„Den Bessermachern“ – ein Lob zum Jahresende
© Lothar Pöhlitz*
Wieder ist ein Wettkampf-Jahr zu Ende, für Trainer, wie immer mit Fortschritten, Erfolgen, Stagnation oder auch Verletzungsausfällen. Heute soll einmal „das große Trainer-Lob“ verteilt werden, das meist zu selten nach kleinen oder auch großen Erfolgen ihrer Läufer*innen von ihrem Umfeld oder den Medien auf sie einprasselt. Sie haben sicher es auch 2026 wieder bemerkt, sogar nach Medaillen werden sie „vergessen“, kommen bei der Übertragung oder in den Medien nicht vor. Auch wenn ihn die Fortschritte „seiner Lieben“ zufriedengestellt haben, so ist es eben. Trainer denken schon bald, nachdem sie ihren „Goldfisch“ in den Arm genommen haben, trösten oder loben, an das Morgen, an die Aufgaben, die die Trainingslehre ihnen aufträgt, das nächste Rennen oder die vielen Jahre, die noch kommen.
Trainer werden ist nicht schwer, Trainer
bleiben, dagegen sehr
Es gibt nicht nur die Trainingslehre, es gibt auch die Trainer-Lehre. Wenn sie zum Trainer geboren sind, nach Jahren an der Bahn oder im Kraftraum standen, „das Talent“ gefunden haben, den Blick auf die individuellen Stärken und Schwachstellen gerichtet haben, die Lehren über Regeneration, Schlaf, Ernährung und auch Leidenschaft und dem Wollen vermittelt haben, und dann kam beim großen Höhepunkt der Griff ans Bein, die Verletzung, die Niederlage, über die danach nur kurz erwähnt, sonst keiner spricht.
Also geht es weiter, der nächste Höhepunkt kommt, inzwischen jedes Jahr eine EM, WM oder OS. Die Entwicklung der körperlichen, technischen, taktischen und psychischen Voraussetzungen, um die persönlichen Möglichkeiten ohne Verletzungen demnächst auszuschöpfen, es vielleicht endlich einmal zum Erfolgstrainer zu schaffen, natürlich auch mal Lob und Anerkennung zu erfahren.
Wenn man die Trainingslehre als zusammenfassende Erfahrungen und Erkenntnisse der Trainingspraxis, Sportmedizin, Sportwissenschaft, Sportpsychologie und Bewegungslehre mit dem Ziel immer besserer Wettkampfergebnisse verbindet, müssen Trainer von Talenten im Leistungssport die moderne Trainingslehre im umfassenden Sinne anwendungsbereit beherrschen. Eigentlich sind sie zum Sportstudium gegangen, um eines Tages jedes ihrer Mädchen oder Jungen jeden Tag ein wenig besser zu machen. Dafür haben sie es sich bestimmt auch vorgenommen das Wort Stillstand aus dem Sprachgebrauch zu streichen.
Aber die Zeit schreitet voran, viel schneller als man denkt und die anderen, im Lauf vor allem die aus den hohen Bergen, laufen schneller und schneller, inzwischen nicht nur im Marathon, sondern auch über 400 und 800m.
Erfahrungen, Gedanken und Anregungen aus einem langen Lauf-Trainerleben,
um die eine oder andere kleine geerbte Schwachstelle nicht nur bei den vielfältig ausgestatteten jungen Läuferinnen und Läufern und natürlich bei sich selbst zu entdecken, aufzuarbeiten, um auch in Zukunft bei der Trainingsarbeit mit jungen Talenten immer ein reines Gewissen zu haben. Die Dopingproblematik steht immer im Raum, wenn außergewöhnliche Leistungen zu neuen Rekorden führen.
Im Leistungssport soll die beste sportliche Form, die neue persönliche Bestleistung, zum jeweiligen Jahreshöhepunkt der verschiedenen Altersklassen, der Maßstab sein. Voraussetzung fürs Podium sind die Sekundengewinne und die vielen p.B. in den verschiedensten Trainingsübungen. Dafür reicht das Wissen von damals inzwischen meist nicht mehr.
Sie müssen gelehrt bekommen was sie besser,
anders machen und anwenden sollen
Liebe Kolleginnen und Kollegen bedenkt in Eurer Trainingsarbeit, das nicht jedes Talent wunschgemäß „perfekt ausgestattet“ ist, Eure Trainerarbeit zielt deshalb auch darauf mit Geduld und Empathie Talente zu finden und a l l e ihre Anlagen entsprechend besser machen zu wollen, in der Hoffnung, dass doch eines Tages einmal „Dein Goldkörnchen“ von einem hohen Podium winkt.
