Schulsport

Von Lothar Pöhlitz* 

Es kann doch nicht nur um das Klima und die zu erwartenden Preiserhöhungen auf breiter Front gehen, nachdem das Geld Corona-begründet mit vollen Händen verteilt wurde. Es gibt doch noch andere Zukunftsprobleme.  Landesweit werden beispielsweise die Forderungen nach einen wieder anderen Kindersport in allen Bundes-Ländern immer lauter. Wegen der zunehmenden Toten durch Ertrinken steht gegenwärtig zwar das Schwimmen im Schulsport im Focus, das aber ein anderer Schulsport ein Grundsatzproblem unseres Landes ist, wird noch verschwiegen. Felgaufschwung oder Felgumschwung oder Ausdauerspiele und alles was wir noch im „Turnunterricht lernten“, kommt vielfach nicht mehr vor, auch wegen dem „Sportlehrer-Fach-Personal-Mangel“ oder veralteter Sportstätten. Man fragt sich, wo sie eigentlich arbeiten, die vielen in den Jahren ausgebildeten Schul-Sportlehrer? 

Das Recht auf Zukunft muss auch beinhalten, den Kindern der ersten Klassen im Rahmen der Bildung zu lehren, sich richtig und nachhaltig, zum Wohle ihres Körpers, für ein gesundes, belastbares und langes Leben in unserem schönen Lande, zu bewegen.

27 Millionen Mitglieder warten in 90000 Sportvereinen auf die Wahl

Inzwischen wurden „Nachhilfe-Milliarden“ wegen Corona-Lern-Ausfällen im Homeoffice diskutiert. Die braucht aber auch der Schul- und Vereins-Sport. Wegen der Corona-Pandemie haben viele Schülerinnen und Schüler „erhebliche Lernrückstände und Defizite im psychischen-, motorischen und Fitness-Bereich erlitten und sich auch, durch ihre Versorgung mit Smartphones und Tablets (durch die Eltern oder Großeltern) schon in frühester Kindheit, das stundenlange Bewegen in freier Natur, abgewöhnt. Zur Aufarbeitung dieser Defizite müssen die Kinder, vor allem erst einmal im Alter zwischen 7-12 Jahren, natürlich besser auch schon in Kitas - bewegt werden. Wir müssen die „alten Sport-Gewohnheiten“ wieder ausgraben. Die Schule muss wieder Ort des Lernens, der Erziehung, des sozialen Miteinanders, aber auch des Sports ab der 1. Klasse werden, nicht nur für Mathe und Deutsch. Ein Großauftrag, natürlich auch für die Eltern. 

Schwimmen – Turnen – Leichtathletik verbessern die Ganzkörper-Fitness und Ausdauer- oder Ballspiele entwickeln die jungen Herzen, Lungen und die „Leitungen“, in denen der Sauerstoff im Körper transportiert werden soll, bis ins hohe Alter. Sie halten aber auch vom Alkohol und Nikotin ab, habe ich gelernt. Dafür braucht man „Qualitäts-Baumeister, Baumaterial und 8-12 Jahre wieder anders genutzte Lehrjahre. Für die Zukunft der Nation“ um die Versäumnisse zu korrigieren, wären deshalb auch eine dritte oder besser vierte Sport-Schulstunde und wieder außerschulischer Sport, und viele neue Sport l e h r e r, dringend.

Vielleicht nimmt sich nach der Wahl die neue Regierung dieses „Riesen-Zukunft-Problems“ an. In den aktuell angebotenen Wahlprogrammen fehlt es noch. Es ist für Deutschland aber zukunfts- und überlebensnotwendig.

Im einem bisherigen Corona-Aufholprojekt der Bundesregierung wurden 2 Milliarden für Nachhilfe, Sozialarbeit und Ferienfreizeiten als Bekenntnis für die Kinder zurück aus der Corona-Krise in den Alltag benannt. Ein Teil davon für Ferienfreizeiten und außerschulische Angebote. Das dies besonders betont wurde zeigt das man sich bewusst ist, dass eine „Renovierung des Schulsports“ Milliarden kosten würde. Also besser den Schulsport gar nicht erwähnen und den Eltern für eine Einmalzahlung von 100 € die Bewegung ihrer Kids in Ferienfreizeiten die Verantwortung zu übertragen.  

