auf Grund der besonderen Pandemieumstände gegeben hätte, wäre verschmerzbar gewesen.

Warum der DLV solche Möglichkeiten nicht nutzen kann, hat Gründe. Allein die Wertschätzung des deutschen Straßenlaufs mit seinen Topleuten lässt sich daran ablesen, dass er sie dem Breitensport zuordnet, dafür aber von den Veranstaltern pro Teilnehmer fünfzig Cent will, um den Laufsport zu fördern. In Wahrheit ist die nationale Szene eher Melkkuh als Geförderte eines Verbandes, der für diesen Bereich so gut wie nichts investiert. Auf die unbedingte Durchführung der Stadionmeisterschaften war man wohl deshalb so scharf, weil sie für Verband und seine untergeordneten Organe DOSB Punkte bringen und so Subventionsgeld des Bundes sprudeln lassen. Die Mühe von 45seitigen Hygienekonzepten wollte man sich beim Straßenlauf dann nicht machen. Im Klartext, man machte nur eines: Absagen, absagen, absagen …Man sagt so schön, wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Dieser Wille der DLV-Funktionäre in Sachen  Straßenlauf war in diesem Herbst nicht im Geringsten erkennbar.

Das hat wohl auch mit seiner immer noch mittelalterlich-föderalen Einstellung seiner Führungsorgane zu tun. Man sieht sich keineswegs als Partner seiner Verein, Athleten und Veranstalter, man sieht sich immer noch als Herrscher für Untergebene, die für die Gnade, für den Verband etwas tun zu dürfen, auf der Burg ihren Zehnten abzuliefern haben. Eigentlich sollte der DLV aus der Geschichte lernen. Die Burgen des Mittelalters sind längst dunkle Vergangenheit, der DLV ist inzwischen auf einem guten Wege, irgendwann das gleiche Schicksal zu erleiden.