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Regensburg, 24. Dezember 2020 (Kurt Ring) – Die Zeit um Weihnachten wird so gerne auch als stade Zeit zwischen den Jahren bezeichnet. Auch wir Leichtathleten halten uns in der Regel dran. Es gibt zu Hauf Pfingstsportfeste und Osterläufe, am 24. Dezember eines jeden Jahres „steht dagegen auch die olympische Kernsportart Nummer eins und hält inne. Die Jahresüberblicke sind geschrieben, die Silvesterläufe noch eine Woche weg. Alles konzentriert sich plötzlich an diesem, uns immer noch heiligen Tag auf die Familie, seine Liebsten, am Abend unter dem Christbaum vereint. Friede sei auf Erden … wie es so schön heißt.

 

So einfach geht das mit dem Frieden in diesen Tagen des 2020er Jahres nicht. Sozusagen sind wir alle im Kriegszustand. Nicht im Kampf gegen fremde feindliche Mächte, nein viel schlimmer, im Kampf gegen ein  mieses Virus, der inzwischen schon zig-Tausende von Menschenleben gekostet hat und längst noch nicht bezwungen ist. Es hat uns schon im Frühjahr und im Spätherbst in eine stade Zeit gejagt, mit stark eingeschränkten menschlichen Kontakten, geprägt von Angst und Sorgen. Immer dann, wenn wir geglaubt hatten, das Virus besiegt zu haben, kroch es wieder an allen Ecken des Landes hervor, um seine schlimme Arbeit fortzusetzen. Der dabei unweigerlich folgende Lockdown unserer Gesellschaft ist schon fast auf dem Weg,  aus der staden Zeit einsame Weihnachten zu machen.

Wir Menschen, die so gern möglichst schnell schlimme Dinge  vergessen und Highlights ständig wiederholen wollen, sprechen dann von verlorenen Tagen, Wochen und Jahren. Ja, es können durchaus Jahre sein, wie uns die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts gezeigt haben. Trotzdem ist es falsch, ja gerade arrogant von solchen Zeiten als „verloren“ zu sprechen. Nichts im menschlichen Leben ist verloren, keine Sekunde, keine Minute und keine Stunde. Wir sammeln in jedem Augenblick Erfahrungen und lernen daraus für die Zukunft. Gäb’s das Tal nicht gäb’s auch keine Berge.  Gäb’s keine Misserfolge, wäre der Erfolg – und sei er noch so hoch -  auf Dauer ein langweiliger Brei, der sich durch die Seele wälzt. Respekt vor dem Normalen, unserer wunderbaren Welt, dem ganz normalen Treiben auf dem Sportplatz, der Zufriedenheit an einem  lauen Sommerabend im Schaukelstuhl auf der Terrasse, entwickelt man nur, wenn man in seinem Leben erfahren hat, dass es durchaus auch anders sein könnte.

Darum – meine Lieben – lasst uns die Dinge so nehmen, wie sie kommen. Aus den Erfahrungen der letzten neun Monate haben wir viel gelernt, Neues gemacht, im Bewusstsein, wenn wieder einmal die Sonne untergeht, wird sie ganz sich auch wieder am nächsten Tag am Horizont erscheinen. Ich jedenfalls habe aus dieser Zeit ein viel intensiveres Empfinden zum Gewöhnlichen, zum Alltag entwickeln können. Ach, war das geil, nach dem ersten Lockdown, nach Wochen einfach wieder ein gemeinsames Training erleben zu dürfen. Die ersten, auch von mit initiierten Wettkämpfe am Oberen Wöhrd,  waren ein Rausch an Glücksgefühlen – und das nicht nur bei mir. Für eigentlich kleine Events, die in Zeiten ohne Pandemie nur am Rande erwähnt werden würden, ernteten wir überschwänglichen Dank. Wir können also auch jetzt,  trotz zweier Lockdowns und keinem Pandemieende in Sicht,  froh und hoffnungsvoll in die Zukunft schauen und die Tage, Wochen und Monate bis dorthin werden keineswegs verlorene sein.