Ein kritischer Lösungsansatz von Lothar Pöhlitz 

© Lothar Pöhlitz* – Nein, nein – so kann es nicht weitergehen. Das Schönreden muss beendet werden, Deutschlands Leichtathleten bei der WM waren chancenlos im „Schock“, der alten Maßeinheit für 60 Stück, brauchen Veränderungen. Die große Enttäuschung wird durch Olympiasiegerin Mihambo, die mit 7,12 m Gold gewann, nicht geringer, auch weil der Abstand im Mittel- und Langstreckenlauf zum Weltniveau nicht verkürzt werden konnte, von Medaillen ganz abgesehen. Die Grundleistungen für unsere Konkurrenzfähigkeit gegen „die Welt“ sind in der Mehrzahl der Disziplin viel zu niedrig, die Dichte in der Spitze hat weiter zugenommen. Die Hoffnungen auf Wunder überwogen bis zuletzt, vor allem in der „Zentrale“. Und die Olympischen Spiele in Paris sind sehr nahe.

Die „last minute-Medaillen“ des letzten Tages können die Dramen, die Talfahrt, die „Schmerzen der Fans“ in den 9 Tagen zuvor nicht verdecken. Es ist Zeit für Wahrheiten, Taten, Trainer, Ansprüche, Kindertraining, Nachwuchsleistungstraining und Trainingsbedingungen für Spitzenleistungen. Sie sollten, müssen endlich mit jedem Einzelnen die Zusammenarbeit suchen der/die Beiträge zur Gesundung leisten könnte.

 

       Ein Bekannter stellte mir die Frage: Im Schützenverein wurde bei 80 Versuchen nur 1 Treffer erzielt, wer war schuld? Das Schützenhaus, der Verein, das Gewehr, die Munition oder der Schütze  

GERMANY muss wieder zu den Besten in der Welt gehören wollen. Da waren ein paar Leistungen für uns sogar jenseits von Gut und Böse. Für das „zurück aus dem Tal“ wird auch die Politik gebraucht, den anderen Sportarten geht es ja auch nicht viel besser. Und es erfordert vom dafür zuständigen Personal aller Altersklassen sowohl die BASICS-Arbeit, das Nachwuchsleistungstraining, aber auch den Weg zu Spitzenleistungen möglichst schnell „anders“ zu organisieren. 

Leistungsprinzip für die Olympische Leichtathletik bedeutet doch die Latte am Weltniveau zu orientieren, immer höher zu legen, weiter zu werfen oder die Läufer müssen nicht nur immer schneller laufen, sondern durch die neue Leistungsdichte auch über höhere Endkampfqualitäten verfügen.  

Nicht Masse, 80 Nominierte, sondern Klasse kann bei WM oder OS im Sprint, Sprung, Lauf und Wurf um Medaillen oder wenigsten Top 8 kämpfen. Das Leistungsprinzip muss zum DLV zurück, auch bei künftigen Nominierungen, weil es gleichzeitig den Maßstab für WM- oder Olympiateilnahmen und das Training vorgibt. Man stelle sich vor: da werden unsere Sprinter in den Einzelstrecken für die Staffeln geschont, während die Sprinter der Welt mit spektakulären Leistungen das Publikum begeisterten. Sicher hatten auch die DLV-Verantwortlichen die Hoffnung, dass sie mit ihrem mittelmäßigen Einzel-Leistungsniveau mit ihren 4 Staffeln in letzter Minute vielleicht doch noch etwas retten können. 

       Inzwischen peinlich ist aber auch, wenn Michael Reinsch bei FAZ Leistungen anzweifelt, nach dem tollen Weltrekord über 400m Hürden die Amerikanerin Sydney McLaughlin gleich wieder mit der Doping-Keule aus der Hochzeit des Dopings in den 80igern (Achtung: das ist 40 Jahre her und es gab Doping nicht nur im „Osten“) konfrontiert.