In den 2-3 täglichen altersabhängigen Trainingsstunden - für die vielen Detail-Ausbildungsaufgaben - sollten Trainer unabgelenkt für ihre Athleten da sein, natürlich ohne Handy- oder Umfeldkontakte, schon in der Einlaufarbeit – die auf das jeweils nachfolgende Training „vorbereitet“ - ist vieles zu korrigieren und nach dem Auslaufen noch das eine oder andere positive oder auch negative Wort zum gerade vollbrachten zu wechseln. Alles trägt dazu bei, das Gehirn zu programmieren. Schließlich ist demnächst die p.B. und später zum jeweiligen Jahreshöhepunkt die Meisterschaft das gemeinsame Ziel.
Wenn ein Trainer d a s Talent gefunden hat, geht es jeden Tag um Detail-Verbesserung und auch um Vermittlung von Wissen und seiner praktischen Umsetzung, mit denen man Sekunden oder auch Minuten gewinnen kann. Um das Gesamtsystem zu optimieren und das Gehirn zu programmieren sollte er/sie jede Trainingsstunde anders nutzen. Trainererfahrung ist aber auch, dass wenn Du ein Talent gefunden hast, gehe sofort los, um ein weiteres zu finden.
Am besten wäre, wenn Lauftrainer schon früh immer eine/n andere/n aus der Gruppe zum Pacemaker bestellen, ihm die jeweilige Aufgabe mitgeben, um die Effektivität der Lauf-Trainingseinheiten zu erhöhen.
Natürlich gehört die Wettkampflehre schon früh zu den Ausbildungsaufgaben. Zwei Aufgaben pro Rennen und ihre „Abrechnung“ am Tag nach dem Rennen widerspiegeln die Fortschritte oder auch Stagnation in der Trainingsarbeit.
Es ist auch sinnvoll, interessierte Eltern einzubeziehen, damit die beste Regeneration, Ernährung und Schlaf die Talententwicklung unterstützen. Wenn eine Magersucht bereits deutlich ist, gibt es nur sehr selten den Weg zurück.
Nicht angeboren ist die Belastbarkeit, sie ist das Ergebnis möglichst früh beginnender allgemeiner- und spezieller vielseitiger Einwirkungen auf den kindlichen Organismus durch systematisch zunehmende Anforderungen, auch mit Übungen (Ganzkörper-konditionierung) zur Schwachstellenbeseitigung.
Erfahrung ist, dass besondere Talente, Konkurrenz im Training brauchen, neben Druck zur Nutzung ihrer Reserven, auch besondere Charakter-Trainer, „Bessermacher“ die Lob und Tadel wirksam nutzen, sie auch einmal in den Arm nehmen, bei leichteren Wettkampfaufgaben „siegen“ lassen.
Sie sind – hoffentlich - für diese außergewöhnliche Zeit im Umgang mit jungen Menschen geboren, haben „den Blick fürs Talent“, arbeiten mit Geduld, Leidenschaft, Herz, Liebe und Motivation, interessieren sich dafür, warum derzeit 18-20-22jährige in der Welt so schnell laufen, um ihre Gedanken in Arbeit mit Qualität und Intensität umzusetzen. Sie nutzen auch Trainingsformen für die p.B. zunächst gegen Gleichstarke und erst später auch einmal bei Meisterschaften gegen Bessere.
Vor allem wer will kann sich verbessern, jede investierte Stunde hilft
Talente erkennt man im Trainingsprozess, weil sie sich bei gleicher Belastung innerhalb einer Gruppe schneller entwickeln. Dies ist aber mit der Problematik verbunden, dass ihre kontinuierliche, schnellere Entwicklung nur dann gewährleistet wird, wenn sie auf der Grundlage ihres schnellerer Leistungsfortschritts ständig mit für sie auch reizwirksamen Belastungen konfrontiert werden und auch dafür bereit sind.
Auch für deutsche Talente gelten die Prinzipien der TRAININGSLEHRE im umfassenden Sinne, wenn ihre Anlagen eines Tages in außergewöhnlichen Leistungen sichtbar werden sollen. Da wurden nicht wenige Trainer in den letzten Jahren leider „rechts überholt", wenn ihre Läufer In den Nachwuchs-EM noch in den Schlagzeilen, mit danach nicht steigenden Belastungen die internationale Spitze nicht erreichten.
