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„Kitas und Schulen bleiben bis zum 14. Februar grundsätzlich geschlossen, die Präsenzpflicht wird ausgesetzt“, war das Ergebnis der Ministerpräsidenten-Konferenz vom 19.1.2021. Das bedeutet zugleich, dass auch der Schul- und Vereinssport für Kinder ausgesetzt bleibt, für die Kids im Home-Office zwar Lehrerkontakt vor dem PC stattfinden soll, aber der von den Virologen empfohlene Sauerstoff für ihre Immunsystemstärkung in der freien Natur durch Sport für einen weiteren Monat fehlt. Für die Zeit nach der Pandemie bleibt die Hoffnung, dass für sie möglichst wieder viel Sport möglich wird. Dafür werden hier schon einmal die Aufgaben und Empfehlungen angeboten.

© Lothar Pöhlitz* - Kinder im Alter von 8-12 Jahren gehen zum Leichtathletik-Training, lernen in 5 Jahren in zunehmender Trainingszeit (1-2 Stunden) sprinten, laufen, springen und werfen. Erlernen die Techniken der demnächst geplanten Übungen, richtig zu laufen, lernen zu trainieren und schon ein bisschen was man können muss, wenn man siegen will. Das erfordert schon früh, dass es „unbemerkt für die Kleinen“ auch eine Viertelstunde anstrengend sein muss.

Sie bewegen sich vielseitig-zielgerichtet und abwechslungsreich in den Bedingungen (Halle, Bahn, Wald, Straße, Gelände, Schwimmhalle o.ä.) die den Vereinen zur Verfügung stehen. Hilfreich ist, wenn in diesem Alter „spielend“ auch andere Sportarten wie Schwimmen, Ski- / Skiroller, Bodenturnen, Skiken, Kleine und Ausdauer-Spiele im Rahmen des Belastungsaufbaus genutzt werden. Bereits ab dem zweiten Jahr sollen „angesagte Trainingskontrollen“ unbemerkt auf erste Wettkämpfe vorbereiten. 

       Sie kommen erfahrungsgemäß zum Training, weil sie gewinnen wollen.

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In diesen 5 Basics-Jahren sollen also die Grundlagen des Schüler- und Jugendtrainings gelegt und auch „das Talent für…“. erkannt werden. Nichts ist für die Zukunft der Kleine, für spätere Erfolge wichtiger, als ihre ererbte Muskelstruktur und ihre Mentalität, ihre Stärken und auch Schwächen zu erkennen. Nachwuchstraining in dieser Zeit muss als Eignungserkennungstraining verstanden und gestaltet werden. 

Alles was man gut kann macht Spaß, erhöht die Leistungsbereitschaft und beschleunigt die Entwicklungsverläufe als Grundlage für den weiteren Aufbau im Altersbereich 13-14 Jahre. Dabei sollten Trainer, mit denen, die sich auffällig schneller entwickeln, bald „ein anderes Training“ machen.

       Erziehen, entwickeln wollen, erfordert fördern und fordern zugleich. Jeder ist für irgendeine Disziplin oder Sportart talentiert, es ist Aufgabe der Trainer dies möglichst früh zu erkennen, sie der jeweiligen Disziplin / Sportart ohne persönliche Egoismen zuzuführen und entsprechend auszubilden. Genetisch festgelegt ist, ob die Muskulatur eher schnellkräftig oder verstärkt ausdauernd ist (Lothar Pöhlitz 1986)

Die aktuelle, von vielen Sportarten beklagte Situation, was unsere internationale Konkurrenzfähigkeit und deren weitere sportliche Zukunft betrifft, liegen an der Basis, im Kindersport in den Vereinen und im Schulsport. Die Spielsportarten wie beispielsweise Fußball, Handball, Basketball oder Volleyball wären derzeit ohne Ausländer schon nicht mehr konkurrenzfähig, auch der Wintersport klagt und die Leichtathleten können auch nicht glücklich in die nächsten Jahre vorausschauen, zumal in den letzten Jahren die Investitionen in diesen Bereich gegen Null gingen. Und um die Verantwortlichen bleibt es trotz vielfacher Enttäuschungen leider immer noch sehr ruhig.

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Für Deutschlands Leichtathletik-Zukunft wäre die Voraussetzung das möglichst viele Kinder im Altersbereich 8-12 von ausgebildeten Kids-Coaches regelmäßig „bewegt“ würden. Das erfordert ein zurück, zu der Zeit, in der es auch Aufgabe der Sportorganisationen war, den Sport an der Basis, in den Städten, Gemeinden und Vereinen „zu organisieren“. Leider hat man ein dafür mögliches Vorbild verdrängt, das nach der Wende fortgesetzt, auch der „Gesundheit der Nation“ gutgetan hätte. Die Kindertrainingszentren der DDR, die natürlich auch für die Talentsuche geschaffen wurden.

