Fundament1 Schneider Yoshi FotoEin Kommentar von Lothar Pöhlitz*

Ein Geldsegen, 500 Millionen für den Sport, aber wohl kaum für den Kinder-, Jugend- und Schulsport, zumindest gibt es bisher darüber nur Andeutungen. Hoffentlich nicht vor allem für „Gebäude“, den Sportstättenbau und Sanierung, wie die bisherigen Veröffentlichungen glauben lassen. Kinder-Bildung und Kinder-Fitness sind die wesentlichsten Voraussetzungen für Deutschlands Gesundheit, Wohlstand, internationale Konkurrenzfähigkeit und Arbeits- und Wirtschaftskraft in Zukunft. Die Versäumnisse seit Jahren sind riesig. Vor allem mangelt es an Personal, an Trainern in den Vereinen und gut ausgebildeten Sportlehrern für die zu wenigen Sportstunden. Leider wurde in der Vergangenheit, nicht nur bei den Wahlen in NRW und Schleswig-Holstein, von allen Parteien, hoffentlich nicht nur übersehen, dass die „Kids-Bildung - Erziehung und Fitness“ für GERMANYS Zukunft, neben dem Klima, gleichberechtigt wichtig, in den Programmen vorkommt.

Das Fundament für Germanys bessere Zukunft sind unsere Kinder

Durch Jahrzehnte-Versäumnisse und Verluste in den Vereinen und in der Schule hat der Kindersport, haben unsere Kinder psychisch-physisch-soziale und mentale Verluste erlitten und auch an Leistungsbereitschaft verloren, die nur, vor allem durch Beschlüsse der Regierung zum Kindersport in Schule und Vereinen und Beauftragung des DOSB zur Kehrtwende in Richtung Sport-Praxis an der Basis, aufgearbeitet werden können. Durch die Pandemie verstärkt haben sich nicht nur die Kleinen in die Kinderzimmer zurückgezogen.

Da muss man erst einmal abwarten was von den vom Parlament angesagten „500 Millionen Euro für Sportstätten und die Wiederbelebung des Breiten- und Vereinssports“ für den Kinder- und Schulsport übrigbleibt. Da liest man von einem Neustart und einen „Entwicklungsplan Sport“ und fragt sich für welche Arbeit die vielen Sporthauptamtlichen im Lande in der Vergangenheit finanziert wurden. Das ist mit Millionen nicht aufzuarbeiten, für die Versäumnisse auf breiter Front braucht man Milliarden.

Apelle und Wünsche werden nicht dazu führen, dass wieder mehr Ehrenamtliche, wie früher einmal, zur Arbeit in den vielfältigen Sportarten, außerhalb des Fußballs, bereit sein werden. Es werden fachlich qualifizierte, ausgebildete Trainer und Trainerinnen für den verantwortungsvollen Umgang mit 7-12jährigen und deren Erziehung und Gesundheit gebraucht. Und weil nur dort Kinder – wie gewünscht - richtig bewegt werden, wo Trainer sind, müssen an der Basis der Landesverbände mit zur Verfügung gestellten „Mitteln“, zuerst die aktuellen Übungsleiter / A/B/C-Trainer-Lücken geschlossen werden und der DOSB zusammen mit den Sportverbänden schnell die Neu-Ausbildung neuer Kinder-/Jugend-Trainer und Trainerinnen, auch für das Nachwuchsleistungstraining der Sportarten organisieren.

Wer heute noch an frühere Zeiten von „unbezahlt und ehrenamtlich“ glaubt wurde vom aktuellen Denken, vom Fußball-Vorbild, von der Jugenderziehung in den letzten Jahrzehnten, offensichtlich unbemerkt überholt.  

Meine Hoffnung ist erst einmal, bis im „Entwicklungsplan Sport“ beschlossen wurde, wer wieviel Geld erhält, dass die Millionen-Fußball-Fans von Frankfurt – Leipzig Dortmund – München und den anderen, ihre Kids zum Sport, auch zu den anderen  Sportarten, schicken: Schwimmen – Ballsport – Leichtathletik – Wintersport oder zu dem, was in ihrer Umgebung angeboten wird. Auch wenn „die Außen-Wirkung“ sicher lange auf sich warten lassen wird, brauchen wir jetzt eine Praxis-Wende. Nicht nur Deutschlands Sport-Zukunft hängt davon ab.

„SPORTNATION DEUTSCHLAND“ 

nennt Christian Seifert, der Ex-DFL-Boss und S-Nation-Gründer seine Initiative für seine Sport-Start-Up S Nation, um aus dem Gefälle zwischen der Top-1-Sportart Fußball und den Rest aus den lokalen Sportarten ein nationales Medienthema zu machen. „Die anderen Sportarten haben mehr Wahrnehmung und Wertschätzung verdient. Da sieht man einen deutlichen Rückstand in Deutschland. Meine feste Überzeugung ist, dass die Nachfrage nach einer Sportart, nach einer Liga, entsteht nicht an den Spieltagen, sondern dazwischen. Unter der Woche sind diese Sportarten so gut wie nicht präsent. Daran wollen wir etwas ändern. Ein Medienpartner muss bereit sein, viel, viel stärker in Content und Berichterstattung zu investieren“, liest man am 25.5.22 bei BILD. 

