Ein Langstreckenfreund auf der Suche nach Lösungen

Regensburg, 8. Juli 2022 (Kurt Ring) – Es ist mal wieder Sommer. Hochsommer, nicht selten mit über dreißig Grad und Schwüle an sonnigen Nachmittagen und davon gibt es im Juli oft mehr als erwünscht. Weatherspark.com schreibt auf seiner Webseite für Wattenscheid: Die warme Jahreszeit dauert vom 4. Juni bis zum 9. September 3,2 Monate, wobei die durchschnittliche tägliche Höchsttemperatur über 19 °C liegt. Der heißeste Monat des Jahres in Bochum ist der Juli mit einer durchschnittlichen Höchsttemperatur von 23 °C und Tiefsttemperatur von 14 °C. Warum ausgerechnet Wattenscheid zitiert wird? Ganz einfach, weil dort im Lohrheidestadion am 23./24 Juli 2022 die Deutschen U23 Meisterschaften in der Leichtathletik stattfinden. Ein Wettbewerb sind auch die 5.000m der Junioren/Innen. Für die Jungs findet das Finale am Samstag um 18.50 Uhr statt, für die Mädels um 15.25 Uhr. Um dort wirklich gute Leistungen abgeben zu können, brauchen die Läufer/Innen auch gute äußere Bedingungen, die bei Experten wie folgt beschrieben werden: Optimale Bedingungen für Langstreckenwettbewerbe ist eine Temperatur um die 15 Grad plus, keine direkte Sonneneinstrahlung, windstill und klare Luft (keine hohe Luftfeuchtigkeit, Schwüle). Die Wahrscheinlichkeit, dass die Athleten/innen diese vorfinden werden, ist sehr, sehr gering.

Die Erderwärmung lässt grüßen. Die Erfahrungen des letzten Jahrzehnts zeigen uns, dass es selbst um 18.50 Uhr bisweilen schwülwarm ist, an sonnigen Tagen leichte Winde über die Bahn fegen und schon nach wenigen Runden der Schweiß in Strömen fließt und die Beine auf langen Strecken schwerer und schwerer werden. Was nach Abend ausschaut, ist im Juli, im Bereich der längsten Tage des Jahres eben kein Abend. Die Sonne steht noch ziemlich hoch am Himmel, sie geht in Wattenscheid am 24. Juli erst um 21.32 Uhr unter. Noch schlimmer erwischt es die Mädels. Ihre Startzeit am Sonntag ist 15.25 Uhr, in der heißesten Zeit des Tages. 25 Grad im Schatten werden dann auf der bereits heiß abstrahlenden Kunststoffbahn und in der prallen Sonne zu gesundheitlich schädigenden 40 Grad. Muss das sein? Ich meine, man kann’s kinderleicht vermeiden.

Die einfachste Möglichkeit den schlechten Bedingungen für Langstreckler/innen aus dem Weg zu gehen, wäre eine Verschiebung des ersten Veranstaltungstages nach hinten. Also Beginn nicht 13 Uhr sondern 15.30 Uhr mit dem Ende um 22.00 Uhr, unter der Prämisse, dass alle vier Langstreckenwettbewerbe (5.000m, 3.000m Hindernis – männlich und weiblich) in der letzten Stunde des Abends stattfinden, beginnend mit beiden Hindernisläufen. Nirgendwo steht in Stein gemeißelt, dass die 100m Finals immer am Ende des ersten Tages stattfinden müssen wie bisher. Erstens ist der vermeintliche Höhepunkt am Schluss des Tages in Form des Sprints diskriminierend für alle anderen Wettbewerbe und zweitens bevorzugen die schnellen Frauen und Männer Bedingungen, die genau das Gegenteil der für jene der Läufer/Innen ausmachen: heiß und mit Rückenwind eben.

Auch die Zuschauer/innen und Kampfrichter/innen würden diese Maßnahme begrüßen. Wer sitzt, beziehungsweise arbeitet schon gerne fünf bis sechs Stunden in der prallen Sonne bei gefühlt 35 Grad? Ein schöner Nebeneffekt für weiter anreisende Vereine wäre auch auszumachen: Sie können am Samstagmorgen anreisen, dem Freitagsstauverkehr auf Deutschlands Autobahnen aus dem Weg gehen, dabei eine Übernachtung sparen, dann in Ruhe im Hotel einchecken, gemütlich zu Mittag essen und vielleicht sogar noch ein kleines Schläfchen einbauen. Bin ich nun der Einzige in unserer Leichtathletik-Republik, der diese Win-win-Lage sieht? Oder fehlt unserer traditionellen Sportart schon jeglicher Elan zu sinnvollen kleinen Änderungen?