Es müssten auf der Grundlage einer neuen Struktur und konkreten Aufgabenzuwendungen zuerst unsere Kinder wieder zum Sporttreiben animiert werden, mehr Bewegung durch Vereine und alle Landes-Verbände angeboten werden damit junge Sportler sportlich, schulisch und in der Persönlichkeitsentwicklung wieder Vorbildern und Zielen nachgehen. Ergebnisse würden sich nicht nur im Sport, sondern auch in der Leistungsfähigkeit unseres Landes zeigen. 

Vergangenheit und Gegenwart zeigen aber das Kids-Coaches und Schulsport-Lehrer, die früher gern auch in Vereinen gearbeitet haben, heutzutage nur noch arbeiten würden „wenn es sich finanziell lohnt“. Unsere Politiker wissen genau, dass aktuell ein ehrenamtliches Engagement von Kids-Coaches für ein notwendiges tägliches Training von 11-12jährigen Talenten nicht zu erwarten ist.

Auch wenn derzeit für eine Orientierung an den Konzeptionen des Turnens, Schwimmens oder der Sportgymnastik in der Leichtathletik Bedingungen und Personal fehlt, sollten für junge Leichtathleten diese Ansprüche wieder angestrebt und in Angriff genommen werden:

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 Wenn man mit 8 Jahren mit 3x60 Minuten wöchentlich beginnt und dann jährlich eine TE mehr, bei gleichzeitiger Erhöhung der Trainingszeiten, absolviert, ist man im Basics-Alter 12, also mit 12 Jahren, bei einem täglichen Training und damit bei den Voraussetzungen für einen weiteren erfolgreichen zweijährigen Aufbau und besser vorbereitet als bisher, für den Schritt ins Nachwuchsleistungstraining im Alter zwischen 14-15 Jahren. 

 Ein Blick zum Turnen zeigt uns folgende vorbildhafte Ausbildungsstruktur:

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In der Leichtathletik fehlt es an Nachwuchs- und Kindertrainern in den Vereinen, die sich mit Engagement und Akribie den 8-12jährigen widmen. Und es fehlt eine Neukonzeption für den Schulsport der 16 Länder.

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Technik der Kraftübungen mit Gymnastik-Stab, Reckstange oder Leerrohr erlernen

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Jungen Läufern schon früh die Technik auch des Langhanteltrainings vermitteln

Kinder-Training soll Spaß machen und auch mal anstrengend sein.

„Schon als ich gerade laufen konnte, haben mich meine Eltern in die Kinderleichtathletik gebracht“     (Hanna Klein-Deutsche Meisterin 5000m)

Das Bewegungsverhalten von Kindern außerhalb des Trainings zeigt, dass sie sich im Spiel eher intensiv-kurz, als anaerob-lang belasten, sich die Belastbarkeit (Spieldauer) durch „Training“ verbessert und das Trainierte besser mit ihrem anaeroben Energiebereitstellungssystem umgehen können als Untrainierte. Unter dem Gesichtspunkt einer längerfristigen Perspektive für Lauf-Talente, muss man deshalb schon 10jährigen Schülern ein dosiertes, ganzjährig kombiniertes gemischt aerob und aerob-anaerobes Ausdauertraining, bei vorrangiger Ausprägung der vor allem anlagebedingten Schnelligkeitsfähigkeiten, der Beweglichkeit, der zielgerichtet – athletischen Voraussetzungen („Zentrum“ und der Füße) und sehr dosierten, kurzen anaeroben Belastungen in Phasen spezieller Wettkampfvorbereitung, anbieten.

Ein hoher Anspruch an die Lauftechnikausbildung ist Voraussetzung für eine optimale Laufökonomie und für ein später mit „Leichtigkeit“ zu präsentierendes Renntempo über eine bestimmte Strecke. 

Schülertraining soll immer auch Lerntraining sein

Auch ein richtig und gut dosiertes, abwechslungsreiches, vielseitiges Ausdauertraining bereitet Talente als Teil einer komplexen Gesamtausbildung besser auf das Jugend-Aufbautraining vor, entwickelt Herz, Lunge und Gehirn und verbessert die spezielle Belastbarkeit. Dafür sollten die beiden letzten Jahre vor Beginn des Jugend-Aufbautrainings genutzt werden. Gut dosiert heißt aber auch in dem Maße geschwindigkeitsorientiert, wie es der jeweilige individuell-aktuelle Ausbildungsstand zulässt. Unter dieser Aufgabenstellung ist es wichtig, dass die Schüler ihre Übungen „schnell ausführen sollen“ und auch Ausdauer trainieren, um ihren Leistungsfortschritt zu spüren. Dies ist möglich, wenn beispielsweise auf einer entsprechenden Standardstrecke im Wald oder Gelände, immer mal wieder eine oder mehrere „Runden“ nach Zeit gelaufen werden.