Ständige Ziele des Lauftrainings bis zum Karriereende sind
• Verbesserung des Blut- und Sauerstofftransports
• Ökonomisierung der Sauerstoffnutzung
• Verbesserung der aeroben Schwelle für die Wettkampfgeschwindigkeit
• Steigerung der aeroben Kapazität (V02max)
• Systematische Erhöhung der Geschwindigkeiten in allen Bereichen
• Verbesserung der Laufökonomie mit dem Ziel den Energieverbrauch zu senken
• Anpassung der Kraftfähigkeiten an die neuen Leistungsziele
• Und dass s i e bei der Regeneration, Ernährung und Schlaf auch nicht „schludern“
Talente müssen schon möglichst früh alle erforderlichen Trainingsformen gelehrt, und es von der Grob- bis zur Feinform vielfach geübt werden. Am besten wäre es, wenn sie Schüler oder Schülerinnen finden, die sich im Kindesalter viel und vielseitig bewegt haben und geistig mobil sind. Die Erlernung der Techniken der Trainingsübungen, vor allem der Lauftechnik, ist schon im Schüleralter geboten, spätestens im Jugendtraining.
Grundlagentraining bereitet, umfassend vielseitig, aber auch anspruchsvoll gestaltet, auf das Jugend- und Nachwuchsleistungstraining vor. Je früher ihr Talent für „sein / ihre Strecke“ erkannt wird, umso erfolgreicher wird die Karriere verlaufen.
Beweglichkeit, Flexibilität, Gewandtheit, Koordination, Gleichgewichtsfähigkeit, Schnelligkeit, Kraft und Ausdauer werden altersgemäß geschult, entwickeln sich aber nur wenn die Gesetze der Anpassung nicht negiert werden.
Ausbildung in der Lauftechnik und den Techniken aller Trainingsübungen sind Aufgaben im Grundlagentraining
• Leichtlauftechnik, Spiel mit der Geschwindigkeit und dem Gelände
• Mittelfuß - und Vorfußtechnik
• Starttechniken für die verschiedenen Lauf-Wettkampfstrecken
• Laufökonomie
• Technik des Hürden- / bzw. Hindernislaufs
• Techniken im Training mit anderen Sportarten
• Erarbeiten des Tempogefühls für geplante Wettkampfstrecken
Ausbildung der physischen Fähigkeiten
• durch heranführen an ein altersgemäßes Ausdauer - Qualitätstraining
• in der Basisausdauer (DL, FS, extensive TL, Long runs, Geländelauf)
• in der speziellen Ausdauer (vorwiegend kurze, mittlere TL, Spurttraining)
• in der Schnelligkeitsausdauer, Unterdistanztraining
• in den allgemeinen und speziellen Kraftfähigkeiten (Füße, Beinkraft, Zentrum, Oberkörper- / Armkraft)
• in der Koordination, Beweglichkeit, Gewandtheit, Gleichgewichtsfähigkeit
• im Partnertraining, Training mit Pacemaker
• Sammlung von Bewegungs- und Wettkampferfahrungen
• Taktikausbildung - Sieg - bzw. Rekordtaktik
• Ausbildung kurzer und langer Spurts
Üben, üben, üben -„learning by doing", auch mit Hausaufgaben. Fehler im Wettkampf hinterlassen die beste Lernwirkung, wenn sie aufgearbeitet werden. Trainer müssen aber davon ausgehen, dass ihre Athleten Fehler nicht absichtlich machen, Hilfe brauchen, auch noch im fortgeschrittenen Alter
Tempogefühl erarbeiten ist eine der Grundtugenden des Läufers, weil es, nicht zu langsam, aber auch nicht zu schnell, über das Wettkampfergebnis entscheidet. In Aufbauwettkämpfen ist das geübte am besten zu überprüfen. 5000m / 10.000m auf der Bahn oder 5 km / 10 km auf der Straße dürfen für Läufer keine zwei Welten sein. Mit der dem/der Läufer/in möglichen 100% Renn-Tempo und Frequenzsteigerungen in den Endphasen erzielt er / sie Siege oder auch p.B.
In den Mittelabschnitten schneller und frequenter in den Endphasen sind oft unterschätzte Lehraufgaben
Zu selten, wurde in der Vergangenheit berichtet, dass vor allem junge Langstreckler durch flotte Dauerläufe, durch Runden auf der Bahn zwischen 6 - 15 km, die 12 ½ oder 25 Runden im Wettkampf „geistig und moralisch vorbereitet wurden". Die Runden nahe der Leistungsgrenze auf der Bahn erfordern spezielle Willensanforderungen - wer nicht mental vorbereitet wird, erlebt oft sichtbar, in den letzten Runden „den Absturz“.
Ausbildung der psychischen Fähigkeiten
Willenskraft (Willensspann-/Willenstoßkraft) schulen bedeutet, die Sportler mit entsprechenden praktischen Anforderungen zu konfrontieren und sie gleichzeitig auf die Wettkämpfe vorzubereiten, es darf auch ruhig einmal wehtun.
Willenskraft und mentale Stärke entscheiden über mehr Siege oder mehr Niederlagen. Solche Fähigkeiten sind sowohl ererbt als auch trainierbar. Teil der „Erziehung zum Sieger" muss sein, immer wieder Bewährungssituationen zu schaffen, im Training (durch Tests, Kontrollläufe und Motivation), aber vor allem in Aufbau-Wettkämpfen vor den Höhepunkten.