Wettkampferfahrungen muss man doch in den Jahren vor solchen Höhepunkten dort sammeln, wo die zukünftige Konkurrenz läuft. Dann muss man sich auch nicht über den plötzlichen ungewohnten Druck entschuldigen. Und auch den oft gehörten Verweis nach dieser Pleite auf Wiedergutmachung bei den Europameisterschaften sollte man für Spitzenathleten nicht gelten lassen, vielleicht wollten sie gar nicht „richtig performen“ in den USA, nur für die EM üben. Man hat das Gefühl sie waren gar nicht für diesen „plötzlichen“ Kampf gegen die Weltbesten „trainiert“. 

Wir brauchen wieder Präsenz der Leichtathletik neben dem Fußball in den Medien damit sie nicht wieder nach den Olympischen Spielen 2024 oder 2028 über sie herfallen müssen. Deshalb wäre es toll, wenn „die Medien“ – wie früher – die Leichtathletik wieder positiv-kritisch, begleiten würden. Sie brauchen Hilfe und keine Häme. Es wäre hilfreich, wenn neben der, vor allem Negativberichterstattung, beispielsweise auch über „positive Arbeit an der Basis, im Schulsport, den Eliteschulen des Sports oder über Kids-Sport in den Vereinen“ berichtet würde. Es gibt genug Sendungen, die man ohne große Verluste ersetzen könnte.

Auch wenn das damals unter anderen politischen Bedingungen möglich war, erkämpfte „das neue Deutschland“ bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona insgesamt 82 (33 G - 21 S - 28 B) Medaillen, die Leichtathleten 10 - davon 4 x G / 1 x S / 5 x B Medaillen als Dritte in der Nationenwertung. Seitdem hat der DLV allein die Verantwortung für die Olympische Leichtathletik übernommen. Weltniveau zeigen inzwischen die anderen. 

Die Bedingungen, die Trainingsqualität und Mentalität entscheiden über Fortschritte.

Die Olympische Leichtathletik braucht Profis & professionelle Strukturen 

Standortbestimmung DM Berlin – wahre Stärke zeigen - Maßstab Weltniveau vor der WM – Hoffnung, das war der Meisterschafts-Auftrag der Chef-Bundestrainerin Anett Stein: „natürlich wäre es schön, wenn wir bei den Weltmeisterschaften in Eugene mehr Medaillen holen als zuletzt bei den Olympischen Spielen“, hoffte sie. Sie weiß genau das Weltmeisterschaften und nicht eine Heim-EM der Maßstab für Olympische Spiele sind. Die Selbstheilungskräfte, von denen Malaika Mihambo einmal sprach, haben nicht geholfen. Viel Schatten, wenig Licht, Verletzungsausfälle, oder auch „zu viele“ mitgenommen und dann ist es doch auch kein Wunder, wenn GERMANY im Medaillenspiegel auf Platz 19 liegt.

Spezial-Disziplin-Trainer - hochbegabte Talente und ihre professionelle Ausbildung unter Hochleistungstrainingsbedingungen im Team sind Voraussetzung für außergewöhnliche Leistungen

Schon im Sportstudium lernte ich: Medaillen können nur die erkämpfen, die am Tag X gesund gegen die Weltbesten am Start stehen.

Kinder- / Jugendtraining Basis für Spitzenleistungen in den Laufdisziplinen          

Die Frage ist offen: wer verhinderte eigentlich den Nachwuchs- und Hochleistungssport in den Jahren, den Schulsport und das Kindertraining in den Vereinen. Verfügen wir nicht mehr über das dafür notwendige Wissen, Know-how und Personal. Wo ist unser Wohlstand auch dafür hin. Es gibt trotz vielfältiger Beschlüsse nicht die gewünschten, angestrebten Ergebnisse, nicht die materielle Ausstattung, nicht die Arbeits-Qualität, auch um beispielsweise die Trainer-Defizite durch Bestbesetzungen – wenn nötig auch aus dem Ausland - was im Fußball selbstverständlich ist, zu korrigieren. 