Um alle diese Ausbildungsaufgaben zu schaffen trainieren Talente schon möglichst früh, spätestens mit 8 - 12 Jahren besser als bisher, mit 12 Jahren schon täglich, wie in anderen Sportarten, nutzen 5 Gänge (die bekannten Geschwindigkeitsbereiche), verbessern die Techniken aller Trainingsübungen, stärken ihr Chassis, machen Wettkampferfahrung, entwickeln ihre mentale Stärke und wollen natürlich gewinnen.

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Wie bei diesen Hürdensprüngen müssen die Anforderungen steigen

Kinderträume müssen wieder mit Sport verbunden werden

Die Probleme, über die derzeit viele unserer Sportarten berichten, liegen an der Basis, im Kindersport in den Vereinen und im Schulsport.

Auch für uns wäre gut, wenn unser Wissen, die Summe aus Hochleistungssport-Erfahrungen, Wissen für die Arbeit mit Talenten und „Weltniveau-Training“ wieder Grundlage für Erfolge würde. Trainieren, „anders als bisher und öfter“, natürlich mit der notwendigen Regenerations-Balance, um zu den Besten der Welt aufzusteigen. Aber ohne Geld dafür, läuft nichts. Die bereits bestehenden Konzepte, müssen auch von „hauptamtlichem Fachpersonal“ in der Praxis verwirklicht werden. 

Basis für Deutschlands Zukunft ist, dass Hochleistungssport gewollt wird und dafür zuerst unsere Kinder, wie seit 1980 mit Olympiatoppen in Norwegen, „zu mehr Bewegung animiert werden und zugleich die Vereine und Landes-Verbände befähigt werden, junge Sportler auch schulisch und in der Persönlichkeitsentwicklung zu betreuen“. 

       „Belastbarkeit ist nicht angeboren, sondern das Ergebnis möglichst früh beginnender allgemeiner- und spezieller vielseitiger Einwirkungen auf den kindlichen Organismus durch systematisch zunehmende Anforderungen, beim Barfußlaufen und vielen auf die Sportart ausgerichteten Übungen (Ganzkörperkonditionierung, Schwachstellenbeseitigung)“  (Lothar Pöhlitz 1979)

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F   A   Z   I   T  

Unser Wissen, die Summe aus Hochleistungssport-Erfahrungen, das Wissen um die Arbeit mit Talenten und das „Weltniveau-Training“ sind Grundlage für Erfolge. „Anders als bisher“ zu trainieren beginnt im Grundlagentraining mit einem neuen Anspruch und der notwendigen Regenerations-Balance, Dafür müssen Geldgeber helfen, damit die bereits bestehenden Konzepte, von „hauptamtlichen Fachpersonal“ in der Praxis verwirklicht werden sollen.

Basis für Deutschlands Zukunft ist, dass Hochleistungssport wieder gewollt wird und dafür zuerst unsere Kinder zu mehr Bewegung animiert werden und zugleich die Vereine und Landes-Verbände befähigt werden junge Sportler auch schulisch und in der Persönlichkeitsentwicklung zu betreuen.

Unsere Vergangenheit hat gezeigt das Kids-Coaches und Schulsport-Lehrer, die früher gern in Vereinen „außerschulisch“ gearbeitet haben, heutzutage nur noch arbeiten „wenn es sich lohnt“, was bekanntlich Politiker für sich selbst für selbstverständlich halten.

Die Kinder-Fitness … ist aktuell eine der größten Herausforderungen, als Voraussetzung für Gesundheit, Bildung, auch geistige Beweglichkeit, Erziehung und wieder sportlicher Konkurrenzfähigkeit in den Sportarten.

Erfolge setzen voraus alles zu tun, um alle Fähigkeiten in ihrem Körper zu maximieren. Erfolg wird letztlich durch Ergebnisse definiert – aber sie werden von den ererbten Fähigkeiten, vom absolvierten Training und dem Talent begrenzt. Erfolge resultieren aus der Kombination von harter Arbeit, guten Coaches, Umfeld, Haltung, Ego und Vertrauen. 

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© Lothar Pöhlitz* – 1980-1998 DLV-Bundestrainer Lauf – Sportwissenschaftler – 3x Olympiatrainer für Deutschland – 2006 – 2020 LCA