Von Eva Haberl (geb. Karg) im Oktober 2020

Haberl NeumarkterStadtlauf2019 Foto HaberlEs war im September 1995, als ein sportlicher Mitt-40er in meinem Elternhaus in Wolfsbuch am Altmühlberg aufschlug, und nicht lockerließ, ehe ich – und auch wichtig – meine Eltern als „Fahrer“ überzeugt waren, dass die LG Regensburg meine sportliche Laufheimat werden würde. Unser Kurt, der auch damals schon immer auf der Lauer nach Nachwuchs-Athleten war, hatte wieder mal einen guten Job gemacht. Mit 15 Jahren schlüpfte ich also erstmals in das damals noch rotes LG-Domspitzmilch-Trikot und freute mich diebisch, dass ich als Schülerin die 5-km-Strecke „Rund um den Adlersberger Turm“ gewinnen konnte. Jetzt, rund 25 Jahre später und 40 Lenze auf dem Buckel, laufe ich immer noch im Trikot der LG, die Farbe mittlerweile blau und der Sponsor seit vielen Jahren die Telis Finanz aus Regensburg. Was treibt einen an, diesem ganz besonderen „Verein“, einer LG aus Vereinen im Umkreis, 25 Jahre lang treu zu bleiben?

Die 53 km vom Drei-Länder-Eck Oberpfalz-Oberbayern-Niederbayern in die Oberpfälzer Hauptstadt sind für eine Jugendliche kein Pappenstiel. Doch erfinderisch waren wir schon damals. Notfalls ging es auch mal direkt mit dem „anderen“ Schulbus nach Hemau und von dort nach adäquater Bewirtung und Hausaufgabenbetreuung weiter mit dem LG-Bus zur Sportanlage am Weinweg. Auch Trainings in Riedenburg für die eine Zeit lang zahlreichen LGler vom Altmühltal  standen phasenweise auf dem Programm. Vor Kurzem habe ich auf der Homepage mit einem gewissen Amüsement den Artikel „Die Nachwuchssportler der LG Telis Finanz stellen sich vor“ gelesen. Waren wir zu meinen Anfangszeiten selten mehr als vier „Junge“, konnte ich regelrecht mitbeobachten, wie die Zahl mit den Jahren immer mehr explodierte. Es ist eine Freude, mitanzusehen, wie viele Schnupper-Athleten gerne wiederkommen und aus ihnen ein eingeschweißtes Team heranwächst. Ein Team, das sich bei Erfolgen miteinander und füreinander freuen kann, und sich im Zweifel auch wiederaufbaut.

Auch ich habe viele Runden auf dem Tartanoval am Weinweg und im Dunkeln auf den Winzerer Höhen gedreht und auch für mich waren es damals die Highlights der Woche. Bei aller gebotenen Disziplin und Wertschätzung für unsere immer präsenten und engagierten Trainer: Lustig wars immer, und Lachmuskeln wurden nicht selten genauso strapaziert wie Bein- und Bauchmuskulatur. Mit meinen koordinativen „Einlagen“ bei der Geh- und Laufschule und gelegentlichen Kollisionen mit den Pflöcken der Winzerer Höhen trug ich sicherlich einiges dazu bei. Ich kann mich noch gut erinnern, dass eine kleine Welt für mich zusammenbrach, als die ZVS mich zum Pharmaziestudium nicht nach Regensburg, sondern nach Erlangen schickte. Vor-Ort-Trainings wurden seltener, umso mehr prägten schöne Wettkampf-Erlebnisse – im Berglauf sogar mit Ausflugscharakter – und das gemeinsame Anpacken bei eigenen Großveranstaltungen meine Erinnerung. Ja, auch Anfang der 2000er stellten die Vereins-Verantwortlichen allen voran mit den Deutschen Crosslaufmeisterschaften 2001 und 2002 und den immer bekannter werdenden Stadionveranstaltungen Watter-Meeting und Gala schon so Einiges auf die Beine.