„America first - Feiertage mit Stars und Stripes 

bei den Heimspielen in Eugene“, titelte FAZ und wie sie Recht hatten. Mit 33 Medaillen und 13x Gold boten sie eine beeindruckende Show für ihr Publikum. Und in den Läufen haben die Afrikaner weitere Fortschritte gemacht. Der Kampf um die Medaillen bei solchen Höhepunkten der Leichtathletik ist noch härter geworden. Germany belegte mit 1x Gold und 1x Bronze in der Medaillenwertung Platz 19, da darf man ruhig einmal hervorheben, dass da die Frauen im Mittelpunkt „ihrer Feierlichkeiten“ standen.

   G  S  B  Gesamt
 United States  13  9  11  33
 Ethiopia  4  4  2  10
 Jamaica  2  7  1  10
 Kenya  2  5  3  10
 PrChina  2  1  3  6
 Australia  2  0  1  3
 Peru  2  0  0  2
 Polen  1  3  0  4
 Canada  1  2  1  4
 Japan  1  2  1  4
 Great Britain  1  1  5  7

 

Deutschlands Starter hatten sich alle vielmehr vorgenommen, sagten sie danach, woran es nur gelegen haben könnte. Die Medien und leichtathletik.de hatten ihnen in den Vorbereitungsjahren nicht vermittelt welches Niveau Weltniveau bedeutet, zu was die Weltbesten in den 48 Disziplinen fähig sind. Wenn sie zu jung sind, warum haben wir keine besseren-ältere. Die Medien könnten demnächst der Leichtathletik helfen, auch damit die Leute wieder in die Stadien kommen. 

Und was „das Personal“ betrifft sollte sich keiner ausgenommen fühlen, nicht mit Fingern auf die anderen zeigen, alle sind an diesen Ergebnissen beteiligt.

An nur drei Beispielen – den 1500 m Finale der Frauen und Männer und 3000 m Hindernis der Frauen – soll einmal verdeutlicht werden, was für ein Leistungsniveau gegenwärtig die Weltbesten in den Laufdisziplinen haben. Für Gold – Silber – Bronze zeigten sie am 18.7.22 mit 3:52,96 – 3:54,52 – 3:55,28 Minuten ihr wahres Können und für den 8.Platz brauchte man noch 4:01,98 Minuten. Ein Sensationsergebnis bei einem Höhepunkt das la.de nur 2 ½ Zeilen wert war. Auch über 1500 m der Männer wurde mit 3 x 3:29 plus 3 x 3:30 Minuten auf den ersten 6 Plätzen der Maßstab für die nächsten Jahre vorgegeben. Im 3000 m Hindernis der Frauen wurde mit drei Leistungen unter 9 Minuten (8:53,02 / 8:54,61 und 8:56,08 Minuten) das schon länger erwartete neue Leistungsniveau der Besten für demnächst demonstriert.

Als langjähriger Trainer in diesem Profigeschäft sehe ich die nicht ausreichende Mentalität vieler junger Läufer und Läuferinnen weniger in den Rennen als vielmehr schon im Training. Warum reicht es in den Rennen nur für die ersten zwei Drittel, und das auch noch zu langsam.  Alles beginnt doch an der Basis, bei den Abt. Leistungssport bei den Landesverbänden. Im Profi-Fußball ist der jährliche Wechsel zu einem namhaften Coach, besseren Verein / Bundesstützpunkt (dafür wurden sie doch geschaffen) nur für die „Heim-Journalisten“ ein Problem, in der Leichtathletik würde sich das bestimmt in den Bestenlisten-Plätzen spürbar auswirken. Die Kader, ihre Trainer und Funktionäre arbeiten doch im Hochleistungssport für die Konkurrenzfähigkeit unserer Besten in der Welt.

Ein Projekt Olympischer Hochleistungssport wäre nun dringend 

Es braucht Jahre bis GERMANYS Spitzensport - von Einzelnen abgesehen - wieder von den Podien dieser Welt jubeln kann, im Medaillenspiegel vorn auftaucht. Aber wir dürfen nicht kapitulieren. Die Leichtathletik ist am Ende der Saison 2022 in einer schwierigen Lage. Wer übernimmt jetzt die Verantwortung. Die WM ermöglicht eine umfassende Bestandsaufnahme für einen Olympia-Kader und einen Perspektiv-Kader im Sprint/-Hürden, Lauf/Gehen, Sprung / Mehrkampf und Wurf/Stoß. 