Das beinhaltet nicht nur neue Aufgaben zu stellen, mit schwierigen Situationen fertig werden zu müssen, sondern die Aufgaben auch „abzurechnen". Den Umgang mit Siegen, vor allem aber mit Niederlagen zu vermitteln, die Sportler aber vor allem auf Niederlagen vorzubereiten.
Die Erziehungsarbeit des Trainers vom Talent bis zur erfolgreichen Sportlerpersönlichkeit widerspiegelt sich im Auftreten seines Sportlers bei wichtigen Rennen und den immer besseren Trainingsleistungen, wie beispielsweise in den nachfolgenden Beispielen. Wichtig ist nicht zu vergessen Sportlern mit Angstproblemen 1-2 Aufgaben in die Rennen mitzugeben und sie am nächsten Tag beim Training „abzurechnen“.
Belastungsanforderungen im Jugendtraining Lauf
Beispielprogramme NLT
Schnelligkeit (S) 20-30-40-60-40-30-20m
3 x (20 - 30 - 40 m) + 2 x 60 m
Schnelligkeitsausdauer 3 x 60 m + 3 x 100 m + 3 x 150 m Gp
3 - 4 x 200 m TW (30-30-40-50-50 m) Gp
2 x (3 - 4 x 200 m) 400 m RT*, Tp: 400 m / 2 - 4´
250 - 200 - 150 - 100 - 2 x 60 m / Lange Gp
800 m RT* 6 x 300 m Tp: 200 m (90")
1500 m RT* 5 x 600 m Tp: 100-200 m (60 - 90")
3000 m RT* 2-3 x 1200 m Tp: 300-400 m (90" - 2´)
5000 m RT* 3-4 x 1600 m Tp : 400-200 m (60-90")
+ 3 x 200 m oder 6 x 100 m
BAL - 10% 8 - 12 x 40 - 70 m steil- schnell / Gp
8 - 12 x 80 - 120 m zügig-schnell / Gp
8 - 15 x 150 - 200 m „mittel" / Tp - kurz
Schwellentraining Teststrecken: 4 - 5 x 2000 m
vL 3 10 / 15 km
3 - 4 x (5 oder 7 oder 9´) / Tp: 2 - 3´
1 x 15 bis 20´ DL
30 - 45´ >93% v. vL3 (systematisch verlängern)
* Renntempo
• Ein Trainer muss das Gehirn seines Individuums programmieren, er muss es in die Köpfe seiner Läufer*innen schaffen
• Die grundlegende Philosophie für alle Lauf-Strecken beruht darauf, den Umfang des speziellen Trainings > 90-110% zu erhöhen, wenn die anderen Trainingsinhalte (Basiskraft, Ausdauer, Lauftechnik etc.) den Frauen und Männern dies ermöglichen.
• Erziehen, entwickeln wollen, erfordert fördern und fordern zugleich. Jeder ist für irgendeine Disziplin oder Sportart talentiert, es ist Aufgabe der Trainer dies möglichst früh zu erkennen, sie der jeweiligen Disziplin / Sportart ohne persönliche Egoismen zuzuführen und entsprechend auszubilden. Genetisch festgelegt ist, ob die Muskulatur eher schnellkräftig oder verstärkt ausdauernd ist.
• Die Erfahrung lehrt das nicht alle Talente über die notwendigen Intelligenzvoraussetzungen verfügen, um die privaten, schulischen und Trainings- und Wettkampfaufgaben erfolgreich miteinander zu verbinden. Intelligenz ohne Leistungs- und Leidensbereitschaft führt nicht zu Spitzenleistungen. Erfahrung ist auch, dass Sportler im Endeffekt können, was sie können wollen
• „Streng geheim“ – Supertalente werden „trotz Trainer“ gut, sagen die Coaches, wenn sie unter sich, den Abend einmal ausklingen lassen.
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© Lothar Pöhlitz* – Studium DHfK Leipzig – seit 1958 Dipl.- Sportlehrer für Leistungs-sport / Sportwissenschaftler / 20 Jahre Trainer und Cheftrainer im SC Chemie Hale / Nachwuchs-Verbandstrainer / 1971-1979 Leiter des Wissenschaftlichen Zentrums für Lauf-Trainingsmethodik der DDR / Ab 1980 - 1998 Sprint-Trainer Bayer Leverkusen, Trainer LG Olympia Dortmund / DLV-Bundestrainer Mittelstrecke – Langstrecke - Marathon / zuletzt Teamleiter Marathon / Straßenlauf / 3x Olympia-Trainer für Deutschland / 4 Lauf-Fachbücher