Das Feedback der Teilnehmer war meist überwältigend, da macht man gerne viele Jahre die Kuchenorga oder läuft stundenlang vor dem eigenen Rennen treppauf-treppab, um frisch gedruckte Ergebnislisten an Ort und Stelle anzubringen. Das Gemeinschaftsgefühl kann Flügel verleihen, sodass selbst unter diesen Umständen nicht selten Bestzeiten erreicht wurden, die natürlich nach Feierabend ausgiebig zusammen gefeiert wurden. Mir selbst und meinem Coach Kurt war immer klar, dass mein Talent nie für den ganz großen Coup ausreichen wird. Dafür sind Zeiten wie 17:55 (5.000 m) oder 1:22:15 (HM) einfach zu schlecht. Ich war und bin eine klassische Team-Läuferin. Für die Teamwertung im Straßen-, Cross- und Berglauf brauchts Drei. Drei, die ankommen, was gerade auf den Langstrecken nicht immer selbstverständlich ist. Mit der Mannschaft durfte ich unzählbar viele tolle Erfolge feiern, und oft genug bin ich mit dem Wissen um die Mannschaft im Hintergrund auch persönlich über mich hinausgewachsen und hatte ab und an auch das gewisse Quäntchen Glück, um schöne Einzeltitel zu ergattern.

Auch den Mittelstrecken stellte ich mich zuweilen tapfer, vor allem wenn es darum ging, den B-Jugendlichen eine 4:53-Pace auf 1.500 „vorzulaufen“, die (zumindest damals) die deutsche Quali bedeutet hatten. Ja, ich hatte auf diese Distanz die 4:53 abonniert – es ging nie schneller und auch fast nie langsamer. Unvergessen auch die schönen Erlebnisse im Trainingslager, von Grosseto 1996 über Pula 1999 und Cervia, welches über viele Jahre das Osterquartier bleiben sollte.  Freilich, als „Nicht-Fokus-Athletin“ gab es in den letzten 25 Jahren immer mal wieder kürzere und auch längere Phasen, in denen ein Leistungstraining für mich nicht im Mittelpunkt stand. Studium und Promotion, später dann meine Familie mit zwei Kindern und andere private Interessen hatten immer mal wieder Vorrang. Das ging für Trainer und LG immer in Ordnung. Als „alte Häsin“ genieße die damit verbundenen Freiheiten in Training und Wettkampfgestaltung, wenn ich dennoch Rat brauche, bekomme ich auch mit meinen 40 noch die nötige Portion Aufmerksamkeit.

Zum Thema Marathon möcht ich noch Folgendes loswerden: Dass dieser erst ab km 35 losgeht, musste ich bitter in Berlin 2002 erfahren, hier hatte ich mir im tiefsten Inneren eine Endzeit von 2:55, mindestens aber unter 3 Stunden erhofft. Sicher ging ich mit einer gewissen jugendlichen Arroganz an das Projekt heran und forcierte bereits ab km 21 das „viel zu langsame Tempo“. Am Ende stand eine 3:02:14 auf dem Tableau und für mich fest, dass es mein erster und einziger Marathon bleiben sollte. Nach meinem Umzug nach Ursensollen bei Amberg, einer läufertechnisch nicht ganz unbekannten Region, hat mich 2017 nochmal der Ehrgeiz gepackt. „A 2:58 oder 59 werst doch wohl zsammbringen“, meinte unsere Marathon-Mama Mikki. Davon und vom heimatlichen Laufumfeld motiviert, sollte es also doch noch einmal zu einem Marathonstart kommen. Von daher bin ich besonders stolz, dass ich 17 Jahre nach Versuch 1 und ein halbes Jahr nach Versuch zwei bei der Marathon-DM 2019 in Düsseldorf endlich die 3-Stunden-Marke knacken konnte, mit einer Punktlandung von 2:59:51.

Ein guter Zeitpunkt, es mit der Lauferei gut sein zu lassen? An manchen Tagen mag das verlockend klingen, weil der Körper nun doch schon länger zur Erholung braucht. Doch, erstens hab ich mit dem ungeliebten 10.000er noch eine Rechnung offen und zweitens machen grad die kleinen „Rennschmankerl“ wie vor Kurzem am Premberg die Oberpfalz-Berglaufmeisterschaften noch viel zu viel Spaß. Und auch auf Bezirksebene ist die B- und C-Riege gefragt, Stockerlplätze „heimzuholen“. Ich bin – so kann man es gut und gerne zusammenfassen – in der LG-Familie „groß“ geworden und hab mich hier immer gut aufgehoben gefühlt. Dafür möchte ich ein großes DANKE loswerden: allen voran an Kurt (Ring), Doris (Scheck), Norbert (Lieske), Stocki (Thomas Stockmeier) und meine Stammvereine SpVgg Wolfsbuch-Zell und DJK Ursensollen. Und ich möchte junge und junggebliebene Athleten motivieren, bei der LG Telis Finanz anzuklopfen. Wir sind mit Recht stolz auf unsere Olympioniken, WM- und EM-Teilnehmer, aber auch ohne derartige Ambitionen werdet ihr bei uns gern gesehen und gebraucht.