In den Läufen wurden von den möglichen 36 Plätzen auf den 12 Strecken bei Frauen und Männern bei der WM in Eugene 19 gar nicht besetzt. Der Rest war beim sportlichen Höhepunkt des Jahres gegen „die Welt“ nicht konkurrenzfähig.

Während es in der Fußball-Spielfreien-Zeit um kaufen und verkaufen geht, die „Stare, Helden und Super-Talente“ für Millionen die Ländergrenzen wechseln, sich die Medien über Ablösesummen zwischen 40-100 Millionen € und mehr und Traumgehälter, „finanziell in noch nie dagewesenen Dimensionen“ (FAZ vom 22.6.22) oder bei BILD „kehrt ein Held zurück in die Bundesliga“ und weniger über Training oder Leistungen berichten, sich regelrecht überschlagen, wenn einer zu Bayern München wechselt, wurde über die Leichtathletik-WM wieder mit Häme über nicht einmal Blech- oder Holzmedaillen – ohne über vergleichsweise „Athleten- und Trainer-Armut“ zu reden - berichtet und sie schämen sich für solche Nicht-Vergleiche nicht. 

Sie sagen nicht, dass sogar die „Schein-Profis in den 48 Disziplinen“ - wenn sie sich nicht in den USA ohne Mitwirkung des DLV vorbereiten - auch um ihren zukünftigen Beruf kümmern müssen, vom Profitraining nicht leben oder eine Familie ernähren können oder in den Sportschulen bisher – wie man weiß – nicht einmal täglich im Nachwuchsleistungstraining vorbereitet werden, Trainer fehlen – oder mahnen die Landes-Regierungen nicht sich endlich um den darniederliegenden  Kinder- und Schulsport, zu kümmern.

Wenn auch nicht in den Dimensionen der neuen 150 Millionen DFB - Akademie muss der DLV endlich auch investieren, nicht in Gebäude, in Personen, Weltniveau-Wissen und Know-how, und dass jeder in seinem Job, auch vor Ort in der Provinz, auch um ihnen zu sagen was sie besser machen müssen. Im Fußball fliegen die „Stare, die Super-Talente“ fertig durch die Welt, in der Leichtathletik müssen die Baby-Talente in 10-12 Jahren aufgepäppelt werden. 

Neben Fußball gab es noch 32 andere Sportarten bei den Olympischen Spielen damals in Tokyo – da sie alle Talente suchen, um in Zukunft erfolgreich zu sein, müssen „Lauf-Scouts“ schneller und in allen LV fündig werden, so sie sie eines Tages wieder „im Angebot“ haben. 

Auch die Aus- und Fortbildung muss auf den Prüfstand

Da muss auch mal die Frage erlaubt sein, wo sie alle hin sind, die in den vielen Jahren in der DLV-Akademie / Trainerschule, der Trainer-Akademie und den Instituten ausgebildet wurden. Da sollte die Frage nicht lauten, ob die Gebäude oder die bestehenden Konzepte konkurrenzfähig sind, sondern warum das richtige Personal fehlt oder nicht „Weltniveaufähig“ ist. 

TALENTE - PROFISPORT - TRAINER-TEAMS - TRAININGSMETHODEN

Hochleistungssport in der Leichtathletik bedeutet sich immer wieder, über Jahre zu motivieren, mit den Weltbesten mithalten zu wollen – tägliches Training im Kinder- und Jugendsport, 12 TE/Woche und 25-30 Stunden für Spitzenleistungen zu „arbeiten“, natürlich sind Medaillen die Ziele. Hochbegabte müssen es wollen – die Bedingungen dafür müssen ihnen aber zur Verfügung stehen. Warum trainieren die Besten in den Disziplinen nicht in Schwerpunkt-Disziplinen bei Spitzen-Trainern, die es schon bewiesen haben, in deren Vereinen oder in BSTP? Bis zu den Olympischen Spielen 2024 in Paris gilt es nun die 24 Monate schnell zu nutzen, aber mit den richtigen Konsequenzen. Dabei stellt sich jetzt natürlich zuerst die Frage wer ist demnächst dazu bereit.

