Philipp Pflieger und Filimon Abraham beendeten den Marathon nicht – Tim Ramdane Cherif mit 2:17:31 Stunden drittbester Deutscher – noch immer unklare Nominierungssituation

Ramdane3 Haspa Marathon 2022 Wilhelmifoto
Hamburg, 24. April 2022 (orv) – Groß waren die Erwartungen der deutschen Marathonasse im Vorfeld des Hamburger Haspa Marathons gewesen. Wenige Tage vor dem Nominierungstermin für die Weltmeisterschaften in Eugene und den Europameisterschaften in München wollten noch einige Athleten*innen auf den Zug für die internationalen Highlights 2022 aufspringen. Dementsprechend mutig war dann auch die Marschroute für die Streckenhälfte von Philipp Pflieger, Johannes Motschmann (beide SCC Berlin) und Filimon Abraham (LG Telis Finanz Regensburg) mit einer anvisierten Durchgangszeit von 1:05:30 Stunden. Abrahams Teamkollege Tim Ramdane Cherif wählte nach einer erst kürzlich überstandenen Coviderkrankung die Sicherheitsvariante 1:07:00 Stunden, einer Zeit, die immer noch ein Ergebnis um 2:14:00h möglich machen sollte, dreißig Sekunden unter der offiziellen A-Norm für die Europameisterschaften (2:14:30h) liegend.

Am Ende zerstoben die Träume der deutschen Männergarde im doch recht strammen Hamburger Wind wie Sand am Meer. Nichts blieb mehr übrig, außer Motschmanns 2:12:18 Stunden, die er im Herbst 2021 gelaufen war und die nun zumindest einen Start bei den Europameisterschaften im deutschen EC-Team in München möglich machen. Der Traum von einem WM-Start war für den Berliner aber nicht erreichbar, Als zweitbester deutscher Läufer schleppte er sich mit 2:17:08 Stunden noch knapp vor Tim Ramdane Cherif ins Ziel, der 2:17:31 Stunden brauchte. Philipp Pflieger und Filimon Abraham beendeten die 42,195 Kilometer am Ende gar nicht, der eine, weil er Rückenprobleme bekam, der andere, weil er schon hoffnungslos zurückgefallen war.

Bester Deutscher wurde Florian Röser aus Konstanz. „Es ist natürlich überraschend, dass ich schnellster Deutscher geworden bin. Klar wäre ich gern die Team-Norm für die EM mit 2:14.30 Stunden gelaufen, aber für meinen ersten Marathon war es okay“, sagte der Schwabe. Der einen Pech, des anderen (vielleicht) sein Glück – jedenfalls steigen jetzt die Aktien in Richtung Europameisterschaften für Konstantin Wedel (LG Telis Finanz Regensburg). Der Telis-Athlet lief am 20. Februar in Sevilla 2:12:58 Stunden. Im deutschen EM-Ranking wäre das die sechstbeste Leistung, wenn der eigentlich vor dem Regensburger liegende Tom Gröschl aus Rostock seine Aussage wahr macht, als einziger deutscher Läufer bei den Weltmeisterschaften starten zu wollen.

Wesentlich abgebrühter machten es die beiden deutschen EM-Kandidatinnen im Hamburger Rennen. Kristina Hendel (LG Braunschweig) konnte zwar ihren vollmundigen Plan einer 2:25er Zeit nicht umsetzen, blieb mit 2:27:29h im Bereich ihrer alten Bestzeit und braucht jetzt nur noch bis zum Nominierungszeitpunkt die Freigabe vom kroatischen Verband für einen Start im deutschen EM-Team. Erhält sie die innerhalb der nächsten acht Tage, dann bleibt mit Anja Scherl (LG Telis Finanz), der Olympiateilnehmerin von 2016, eine Regensburgerin für eine EM-Nominierung auf der Strecke, weil es die Olympia-Achtzehnte von 2021, Deborah Schöneborn (SCC Berlin) in der Hansestadt mit 2:29:51h auf den letzten Drücker noch schaffte ins deutsche Aufgebot zu kommen. Scherls beide Regensburger Teamkolleginnen Miriam Dattke und Domenika Mayer waren mit ihren 2:26:50h, gelaufen in diesem Jahr, schon genauso wie Simon Boch mit seinen 2021 erzielten 2:10:48h schon vor Hamburg für ihren EM-Einsatz ungefährdet. So schwankt den das Regensburger Marathon EM-Potential bis zur letzten Sekunden, dem Nominierungstag am 3. Mai, derzeit immer noch zwischen minimal drei und maximal fünf Teilnehmer/innen. Nächste Woche werden dann die Karten auf den Tisch gelegt. Dann heißt es: Rien ne va plus oder eben alles ist möglich bei der EM „dahoam“.