Gut wäre auch wenn die Medien baldmöglichst ihre überwiegende Sport -

„Negativberichterstattung“, sogar bis zu Provokationen, in der zuerst immer die Verlierer genannt, kritisiert werden, mit hilfreichen positiv unterstützenden Fachkommentaren für das mehr, schneller, stärker oder weiter beitragen würden.

Der Kinder- Jugend-, Schul- und außerschulische Sport sollte bitte möglichst umfangreich dabei sein.

Solange die Wurzeln krank sind, sterben auch die Kronen

Die zukünftigen Ansprüche erfordern Leistungen, eine starke, wieder auch von China, unabhängige Wirtschaft, Arbeitsplätze, Wohlstand für alle und eine dafür bereite Leistungsgesellschaft. Der Ernstfall hat uns überrascht, die Riesen-Schwachstellen offengelegt, ein langer „Nachhall“ ist zu erwarten. Für die Versäumnisse seit Jahren gibt es keine Ausreden, sondern Schuldige. Auch die Verantwortlichen in der Regierung, im DOSB und den Sportverbänden für den Schul- und Vereinssport haben versagt. 

Jetzt braucht Deutschland das Tesla-Tempo, neben dem Leistungssport, auch für den Wiederaufbau des Kindersports in Schulen und Vereinen.

Die Projekte wie die Tesla-Gigafactory in Grünheide oder die 17 Milliarden-Halbleiter-Firma bei Magdeburg verwundern viele was plötzlich in Deutschland-Ost möglich ist, im Bau-Tempo, in Ansprüchen an moderne Produkte und auch ans Personal. Es sind Leuchttürme von außen, die hoffentlich schnell ins eigene Land strahlen und Deutschland auf den Weltmarkt zurückbringen, unsere Weltfirmen zurückholen ins eigene Land zum Wohle aller. Voraussetzung dafür aber sind die Qualität der Bildung und Leistungskraft des Personals, das zum Niveau der Zeit „als wieder zum Wohle des Bruttosozialprodukts in die Hände gespuckt“ wurde, zurückfinden muss. Da geht es nicht nur um den Sport.

       In den Jahren von 2 bis 20, vom Babyalter bis zum Erwachseneneinstieg, müssen durch wieder andere Ansprüche an Bildung und Bewegung die Organe, Herz und Lungen, die Knochen, Sehnen, Bänder und Gelenke, aber auch Größe und Gewicht, sowie das Gehirn entwickelt, programmiert und auf ein möglichst langes, gesundes, leistungsfähiges Leben vorbereitet werden.

Dafür müssten auch neue Ansprüche an die körperlich-geistige Fitness der jungen Generation durch einen Ruck in der Bildung, Kids-Erziehung und auch im Schul- und Vereinssport schnell für die erforderlichen außergewöhnlichen, bedarfsgerechten Fähigkeiten, auch für die Wirtschaft und Industrie zu transformieren, sorgen. 

Die „Alarme und Bomben in der Ukraine“ überzeugen hoffentlich die vor allem junge Generation das in einer Demokratie das Klima zwar eine große Bedrohung, die Gesundheit und Fitness der jungen Generation aber keine kleinere für unser Land sein kann. Unsere Demokratie braucht Stärke, Leistungskraft und ein starkes Immunsystem, wie Corona es uns gerade gelehrt hat. 

Einen solchen Ruck oder besser Druck zum Handeln braucht auch der DOSB und seine Landesverbände. Sport hätten unsere Kids unabhängig von äußeren Einflüssen viel mehr betreiben müssen und wollen, auch für unser starkes und hoffentlich wieder wehrhaftes Land. Und auch für Deutschlands Spitzensport waren sie doch eigentlich – wie der Name „olympisch“ sagt - zuständig. Das gilt auch für junge Läufer, für Trainer aber auch für die Regierung. Leider gab es in vielen Bereichen unseres Landes, in denen die Ansprüche im letzten Jahrzehnt mit dem Weltniveau nicht Schritt gehalten haben, Niedergang und „die Abwahl“.

Auch die Unzufriedenheit mit dem Niedergang im Sport mit den aktuellen Enttäuschungen bei den Olympischen Sommer-Spielen war ja nicht zu übersehen. Überall gibt es Versäumnisse, in der Wirtschaft und Industrie, der Infrastruktur bei Straßen-Brücken-Bahn, der Digitalisierung, in der Forschung und Wissenschaft, im Klimaschutz und Gesundheitssystem, im Ärztemangel und ihrer Qualität, in der Bildung und Berufsausbildung und im Sport. 

Die vielen Defizite sind das Ergebnis schlechter Bildung und Mängel in der frühen Erziehung schon im Elternhaus, dabei mangelte es doch nicht an Fach-, Hochschulen und Universitäten. Überall waren Lehrer und Dozenten. Und die „Ampel“ scheint es nicht besser zu wollen als die Vorgänger-Kroko-Regierung, die auch mit Sport und auch der „eigenen Bewegung“ für alle gut sichtbar, wenig am Hut hatte.