TRAINER - MENTALITÄT - WISSEN - MOTIVATION

Im internationalen Spitzensport trainieren hochbegabte Lauftalente mit starken Trainingspartnern bei professionellen Trainern, optimaler sportmedizinischer Begleitung, um die Sehnsüchte vieler sportbegeisterter Fans und der Medien, nach Erfolgen bei Europa -, Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen zu erfüllen. Dafür, aber auch für die Gesundheit und Leistungskraft der Nation, müssen endlich, zuerst der Schulsport und das Kids-Training in den Vereinen, als Basis für Erfolge vielleicht schon 2032 in Australien, sich bald wieder an früheren Ansprüchen orientieren. 

       Im Schwimmen hat Florian Wellbrock den vor Jahren vorgenommenen Wechsel von Bremen nach Magdeburg zum „Erfolgstrainer“ – Bundes- und Heimtrainer Bernd Berkhahn nicht bereut. Nach Olympiasieg und Weltmeisterschaft beschreibt er seinen Anteil an seinen Leistungen so: 

       „Bernd Berkhahn ist durch und durch Perfektionist. Er ist ein Mensch, der sportlich betrachtet sehr, sehr schwierig zufriedenzustellen ist. Gerade was Technik und Geschwindigkeiten angeht, da geht bei ihm immer noch ein bisschen mehr. Andere Trainer wären schon früher zufrieden“. (Westfalensport / Hohenlimburg 18.6.2022)

Fleiß, Mentalität, Disziplin, Trainingsqualitäten, Höhenketten, Geschwindigkeiten und Streckenlängen, differenziert für die KZA, MZA, LZA-Disziplinen entscheiden letztendlich über das Tempo von Leistungsfortschritten. Dafür muss man aber Talente trainieren. Entwickelt sich die Leistung nach zwei Jahren Training bei Spitzentrainern nicht, sollte man für die nächstlängere Strecke trainieren, indem man die erreichten Geschwindigkeiten zunächst beibehält, den Umfang erhöht, die Trainingsstrecken verlängert und die aerob-anaerobe Basis (Schwelle / VO2max) weiterentwickelt. 

Wettkämpfe sind nie besser als das Training

Für Erfolge muss man auch Zeit für die Wiederherstellung nach harten TE nutzen

Für Spitzenleistungen nutzt die internationale Trainingspraxis anatomische Lauf-Talente in professionellen Management-Strukturen und kombiniert die verschiedensten Trainingsformen offensichtlich besser als wir. Kids-Basistraining, Grundlagenausdauer (GA), das aerob-anaerobe VO2max-Training, die spezielle Ausdauer (SA), die wettkampf-spezifische Leistungsfähigkeit (wsA), das „UMO“- Ganzkörper-Krafttraining, die Techniken, die Plyometrics, das Höhentraining und das Regenerationstraining. Am Ende eines jeden Trainingsjahres muss alles – wenn auch schwerpunktmäßig entwickelt – besser sein als zu Beginn.   

Dazu gehört auch die Gründe für die „Verluste bei der Überführung von jungen Talenten in die Leistungsebene der Erwachsenen“ aus den letzten Jahren endlich einmal zu analysieren und zu veröffentlichen, um sie zu reduzieren. 

Unsere Gegner in den Laufdisziplinen kommen nicht nur aus Kenia, Äthiopien oder Uganda. Die Spitzenleistungen der USA-Uni-Lauf-Teams resultieren aus professioneller Collegearbeit mit einem beispielhaften Wettkampfsystem, bei Rundumversorgung der Hochleistungsläufer auch durch Unterstützung großer Sportartikelfirmen. Germany hat doch mit NIKE auch eine Große. Nicht wenige vorher unbekannter junger deutscher Läufer und Läuferinnen haben es relativ schnell nach ihrem Wechsel in eine der Universitäten in die deutschen Bestenlisten geschafft. 

