Wer die WM relive sehen will, hat schlechte Karten

Regensburg, 20. Juli 2022 (Ring) –  Weltmeisterschaften und Olympische Spiele in Amerika sind für Fans, die zu Hause geblieben sind, schon immer schwierig gewesen. Die Wettbewerbe finden meist nach Mitternacht bis ins Morgengrauen statt. Da brauchst du dir nicht wie noch vor dreißig Jahren die Nacht um die Ohren schlagen, es gibt ja das Internet – so dachte ich jedenfalls im vollen Vertrauen auf ARD und ZDF, die der Leichtathletik schon in schlechteren Jahren die Treue gehalten hatten. Schließlich konnte man das auf Grund der Tour de France Berichterstattung auch für die Leichtathletik WM erwarten. Weit gefehlt! Schlechte bis gar keine Kommentare bei viel zu kurzen Clips der Höhepunkte eines Tages, Zusammenfassungen eines Tages in fünf bis acht Minuten, nirgends vernünftige Ergebnistableaus – einfach alles nur oberflächlich im Schlaglichtaufmachung und zudem noch schlampig präsentiert.

Eigentlich hätte man es wissen müssen, spätestens nach dem auch von ARD und ZDF produzierten Livestream von den Deutschen Meisterschaften in Berlin, der am Ende samt Bildregie total zusammenbrach. Liebe Freunde von Fernsehen. Ihr seid immer noch die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten, vom Steuerzahler, also auch von uns allen finanziert. Könnt ihr es nicht mehr oder wollt ihr nicht mehr oder andersrum: Könnt ihr nur noch Yellow Press oder Katastrophenschlagzeilen? Oder seid ihr nur mehr auf der Jagd nach Quoten auf dem Niveau von Instagram? Berichterstattung im ursprünglichen Sinne ist das jedenfalls nicht im Geringsten. Es soll ja schließlich noch geistig strukturierte Menschen geben, die von Fernsehanstalten zunächst die Tatsachen und dann Hintergründe dazu erfahren wollen.

Gott sei Dank habe ich noch eine Aufzeichnungsfunktion in meinem TV-Gerät integriert. Jetzt habe ich die Schnauze voll von euren Mediatheken, jetzt zeichne ich wie in alten Zeiten die Liveübertragung auf und muss mich nicht ständig auf der Suche nach der vergangenen Nacht durch tausend Bildchen auf euren Mediatheken klicken. Glaubt es mir: Es geht alles viel einfacher, man muss nur ein wenig strukturiert denken können und in den meisten Fällen reicht ein kleiner Satz als Wegweiser zu dem, wo man hin will. Man muss es einfach mal festhalten: Analog zur deutschen Leichtathletik habt ihr Programmmacher euch leider auch nach hinten entwickelt. Fasst das bitte nicht als Kritik auf, lediglich als Feststellung, weil es noch genügend Sportfans gibt, die nicht mit dem Bayertrikot ins Bett gehen, sich ins Kopfkissen von Borussia Dortmund kuscheln, von Lewandowskis Toren träumen und am Morgen sofort nach dem Aufstehen die Sportschau (sorry – natürlich Fußballschau!) einschalten.