2 Milliarden sind viel Geld, aber ohne die Riesenchance zu nutzen über einen neuen, anderen Schulsport alle Kinder, auch die der Familien mit geringen Einkommen oder Arbeitslosigkeit, auch innerhalb der geplanten Ganztagsbetreuung, zu beteiligen. Die Fitness-Rückstände, die Zunahme der Fettleibigkeit zu „bekämpfen“ könnte man die Aufholung der Bildungsverluste direkt vor Ort am besten mit täglichem Sport verbinden. Vielleicht finden sie so, weil sie erkennen, dass sie es können, auch Freunde im nahen Sportverein.

Aus vielen Richtungen kommen inzwischen die Hilferufe nach einem anderen Schulsport, wir appellieren mit. Die Parteien und Öffentlich-Rechtlichen und die Dritten könnten gegen diese Defizite in ihren Wahlaktivitäten jetzt und danach helfen und es in ihre Programme aufnehmen. Viele Tausend Eltern und 27 Millionen Mitglieder in Sportvereinen erwarten Veränderungen, neue Konzepte.

Inzwischen, auch schon zu lange in den „Merkel-Jahren“, war der Kindersport, die Bewegung anzuerziehen, vor allem für die 7-12jährigen, ein Riesen-Problem, der Schulsport Stiefkind. Die Ansprüche an ihre frühe psychophysische und motorische Entwicklung, der soziale Kontakt wurde immer geringer. Selbst die Erkenntnis, dass Sauerstoff dem Immunsystem hilft, hat niemand auf den Gedanken gebracht, anstatt 5 Minuten die Fenster zu öffnen, mit den Kindern im Sportunterricht wenigstens an der Luft 45 Minuten „ums Viertel“ spazieren zu gehen.

F   A   Z   I   T

Um die Pandemie-Schäden auch im Kinder-Sport aufzuarbeiten, muss der Schulsport in den Mittelpunkt

Die Situation ist beängstigend. Der Kindersport in Schule und Vereinen war Monate „geschlossen“. Viele Schwimmhallen entworgt, die Sporthallen zu Impfzentren einfach so umfunktioniert, Homeschooling ohne Bewegungsempfehlungen war in aller Munde. Zu den schon zu vielen zu Dicken, sind noch mehr dazugekommen. Viele haben ihre Sportgewohnheiten „verlernt“. Wer etwas mehr Einblick in den „verlorenen“ Fitness-Zustand unserer Kinder hat, wie z.B. die auch zu wenigen Kinder-Trainer in den Vereinen, muss die kommende Regierung dringend bitten die Versäumnisse im ganzen Lande schnell zu reparieren. Die Zukunft erfordert das. Die dafür erforderlichen Milliarden sind nötig.

Alles würde natürlich auch dem Leistungssport helfen, der in vielen Sportarten schon jetzt ohne ausländisches „Aushilfspersonal“ nicht mehr konkurrenzfähig wäre.  

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© Lothar Pöhlitz– seit 1957 Dipl.- Sportlehrer für Leistungssport / Sportwissenschaftler / 1959 – 1971 Trainer und Cheftrainer beim SC Chemie Halle / 1971 - 1979 Leiter des Wissenschaftlichen Zentrums Lauf / Gehen im DVfL/ 1980-1985 Sprinttrainer beim TSV Bayer 04 / 1980-1998 DLV-Bundestrainer Lauf / zuletzt Teamleiter Marathon / Straßenlauf / 3x Olympia - Trainer für Deutschland / Langjähriger Dozent an der DOSB - Trainerakademie und DLV-Trainerschule / 4 Lauf-Fachbücher

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