       Ein Beispiel: Anna Elendt, inzwischen Weltspitze im Schwimmen, ging nach dem Abitur mit 18 - 2020 zur University of Texas um Sport-Management zu studieren und in einer Trainingsgruppe mit 25 Mädels zu trainieren. Bei WELT vom 18.6.2022 berichtete sie:

„Die Bedingungen für eine Leistungssportkarriere sind optimal. Hier wird alles so gelebt und für dich möglich gemacht, dass du für Sport und Studium gleichermaßen Zeit hast. Das Trainingspensum und die -inhalte unterscheiden sich deutlich – anfangs eine große Umstellung. Ich hatte früher nicht so viele Einheiten und habe auch nicht so intensives Krafttraining gemacht“, erzählt sie. Die Wege sind enorm kurz, die medizinische, physiotherapeutische und sportpsychologische Betreuung perfekt, zudem haben die Athleten eine eigene Mensa mit einem Essensangebot, von dem Elendt richtig schwärmte. (www.WELT.de 18.6.2022)

Fazit: Deutschlands Eliteschulen des Sports müssen baldmöglichst zu den lange erwarteten Nachwuchsleistungszentren werden

Besser wäre es also, wenn der DLV seine besten Lauf-Talente nicht länger in Amerika ausbilden lässt, selbst ist der Mann oder die Frau. Die Besten öfter in gemeinsamen Höhen-Trainingsmaßnahmen bei „ihrem“ Disziplin-Bundestrainer in Abstimmung mit den Heimtrainern – wie es in den 80iger/90iger Jahren üblich war - längerfristig auf Spitzenleistungen vorbereitet werden. 

Die wichtigsten Voraussetzungen zur Erhöhung des Entwicklungstempos im Laufen sind Wissen, die notwendige Zeit für die vielen Ausbildungsaufgaben des Hochleistungstrainings, die 20-30 Trainingsstunden pro Woche, kompetente, anwesende, qualifizierte Trainer, eine moderne, auch frühere Nutzung des Höhentrainings sowie eine andere, offensive tägliche sportwissenschaftliche Begleitung des Trainingsprozesses durch entsprechende Teams (Sportmediziner, Physiotherapeuten, Psychologen, Ernährungswissenschaftler) und eine Führung im DLV, den Bundesstützpunkten und Landesverbänden, die „das Ganze“ fachlich-organisatorisch in der Praxis eines Tages dann möglich machen. 

Trainer – Mentalität, Wissen & Motivation entscheiden über jede Sekunde schneller

Der in den letzten Jahren stürmische Entwicklung in den Laufdisziplinen lässt die Prognose zu, dass die DLV-Besten eine Zugehörigkeit zur Weltspitze (als Voraussetzung zu einer erfolgreichen Teilnahme an WM / OS - Finale / Platz 1-8) in den nächsten Jahren folgende Leistungsvoraussetzungen braucht: 

 Disziplin  Männer-Zeiten  Frauen-Zeiten
 800 m  1:43,0  1:56,5
 1500 m  3:30,5  3:57,0
 5000 m  12:50  14:35
 10000 m  26:50  30:15
 3000 m Hi  8:05  9:00
 Marathon  2:05:00  2:20:00

 * Dabei ist davon auszugehen, dass für vordere Platzierungen bei internationalen Höhepunkten auch bei Taktikrennen eine solche Leistungsfähigkeit erforderlich ist

 Aus der Trainingslehre für alle Lauf-Strecken wissen wir, das es für individuell neue Leistungsbereiche notwendig ist dem Organismus immer mehr Sauerstoff zur Energiegewinnung zur Verfügung zu stellen, um schneller trainieren zu können. Das ist für die Verbesserung der maximalen Sauerstoffaufnahmekapazität (VO2max) und der Laktattoleranz für die unterschiedlichen Strecken (bis 10 mmol/l) Voraussetzung.