Die derzeitige Kinder-Fitness-Krise ist für unser Land ähnlich bedrohlich wie die Klimakrise oder die gerade offengelegten Mängeln in der Landesverteidigung. Das Herz schmerzt, wenn man bei den Massen der Fußballzuschauer einmal näher hinblickt. Die dicksten beschimpfen die Spieler am heftigsten, wenn sie Fehler machen. Peinlich auch die Fahrrad-Show von Landwirtschaftsminister und Fußball-Fan Özdemir, anlässlich seiner Regierungs-Vereidigung, er glaubte, dass er das nötig hat, sogar der Fotograf war bestellt. 

Die Gesellschaft muss sich wieder „anders bewegen“, mit Wissen und Können überzeugen und die „Ampel“ und alle, auch die neuen Landesregierungen müssen es wollen und vorleben, am besten sollte man zuerst mit den Kleinsten beginnen.

BILDUNG & KINDER- & SCHULSPORT FOR GERMANY´S - FUTURE

Die junge Generation ist immer weniger konkurrenzfähig, wenig innovativ und leistungsbereit, Studium und die ihnen gebotenen Bedingungen für ihre Ausbildung sind oft noch wie vor 30 Jahren, die alten Professoren offensichtlich nicht auf dem neuesten Stand. Dafür gehen Studenten lieber demonstrieren als zur Vorlesung und ruinieren was ihre Eltern nach 1945 mit Millionen Toten und die Zerstörung unseres Landes, auch für sie, wieder aufgebaut haben. Dabei wissen alle, zumindest die Älteren, wer nicht investiert, wird nicht ernten, wie beispielsweise die Ergebnisse bei den letzten Olympischen Spielen bewiesen haben.   

Es droht ein derzeit noch gar nicht einzuschätzender Leistungs-Gesundheits- und Wohlstandsverlust, weil Deutschlands Nachwuchs auf breiter Front über Jahre geistig und körperlich nicht auf die Anforderungen des Lebens vorbereitet wurde.  Dazu kommen nun auch noch Tausende Corona Geschädigte die viele Jahre als hochwertige Arbeitskräfte ausfallen werden.

Ein neuer „Goldener Plan der Bundesregierung“ darf nicht nur die Sanierung, das Klima, die Modernisierung als auch den Neubau von Sportstätten zum Ziele haben, sondern muss auch einen anderen Kinder- und Schulsport, Jugend- und Leistungssport in den Ländern möglich machen, wollen.

Die Ampel - SPD - FDP und GRÜNE müssten sich endlich auch zur Bildung, Kinder-Jugend-, Schulsport und Olympia bekennen. Für diese Bereiche gibt es Verantwortliche, im Bundestag und in den Ländern, Minister oder Staatssekretäre, alle, auch der Bundeskanzler, werden für Führung, für ihre Aufgaben reichlich entlohnt.

Sie, aber auch die in den Kreis- und Landesverbänden für den Sport „gewählten“, müssten nun reagieren, vor allem auch bedenken, dass auch 27 Millionen Mitglieder in den Sportvereinen in West und Ost nicht nur von GERMANY bei den Olympischen Spielen enttäuscht waren, sondern auch dass die Vorgänger-Koalition den Kinder- und Schulsport so sträflich, auch für die Gesundheit, das Immunsystem der Gesellschaft in der Zukunft, vernachlässigt haben.  

Ein GERMANY-Sportminister und in den Ländern wären die Lösung 

Es wird schwer die großen Versäumnisse bei fehlendem Personal in kurzer Zeit ins Positive zu drehen. Deshalb wäre es sinnvoll in einem ersten Schritt gemeinsam mit den Bildungsministern Bewegungs-Kitas zu schaffen und zu investieren und im Schulsport zunächst in den Klassen   1-4 eine neue Bewegungskultur mit 3-4x2 Doppelstunden Sport / Bewegung und für die Älteren gemeinsam mit Trainern aus ansässigen Sportvereinen den von früher bekannten außerschulischen Sport (z.B. in Ganztagsschulen) neu zu erwecken. Auch dafür wird natürlich geeignetes, engagiertes Personal gebraucht, das die Fenster öffnet und frischen Wind nicht nur in die Sporthallen lässt

Mit den 10-12jährigen anders, mit 13-15jährigen öfter trainieren

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*Lothar Pöhlitz – Dipl.- Sportlehrer für Leistungssport / Sportwissenschaftler / 1959-1971 Trainer und Cheftrainer beim SC Chemie Halle / Verbandstrainer Nachwuchs / 1971 – 1979 Leiter des Wissenschaftlichen Zentrums Lauf - Trainingsmethodik des DVfL / 1979-1985 Sprint-Trainer beim TSV Bayer 04 / 18 Jahre DLV-Bundestrainer 1980 – 1998  / zuletzt Teamleiter Marathon-Straßenlauf / 3x Olympia-Trainer für Deutschland / Langjährig Dozent an der Trainerakademie und DLV-Trainerschule / seit 2006 Leichtathletik Coaching Academy

Layout Bettina Diller