Überraschender Coup der einstigen Ausnahmeläuferin in ihrer zweiten Karriere als Freizeitläuferin

Harrer1 DM Marathon21 KiefnerfotoMünchen, 10. Oktober 2021 (orv) – Corinna Harrer von der LG Telis Finanz hat sich am Sonntag in München zur Deutschen Marathon-Meisterin gekrönt. Bei den Männern holte der Hesse Alexander Hirschhäuser den Titel über die 42,195 Kilometer. Im Rennen der Frauen liefen Isabel Leibfried (TSG Heilbronn) und Corinna Harrer lange Zeit gemeinsam an der Spitze. Die Halbmarathon-Marke passierten sie nach 1:22:02 Stunden, und auch bei Kilometer 30 war noch keine Vorentscheidung gefallen. Im Bereich der 35-Kilometer-Marke konnte sich dann mit Corinna Harrer die Favoritin absetzen. Die 30-jährige frühere Mittelstrecken-Spezialistin, die 2013 bei der Hallen-EM eine Silbermedaille über 3.000 Meter gewonnen hatte, lief schließlich mit einem deutlichen Vorsprung nach 2:43:11 Stunden ins Ziel im Olympiastadion und holte sich nach ihrem letzten deutschen Einzeltitel, 2015 beim Crosslauf, sechseinhalb Jahre später eine weitere DM-Goldmedaille.

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"Der Titel hat mir noch gefehlt, sowohl im Crosslauf, im Stadion als auch in der Halle habe ich als Laufprofi DM-Einzel-Gold in der Frauenwertung geholt. Der Straßentitel ging noch ab", sagte sie hocherfreut, noch bei der Dopingkontrolle sitzend, am Telefon ihrem alten Coach Kurt Ring, der sie auch bei ihrer jetzigen Freizeitbeschäftigung Jogging noch immer beizeiten berät. Vor vier Wochen hatte die Regensburgerin erst wie alle sonstigen Starter*innen vom DLV erfahren, dass der Generali Marathon in München Austragungsort der Deutschen Marathonmeisterschaften 2021 sein sollte. Zu diesem Zeitpunkt dachte die ehemalige Regensburger Ausnahmeläuferin nicht im Traum daran, in diesem Herbst Marathon zu laufen. "Beruflich ist das kaum machbar, da müsste man zumindest eine dreistellige Kilometerzahl pro Woche in den Beinen haben." Doch dann, als abzusehen war, dass die derzeitige Frauenprominenz auf dieser Strecke sowohl auf Grund der kurzen Vorbereitungszeit als auch der nicht zu erwartenden schnellen Strecke um München einen Bogen machen würden, sah die inzwischen 30-Jährige ihre Chance, ihrer schon lange zurückliegenden Laufkarriere ein weiteres Krönchen aufzusetzen. "Zu Hause freute sich ihr Heimtrainer Kurt Ring "geradezu narrisch" über diesen Erfolg "quasi durch's Hintertürl", weil das Mädel nach ihrem jähen Leistungssportende auf Grund eines Soleus-Muskelrisses bei der Team-EM 2015 im russischen Cheboksary so unfassbar vom sportlichen Schicksal getroffen wurde".

Harrer3 DM Marathon21 KiefnerfotoIm Meisterschaftsrennen selbst blieb Coco Harrer, wie sie ihre Freunde nennen, eiskalt, hielt sich 32 Kilometer im Windschatten von Isabel Leibfried und ließ sogar zu, dass anfangs eine weitere Läuferin ein paar Sekunden vor ihr herlief, weil sie wusste, dass die bei der DM als Schweizerin keine Rolle spielte. "Die Zeit spielte für mich überhaupt keine Rolle, ich wollte einfach die Goldmedaille und den Titel", bestätigte sie jedem, der es hören wollte. Gerade mal gut eine Minute weit weg von ihrer Allzeitbestzeit (2:41:58h) gelang dem Telis-Ass dann sogar ein Negativsplit mit schnellerer zweiten Hälfte.