Der Auftrag ist: schneller trainieren

Hat man im Training seine Grenze in der aerob-anaeroben Leistungsfähigkeit erreicht helfen kurze, sehr schnelle anaerobe Läufe mit kurzen Pausen oder auch Bergantraining und ein neues spezielles Kraftniveau. 

Notwendig ist schließlich den Umfang des wsA-Trainings, des wettkampfspezifischen Ausdauer-Trainings (im Bereich von 95-105 % des Renntempos) zu steigern. Das ermöglicht die Arbeit in den vorbereitenden Mesozyklen, den MEZ-Basis-Trainingsphasen. Wer aber aus den Aufgaben eines Mesozyklus nicht besser hervorgeht als zu seinem Beginn, seine Defizite nicht reduzieren konnte, hat Zeit vergeudet.

Lauf-Erfolge sind letztendlich das Ergebnis von immer besserem Training „wettkampfnah in Strecke und Geschwindigkeit“ (die Summe um 75% der Zielstreckenlänge bei 95-105% v. RT)

Hochleistungssport erfordert Hochleistungstraining über Jahre

Weltniveau ist das was im Juli 2022 in Eugene / USA gezeigt wurde. Läufer die eine solche internationale Konkurrenzfähigkeit, Erfolge bei Top-Events, eine erfolgreiche Teilnahme bei Europameisterschaften, Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen anstreben, müssen unter professionellen Bedingungen ihre Trainingsbelastung von Jahr zu Jahr dafür erhöhen. Weniger als 10-12 TE pro Woche, weniger als 25-30 Wochenstunden Training + 6-8 Stunden Physiotherapie führen in den Laufdisziplinen nicht in die Weltspitze. Im Jahr werden so in Abhängigkeit von der Disziplin (800m-Marathon) zwischen 800 - ~1400 Stunden (bei 48 Trainingswochen) im Heim- und Lehrgangstraining absolviert. Dabei bedeutet weniger Stunden natürlich mehr Qualität. 

Ohne „Doppelschichten“ bei 30 Wochenstunden gibt´s keine Medaillen bei den großen Events. Und wenn die deutsche Leichtathletik dies wieder will, müssen für die Talente, die Hochbegabten, die notwendigen Bedingungen bereitgestellt werden. Hochleistungssport ohne professionelle Bedingungen und Profi-Coaches führt zumindest im Mittel- und Langstreckenlauf bei der gegenwärtigen internationalen Konkurrenz nicht zu Medaillen und nicht zur gewünschten Darstellung in den Medien.

Dafür werden Strukturen, Führung und Personal gebraucht, wenn Talente für Wettkämpfe trainieren und eines Tages mit Medaillen nach Hause gehen wollen / sollen.

Bleibt gesund, ich wünsche Euch demnächst Olympia-Erfolge

Trainer sind – musste ich in der Praxis auch erst lernen - Fachtrainer – Motivatoren - Impulsgeber – Tröster – Pädagogen – Psychologen – Physios - auch mal ein bisschen Arzt - Vorbilder – Fahrer – Persönlichkeiten - Papa/Mama - Manager - Organisatoren – Koordinatoren – Trainingspartner - Scouts und am besten auch Goldschmied.

Hast Du ein Talent gefunden gib keine Ruhe, suche weiter – Dein Trainerleben dauert mehrere Läufer-Leben

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*Lothar Pöhlitz – Dipl.- Sportlehrer für Leistungssport / Sportwissenschaftler / 1959-1971 Trainer und Cheftrainer beim  SC Chemie Halle / Verbandstrainer Lauf-Nachwuchs / 1971 - 1979 Leiter des Wissenschaftlichen Zentrums für Trainingsmethodik Laufen des DVfL / 1979-1985 Sprinttrainer TSV Bayer 04 / 18 Jahre DLV-Bundestrainer von 1980 - 1998 - Mittelstrecke, Langstrecke, Marathon / zuletzt Teamleiter Marathon / Straßenlauf / 3x Olympia-Trainer für Deutschland / Langjähriger Dozent an der Trainerakademie und DLV-Trainerschule / 2006-2020 Leichtathletik Coaching Academy / 4 Lauf-Fachbücher